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Jeden Tag trudeln in meinem E-Mail-Postfach diverse Pressemitteilungen ein. Dafür habe ich mich ganz bewusst entschieden, um mich als PR-Mensch immer über den Markt und die Wettbewerber informiert zu halten. Doch manche Texte kann und möchte ich nicht mehr lesen. Es widert mich förmlich an. Die wahren Perlen dieser Pressemeldungen möchte ich gerne hier vorstellen, auch mit einer Bastelanleitung der Marke Eigenbau zum Selbsttexten.
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Liebe Deutsche Politiker,

schneidet euch eine Scheibe von dem Medienrummel und PR-Spektakel in den USA bitte eine Scheibe ab. Was zur Wahl in Hessen nur ansatzweise funktioniert hat, revolutionierte die Wahl zum Präsidenten der USA vollkommen. PR-Aktivitäten im Internet kombiniert mit klassischen Mechanismen der Wählerbindung. Wieso haben die es so perfekt gemacht? Ich beneide das Team um US-Präsidenten Barack Obama vollkommen.

Barack Obama als Lichtgestalt der jungen Generation in einem digitalen Feldzug. In den Zeiten von Bürgerüberwachung mit dem Bundestrojaner und anderen Mitteln oder durch pauschalisierte Filterungen und Sperrung von Webseiten in Deutschland kann das Internet auch anders genutzt werden. Zeitgleich mit dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama wurde das offizielle „Regierungsinformationsportal“ WhiteHouse.gov rundum erneuert. Neben den politischen Botschaften und unglaublich beeindruckend wirkenden, großflächigen Bildern, weckt vor allem eines Hoffnung: Obama wird dem Internet treu bleiben und verspricht transparente Politik. Das Portal von WhiteHouse.gov dient als zentraler Bestandteil dieser Informationspolitik.

WhiteHouse.gov will be a central part of Präsident Obama’s pledge to make his the most transparent and accountable administration in American history.

Warum auch nicht? Die Möglichkeiten des Internets aus hochoffizieller Quelle sind schier unendlich. Amüsant wirkt die Darstellung durchaus, wenn man deutsche Politiker und offizielle Internetauftritte der Bundesregierung betrachtet. Anstatt hochwichtiger Presseinformationen oder sonstigen Proklamationen prangert auf der Startseite nicht unwesentlich platziert das offizielle Blog.

Na bitte – sagt nicht, dass das Internet böse ist. Das Team von Obama hat es perfekt verstanden, das Medium so unglaublich einzigartig in Szene zu setzen – man darf also gespannt sein, was sich in Zukunft durch die intensive Webpräsenz des neuen US-Präsidenten ergeben wird. :)

Irgendwie irritierend, was in dem Video über XING in den USA so abgeht. Gut gemachter Fake? Scheint so, denn der Reporter Lou Santini ist letztendlich ein Comedian. Trotzdem ein starkes Projekt mit viralem Charakter – und mal so gar nicht das Web 2.0 in den Vordergrund gestellt. Aber ich glaube, dass alles auf eine Aktion zum fünfjährigen Jubiläum des Kontaktnetzwerkes zurückzuführen ist… :)

Link: xing.com bombastische regelung in der US

Wahnsinn. Abgefahren. Unglaublich. Im Blog bin ich üblicherweise nicht politisch aversiert, aber das hier ist schlichtweg der Hammer des Tages. Niemand geringeres als die „Gouvernante“ von Alaska, Sarah Palin, wurde von den Masked Avengers mit einem unglaublich langen Telefonstreich verarscht. Die zwei Comedians riefen von Radio CKOI 96.9 FM (Montreal, Quebec) das Büro der McCain-Vize an und gaben sich für Nicolas Sarkozy, den Präsidenten von Frankreich, aus. Die Vermittlungsstelle schaltet das Gespräch sofort durch, Sarah glaubt es bis zu letzt und freut sich einen Keks… bis sie von den Anrufern aufgeklärt wird.

Dieses Beispiel zeigt eindeutig, dass selbst wichtige Telefonate nicht ohne vorherige Absprache stattfinden sollten. Besonders in dem Fall der scheinbaren Unkenntnis über die Person Sarkozy’s und seine Stimme sind entsprechend peinlich für ein politisches Headquarter. Jetzt wird erst recht auf Sarah Palin im Internet und von den traditionellen Medien eingetrommelt. Hat denn niemand den Anrufer vorher überprüft? Ist Sarkozy zu dem Zeitpunkt des Anrufes nicht vielleicht sogar schon zu Bett gegangen? Kein gutes Licht, unter dem Palin da steht. Ein perfektes Szenario für Public Relations, bei dem man hinterher den Dreck aufwischen darf, den die gloreiche Frontfrau hinterlassen hat. Tretet mal eure Krisen-PR-Maschinerie los… :)

Gut Ding will Weile haben. Nach Jahren wird in einem der deutschen Vorzeige-Zeitschriftentitel über Blogger auf mehreren Seiten geschrieben. Nicht über den Internet-Artikel, sondern direkt durch den Kauf der Zeitschrift stieß ich auf das jüngste Machwerk unserer deutschen Medienlandschaft. Es hat mich jedoch nicht überzeugt. Anstatt sich mit der Veränderung der Medienlandschaft auseinander zu setzen, wird vielmehr der Blogger als individualistisches Ego dargestellt. Was in den USA aufgrund einer unerträglich genialen Auffasungsmentalität der digitalen Bohéme funktioniert, ist und bleibt ein Problem der Blogkultur in Deutschland.

Wir schaffen es in unseren Breiten nicht, über den Tellerrand zu blicken und unsere medialen Momentaufnahmen in stilistische Ergüsse zu wandeln. Insbesondere die Banalisierung der Inhalte ist ein deutsches Phänomen, was sich die amerikanische Blogosphäre bisher auf ihrem Erfolgskurs nicht angetan hat. Die Meinungsfreiheit ist drüben einfach höher geschätzt und hier nur bei Bedrängnis ein Leuchtturm im düsteren Fahrwasser. Kein Wunder also, wenn hier kein Schwein die Blogs verfolgt – mit Ausnahme von Bloggern, Journalisten und medienaffinen Denkern. Wir haben keine Nicht-Geeky und Nicht-Bloggy Leser, die regelmäßig tagtäglich durch einen Blogger auf dem Laufenden gehalten werden wollen. Nur unsereins beflügelt sich selbst durch den Exzess der Blogkultur.

Erst kürzlich stellte ich fremden Menschen in der U-Bahn die Frage nach dem Bildblog. Keiner kannte es. Spreeblick? Fehlanzeige. Spiegelfechter – wäre das eine neue Sportart? Der Vollständigkeit halber: Robert Basic kannte auch niemand – mich selbst konnte auch keiner so richtig zuordnen. Was den deutschen Blogs fehlt sind nicht eigene Themen, politische Eskapaden oder verschärfte Meinungsbildung und journalistische Recherche, sondern nur eines: Die Leser müssen her!

Und solange sich die deutschen Onlinenutzer nicht um die durchaus persönlichen Belange ihrer Mitmenschen über Weblogs annehmen, wird auch nicht viel passieren, als dass ein paar tausend Leser (gemessen an Unique Usern im Monat) durch die Blogosphäre rauschen. Meine Mutter, meine Tante, meine Großmutter, meine Cousine, mein Cousin – zwar sind einige davon nicht im Internet, aber selbst diejenigen, die sich im Netz tummeln, nutzen doch eher StudiVZ anstatt sich mit Blogs zu beschäftigen.

Nachtrag vom 22. Juli 2008: Der Ehre halber muss ich nach Lesen dieses Artikels von Olaf festhalten, dass meine Ehefrau natürlich hochgradig netzaffin ist. Außerdem hat meine Tochter schon eine eigene Domain. Einige weitere Leseperlen möchte ich natürlich zum SPIEGEL-Thema auch verlinken: Lukas Heinser, Sven Keßen, Erich Kubitz, Jens Berger oder Besim Karadeniz – um nur einige Beispiele zu nennen. :)

Wenn nicht schon in der Vergangenheit werde ich jetzt bestimmt mit diesem Blogeintrag die Aufmerksamkeit der USA erregen. Über die wunderbare presseagenturmäßige Verbindung von ots und PR Newswire kommen immer öfters Pressemitteilungen des U.S. Department of Homeland Security – oder auf gut bürgerlichem Deutsch „Heimatzschutzministerium“ herein. Dabei ist der Inhalt nahezu immer der gleiche Kram von einem Flugplatz in den Staaten und den schönsten zehn Fingerabdrücken, die man sich nur erdenken kann:

Heimatschutzministerium beginnt am [hier Flughafenname einsetzen] mit der Erfassung aller zehn Fingerabdrücke von internationalen Reisenden

Begründet sind diese Maßnahmen, und dabei auch diese abstrusen Pressemeldungen zwecks reiner Information und Offenlegung der Maßnahmen, in der Einführung des US-VISIT-Programms aus dem Jahr 2004. Als Konsequenz nach 9-11 und sonstigen semi-aggressiv-kriegerischen Akten setzt das Heimatschutzministerium mit steigender Beliebtheit biometrische Identifizierungsdaten ein. Es soll nur einem Zweck dienen – also mehreren Zwecken – damit die Verwendung gefälschter Dokumente verhindert wird, Besucher vor Identitätsdiebstahl geschützt werden und Tausende von Kriminellen aufgehalten und Personen, die gegen die Einwanderungsbestimmungen der USA verstossen, an der Einreise gehindert werden.

Seit dem 11.12.2007 und kurz darauf in einheitlicher Darstellung erquickt sich nun Deutschland an den standardisierten Meldungen, die nur eines aussagen: Bucht Flüge, die um die USA herum gehen oder landet erst gar nicht, denn sonst werden euch die Fingerabdrücke abgenommen. Oder versucht einfach vorerst nicht in den folgenden Flughäfen (zwischen) zu landen – denn es geht nicht nur um Einreisende, sondern Reisende – und das schließt vom deutschen Wortlaut jeden ein, der sich dort hinbegibt – zumindest nach meiner Vorstellung:

  • Dulles International Airport in Washington
  • Detroit Metropolitan Wayne County Airport
  • Hartsfield-Jackson Atlanta International Airport
  • Boston Logan International Airport
  • George Bush Houston Intercontinental Airport
  • San Francisco International Airport
  • Miami International Airport
  • Orlando International Airport
  • John F. Kennedy International Airport in New York (beginnt in Kürze)

Alle übrigen Einreisestellen für den Luft-, See- und Landverkehr werden jedoch sowieso bis Ende 2008 zum so genannten „Zehn-Finger-Erfassungsstandard“ übergehen. Ich kann noch mit meiner alten Fertigkeit in Zehn-Finger-Schreibmaschine auftrumpfen. Komme ich damit vielleicht auch durch?

Der bezeichnende Titel „Bundesrepublik“ ist doch langsam überholt. Wenn man solche Thesen und Gedankengänge unseres derzeitigen Innenministers Wolfgang Schäuble liest, fragt man sich doch in welchem Rechtsstaat man eigentlich lebt. Die USG ist nicht mehr fern – United States of Germany! Zumindest durch den Stil der aktuellen politischen Führung und mit der Ausübung eines Anti-Terror-Kampfes kann Deutschland jetzt endlich mit den USA mithalten. Das stimmt irgendwie nachdenklich und traurig.

Ich wurde desöfteren wieder mit der Frage von außerhalb konfrontiert, warum Twitter einen Hype ausgelöst hat. In den USA (und auch anderenorts) ist wirklich der Empfänger auch der Träger von sämtlichen Kosten einer SMS. Im Gegensatz zu Deutschland oder Europa entstehen dem technisch aufgebauten Dienstleister Twitter daher im Prinzip nur die reinen Serverkosten und wenn überhaupt die Versandkosten/Nutzungskosten für ein SMS-Gateway. Natürlich bin ich da kein Spezialist was die Kostenstruktur eines solchen Betreibers angeht, aber man darf ja ein wenig herumspinnen. Hier bei uns jedoch gelten ganz andere Grundvoraussetzungen.

Nur in Deutschland zahlt man für den Versand einer SMS als Dienstleister oben drauf. Es sind schon minimierte Kosten im Gegensatz zu den Preisen, die man für den üblichen SMS-Versand berappen muss. Twitter selbst hat anscheinend genügend Finanzspritzen erhalten um den Aufrechterhalt und den Betrieb zu sichern. Und der Betrieb ist dabei ziemlich klein bemessen. Es werden keine Bilder, Videos, Audiofiles oder sonstiges trafficlastiges Material mit Twitter in Verbindung gebracht – hauptsächlich ist daher der Text der Chatnachrichten bzw. die gesamten HTML Dateien zzgl. Benutzerbildchen ausschlaggebend. Das ist low-cost Traffic.

Was aber zu guter letzt dabei herauskommt ist eines: Ein Exit für viel Geld an den Meistbietenden, der dann als Belohnung das System mit seiner Werbung zuknallen darf. In Deutschland kann ein Twitter-Klon nur erfolgreich sein, wenn keine Kosten entstehen und ich als originärer Nutzer des Dienstes keinen einzigen Cent hinzuzahlen muss.

Zur Werbekampagne (oder eher Promotionkampagne) namens „Got Milk?“ aus Übersee findet sich unter www.gettheglass.com ein recht eindrucksvoll umgesetztes Flashgame. Man muss es einfach selbst anschauen um in den Genuß dieses kleinen Meisterwerkes, einem aufwändig animierten Würfelspiel, zu kommen. [eingespeist vom CtH]

Ich erinnere mich noch an die gute alte Zeit, wo ich auf einem Bauernhof frische Milch kosten durfte. Zugegeben, es schmeckte in dem Moment recht wirsch, eine Kelle vom warmen Gebräu der Milchkuh zu probieren. Doch in dem Zusammenhang finde ich die in diesem Artikel beschriebenen Zustände in den USA bezüglich roher Milch sehr hart: Got Milk? You’re Under Arrest

That’s right, there is a dangerous underground of dairy devotees who prefer to drink their milk straight from the cow, sans pasteurization and homogenization – and government is increasingly out to stop them. Some states, in fact, equate the sale of raw milk with the sale of drugs.

Von der anderen Seite betrachtet ist die Milch auch ein wirtschaftliches Gut. Gewisse Prozesse sind notwendig, um die Milch als Gut zu monetarisieren und dabei die Produzenten sowie die Konsumenten zu schützen. Anscheinend nehmen es die USA jedoch sehr ernst, wenn man rohe Milch verkaufen möchte – Gefängnisstrafen für den Besitz von illegalen Milchbeständen können sogar vorkommen. Vielmehr sollte sich um die meines Erachtens wichtigeren Sachen im Leben gekümmert werden, als dass rohe Milch verteufelt und der Besitz unter Strafe gestellt wird – sie hat durchaus positive wie auch negative Effekte für den gesamten Organismus…

Den Regeln zum Trotz stellt sich das Internet und die an seinem Fortbestand beteiligten Personen öfters gegen die Traditionen, wie sie in der Medienwelt herrschen. In Bezug auf die jüngsten Entwicklungen, dass das berüchtigte „Saddam Hanging“ Video im Internet zum Download angeboten wird, keimte jedoch der Begriffsstimulus „Seuche Internet“ durch die SZ auf.

Die Seuche Internet garantiert, dass die Bilder auf immer abrufbar sein und – so weit der Begriff in diesem Zusammenhang erlaubt ist – kulthaften Status annehmen werden.

Ich persönlich befürworte keinesfalls die Distribution von solchem Material, aber die durch die Medien ursprünglich in Szene gesetzte redaktionelle Sichtung, Kontrolle und Wahrung von allgemein anerkannten Prinzipien sind allesamt unlängst „de facto“ vorbei. Was für ein Wortspiel. With all due respect to the mainstream media houses – die Zeiten ändern sich.

Allein ich bestimme mittlerweile, welche Inhalte ich konsumiere. Die Auswahl und Sichtung des Materials geschieht in der Zeit, die ich früher zum Zeitungslesen oder Fernsehen nutzte. Informationen erreichen mich viel schneller als die kollektive Massenbefriedigung eines Leitmediums. Die gesamte redaktionelle Kompetenz obligt hier also dem Individuum, welches sich im Citizen Media Journalismus der modernen Web 2.0 Softwareapplikationen eigenständig bewegt und zurecht findet. Stellt dieses Individuum sogar seinen eigenen Inhalt in dieses Netz mit ein, prosumiert er konsequent mit allen anderen Teilnehmern. Nun frage ich mich jedoch – ist das schlimm? Oder ist es nur dann schlimm und rechtfertigt einen journalistischen Beitrag, wenn es um etwas ziemlich ekelhaftes, nicht alltägliches und oben drein abscheulich groteskes Bild- und Tonmaterial dreht?

Ganz klar – das besagte Video kann und muss nicht als Appetizer zum abendlichen Unterhaltungsprogramm beitragen. Nur weil es eine Person ist, die die Menschheit so stark beeinflusst hat, muss man diese Aufnahmen nicht der öffentlichen Informationsgeilheit präsentieren. Aber wir sind ja keine Richter und möchten auch nicht richten – das Urteil bildet sich jeder selbst. Persönlich erwarte ich in Zukunft, dass immer mehr Grenzfälle der Informationsbefriedigung und -geilheit auftauchen und so die Massen und Medien aufeinander los lassen. Gestehen muss ich jedoch eines: Die Exekution selbst wurde medial zerfleischt und die Reaktionen sind genau das Gegenteil von dem, was sich gewisse Politiker und mächtige Menschen erhofft hatten – und auch ein perfektes Beispiel für die Machtlosigkeit der großen USA und der Regierung im Irak, die es nicht geschafft hatten, ein verdammtes Handy einzukassieren, so dass so eine Aufnahme nicht gemacht werden konnte.