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Wenn ich mich einer Alkoholkontrolle von der Polizei entziehen würde und dabei mit Vollgas an der Kontrolle vorbeifahren würde, hätte ich ein halbes Rudel der Ordnungswächter hinter mir her. Entzieht man sich einem Dopingtest, kann ich im Radsport einfach weiterfahren und sogar Erster sein. Naja, so einfach ist das dann doch nicht, wenn man gefeuert wird. Ciao bello! Michael Rasmussen ist draußen! Sein Team Rabobank setzte Rasmussen vor die Tür, weil er über seinen Aufenthaltsort des Fahrtrainings bewußt gelogen hatte. Nach Christian Moreni, Alexander Vinokurow, Jörg Jaksche, Patrik Sinkewitz, Bert Dietz, Christian Henn, Udo Bölts, Rolf Aldag, Erik Zabel, Bjarne Riis und Ivan Basso fehlt eigentlich in der Liste der Verdächtigen nur noch Jan Ullrich, der bisher kein Geständnis abgeliefert hat. Doch wer kommt als nächstes?

Nebenbei bekommt Sat.1 trotz der übernommenen Tourberichterstattung ein arges Problem, weil sich die werbetreibenden Kunden sträuben, die Übertragung zu sponsorn oder entsprechende Werbespots zu schalten. Diese Imageprobleme der „Tour der Farce“ können ja nicht einfach übersehen werden, und meine Werbebotschaft soll ja nicht später heißen „Der Schokoriegel gibt Kraft – bis zur Urinprobe„.

So titelt Spiegel Online: Cofidis-Profi Moreni positiv getestet – was will man mehr von der Tour de Farce? Möchte sich jemand mit mir zusammen tun und das erste „Doping Blog“ starten? Ich habe die Idee, aber keine Zeit das Ding mit Inhalten zu füllen… letztendlich wäre soetwas ein Miniaturblog, in dem nur die Dopingfälle aufgelistet werden. Wie ein bloggischer Pranger für die leicht benebelten Geister des Sports! :)

Doping! Doping! Doping! Tour de Farce! Tour de France! Tour desaströs! With all due respect, but where the fuck are we living? On Planet Stupidity? Wie Spiegel Online berichtet, windet sich Alexander Vinokourov (Alexander Winokurow) nach dem Nachweis von Fremdblut-Doping und versucht seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen. Das peinlichste ist dabei, dass scheinbar sein gesamtes Sportteam Hals über Kopf die Tour verließ. Welch Blamage! One more down! Die positive Dopingkontrolle zeigt wieder einmal, dass jegliches Gerede und auch Unschuldsbekenntnisse einfach nur leere Worte sind. Pfui! Ihr Scharlatane – an die Wand mit euch und mit Tomaten geworfen.

Dass natürlich alle beteiligten Fahrer und Helfer entsprechend entsetzt sind und dabei wiederum ihre Unschuld und Unwissenheit in den Vordergrund stellen wollen, ist keine große Neuigkeit. Letztendlich bestätigt sich für mich eines: Sowohl der internationale als auch der deutsche Radsport haben sämtliche Glaubwürdigkeit verloren – zum wiederholten Male. Geht doch nach Hause, verschwendet nicht unsere Zeit. Einen Live-Stream schaut sich doch sowieso keiner mehr an, die Geständnisse gehören mittlerweile zum Alltag und wenn man noch einmal von „Tour“ redet, würde sich jeder Sponsor am liebsten in einer kleinen feuchten Ecke verkriechen und heulen. Hoffentlich wird alles besser in Zukunft… ich wünsche es mir zumindest für jede Sportart. Zumindest haben Radsportler dicke Eier… immerhin etwas.

Adé ARD, adé ZDF! Welcome new Platzhirsch of the journalistic supreme lead Privatfernsehen Sat.1! Herzlichen Glückwunsch zu dem sicherlich billigen Einkauf der Tour der France. Auf dem privaten Fernsehen lebt es sich ja bekanntlich eh ein wenig leichter, wenn man von solchen Eskapaden zu hören bekommt. Niemand geringeres als Jan „Mister No-Dope“ Ullrich gibt seinen Senf zu Radsport ab. Ein wenig beschämt sollte man doch sein, wenn man sich die Interviews zu Gemüte führt, oder man könnte vielleicht doch einen TV Sender suchen, der das Sportereignis wahrlich nicht in der Art verhunzt, dass erneut der Journalismus bei derartigen Interviews zu Grabe getragen wird. Und letztendlich fällt alles nur noch unter den Begriff „Sponsored Tour“, zumal sich jetzt eine Reihe von neuen Werbekunden an dem Sportereignis auf Sat.1 erfreuen können, die nie in der ARD oder im ZDF in solchem Rahmen auftreten konnten.

Nachdem die Blitzmeldung vom Ausstieg von ARD und ZDF aus der Live-Berichterstattung von der Tour de France gestern für Furore in der Öffentlichkeit sorgte, sieht man auch aus der Blogosphäre die Kritik einprasseln. Zuerst die gekürzte Nachrichtensituation von Sat.1 und dann die Kerbe, die durch die ARD und das ZDF geschnitten wurde – um nur einige zu nennen, die mir aufgefallen sind: Visualblog, Indiskretion Ehrensache, Dimension 2k, alltagskalkophonie, Notizblog, Popkulturjunkie oder Juber haben sich durch entsprechende Berichterstattung um dieses spannende Medienthema in Szene gesetzt.

Letztendlich sehe ich es so: Es ist absolut perfekte PR für die ARD und das ZDF. Der Anfang machte im Prinzip die Konkurrenz – mit dem Wegfall der Nachrichten bei Sat.1 rückten die öffentlich-rechtlichen Sender als journalistische Leitmedien für die deutsche Fernsehlandschaft in den Mittelpunkt. Die immer neuen Doping-Skandale rund um den Radsport brachte zusätzliche Aufmerksamkeit für die berichtenden Medien, auch wenn man sich davon distanzierte. Das Lamentieren um die knappe 1 Million Euro Verlustgeschäft bei einer Senderfamilie, die sich über Gebühren im Milliardenbereich finanziert, hörte sich ebenfalls absolut wichtig an, da die Sponsoren ausblieben und die Tour nicht gänzlich für die Sender tragbar war. Der gestrige Ausstieg von ARD und ZDF, der pressetechnisch zu einer guten Zeit und mit der nötigen Kürze und Würze bekannt wurde, war letztendlich der Paukenschlag auf dem Gipfel jeglicher Aufregung. Auch der Live Stream war weggebombt.

Doch es ist ja nur vorerst. Ich tippe, dass spätestens am Wochenende die Berichterstattung mit einem neuen medialen Paukenschlag wieder aufgenommen wird. Warum ich so optimistisch bin ist einfach erklärt: Die ARD und das ZDF sind volksnahe Medien, die der Öffentlichkeit per Rundfunkstaatsvertrag verpflichtet sind. Das Interesse ist groß an dem medialen Spektakel namens Tour de Doping Tour de France, und als Sender kann man sich dem nicht verwehren.

Wir sind schockiert. Die Informationsflut ist gebremst. Nachrichten verlieren ihre Wertigkeit zuerst bei Sat.1 und jetzt bei den Öffentlich-Rechtlichen.

Vorläufiger Ausstieg von ZDF und ARD
ARD und ZDF steigen ab sofort aus der Live-Berichterstattung von der Tour de France aus. Diesen gemeinsamen Beschluss fassten am Mittwoch ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender und ARD-Programmdirektor Günter Struwe.

Ich weiß nicht was ich davon halten soll, aber sicherlich hat diese Entscheidung ihre Gründe in den erneuten Doping-Skandalen um den Radsport und natürlich um das entsprechend mangelnde Zuschauerinteresse in diesem Jahr.

In eigener Sache: Es gibt dafür auch andere Programme, die man live mitverfolgen kann – wie den MercedesCup auf sevenload! ;)

Vielleicht ist es nur an mir vorbei gezogen, da ich mich am Wochenende recht un-medial verhalten habe und mich eher auf das Leben selbst konzentriert habe. Jedoch kommt es mir so vor, als ob die Tour de France mit ihrem offiziellen Start in England (aha!) nicht den Medienrummel erlebt, wie es in den vergangenen Jahren Gang und Gebe war.

Die ARD überträgt zumindest in bewährter Kooperation mit dem ZDF das französischte Sportereignis in gewohntem Stil, nur scheint bisher keiner hier in unserem Lande sich für das Thema richtig zu interessieren – auch wenn zahlreiche Medienberichterstatter darüber sich die Finger wund schreiben. Warum wird man nicht auf allen Kanälen mit zielgruppen- und themenspezifischer Werbung zugeballert, wie man es in der Vergangenheit ohne „Wenn und Aber“ gemacht hat?

Haben die jüngsten Entwicklungen oder schon die vergangenen Geständnisse rund um das Doping im Radsport ihren Teil dazu beigetragen? Finden sich weniger Sponsoren, die eine mediale Wahrnehmung im Sinne eines als Aufputschmittels nicht akzeptieren wollen? Oder kommen die Werbetreibenden erst jetzt in die Puschen, wenn die Tour de France auch wieder auf französischem Boden strampelt… Zumindest Skoda scheint mit dem alten Spot von 2006 für seine Kombiflotte zu werben, die auch an einem Bergmassiv oder beim Aufprall mit einigen Radsportlern nur kleine Schrammen für die Tour in Kauf nehmen muss. Altbewährtes tut es auch – nur rein subjektiv betrachtet empfinde ich sehr wenig Präsenz der Sponsoren als bedrohlich für einen solchen Event. Kein Piep von Nestlé Aquarel, Brandt, Haribo, Dr. Oetker und allen anderen zu hören. Wie das Schweigen im Walde. Oder habe ich die Werbespots einfach übersehen nicht gesehen? ;)

Wie wir alle mittlerweile wissen haben die öffentlich-rechtlichen Sender die Aufgabe meritorische Güter zu wahren und einen Grundversorgungsauftrag wahrzunehmen. Dabei sollten die bsp. die Berichterstattung unvoreingenommen und unabhängig erfolgen. Doch was sich die ARD geleistet hat ist einfach unglaublich: da wurden Verträge mit einem Jan Ullrich geschlossen damit dieser persönliche und exclusive Interviews liefert und für bestimmt Sendungen in der ARD bereit steht. Dafür wurden im laut DWDL Beträge im sechstelligen Bereich gezahlt. Und als ob Herr Ullrich nicht schon genug so verdient hat zahlte ihm die ARD auch noch Prämien für Siege und Platzierungen.

Die Konsequenz aus diesem Debakel müssten eigentlich klar sein und die Verantwortlichen sollten dafür ihren Kopf hinhalten. Nicht so bei der ARD: dort wird die Verantwortung vom Programmdirektor Günter Struve und dem verantwortlichen Sportkoordinator Hagen Boßdorf einfach auf die Mitarbeiter abgewälzt und deren Verträge verlängert. Da möchte man doch glatt bei der ARD arbeiten nach dem Motto Mist verbocken und keiner braucht dafür gerade zu stehen. Aber mal ganz ehrlich: wenn man so eine Verantwortung inne hat wie eben als Programmdirektor, dann sollte man auch wissen, was die Mitarbeiter so treiben. Außerdem sollte man sich schon mal ab einem bestimmten Punkt anfangen zu wundern, warum den ausgerechnet immer die ARD so tolle Interviews mit Jan Ullrich erhielt.

Die Frage ist nun wieviele Exclusiv-Verträge eigentlich noch so im Umlauf sind? Wenn man schon Jan Ullrich Millionenbeträge bezahlt, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, warum die ARD einen steigenden Finanzbedarf aufweist. Aber solche Probleme kann man ja am Ende u.a. auf die Zuschauer abwälzen in Form von GEZ-Gebühren. Immerhin weiß der ein oder andere jetzt, worin sein Geld die letzten Jahre investiert wurde. Desweiteren hatten es die Werbepreise während der Tour de France ja zunehmends auch in sich. Und das man einen einzelnen Radsportler auf diese Art und Weise fördert zeugt nun wirklich nicht von qualitativen und unabhängigen Journalismus. Wozu brauchen wir dann eigentlich noch öffentlich-rechtliche Sender (onhe eine Generalisierung vornehmen zu wollen), wenn diese sich teilweise auf dem Niveau der privaten Sender bewegen?

Ich kann nur sagen, dass die ganze Sache einfach unglaublich ist und die Verantwortlichen bitte daraus die Konsequenzen ziehen!

Für alle Leserinnen und Leser, die bei dem französischen Großereignis mitfiebern möchten, gibt es hier beim ZDF die Live Stream Übertragung der ganzen unhaltbaren Tour de France. Wir bieten diesen Service mit unseren derzeitigen kapazitären Auslastungen natürlich nicht an.

Nichts ahnend kommt man da nach Hause und will einfach nur mal abspannen und sich mit Hilfe von Spon auf den neusten Stand bringen, da es ja immer so schön einfach ist. Und als erstes springen mir Artikel von Suspendierungen u. a. von Jan Ullrich (Team Telekom), Ivan Basso (Team CSC) und Francisco Mancebo ins Auge (Team AG2R). Damit startet nun kein Topfavorit bei der Tour de France 2006. Ich frage mich echt, was da nun los. Ist das alles nur ein schlechter Witz um Aufmerksamkeit zu erhalten und ein wenig von der Fußball WM 2006 abzulenken? Werden am kommenden Samstag doch noch einige Favoriten überraschenderweise starten dürfen?

Nun gut, ich werde mir den Auftakt morgen dennoch anschauen um dann zu entscheiden, ob es sich noch lohnt die diesjährige Tour de France mit zu verfolgen oder nicht zumal ich mich schon wochenlang darauf gefreut habe. Es ist jedoch schon traurig und vor allem wäre es dumm von Jan Ullrich, wenn er wirklich mit in die Dopping-Affäre verwickelt ist, weil dann seine Karriere als Radsportprofi wohl endgültig vorbei wäre. Man sollte ja auch schließlich annehmen, dass man aus Fehlern lernt. [via Spon 1, Spon 2]