Es geht weiter mit dem Irrsinn, den man schon vor knapp zwei Jahren ertragen musste. Poliert Eure Klowände! Die Beteiligten Jung von Matt sind neben Kempertrautmann und Fischerappelt wieder dabei um der deutschen Medienlandschaft an die 32 Millionen Euro abzuknöpfen – und das für eine Kampagne, die sich im Volksmund und in Bloggerkreisen sehr wenig Anklang erfreute. Die alte Kampagne im Jahre 2005 wurde auf klassische Weise „schöngeredet“. Medienwirksam perfekt in Szene gesetzt wurden jedoch kaum die Menschen selbst mit der Botschaft angesprochen, eine Identifikation mit den verkörperten Leitbildern der Werbespots konnte in seltensten Fällen erzeugt werden.

Laut der W&V müssen wir uns jetzt mit einem ernsten Thema, nämlich dem „kinderfreundlichem Deutschland“, beschäftigen. Ich habe mich nach bestem Wissen und Gewissen über die gravierenden Unterschiede in den verschiedenen Sozialsystemen in Europa informiert und muss sagen, dass Deutschland alles andere als kinderfreundlich ist. Schaut euch Frankreich oder Spanien an, selbst Dänemark macht einem etwas vor – und in Deutschland streitet man sich noch über den Status von Kindern oder sogar über den Status von nicht-verheirateten Eltern – und wagt dies mit steuerlichen Nachteilen zu bestrafen.

Als ein Mensch, der sich nicht von den Grenzen eines Landes einschüchtern lässt und ganz gewiss eine internationale Bildung im Studium genossen hat, sehe Deutschland als ideales Land für Singles und kinderlose Lebenspartnerschaften an – für alles andere, was die kleinen Zwerge unserer Zukunft brauchen, sind wir ein Teil des westlichen Hinterlandes und ganz bestimmt nicht an der sonnigsten Stelle auf der Wetterkarte zu finden. Beim Blick über die Landesgrenzen hinweg werde ich sehr neidisch auf das, was die Förderung der Kinder in den Familien seitens des Staates angeht. Aber wenn Politiker ja noch nicht einmal wissen, was so mit dem Internet machbar ist, sollten sie vielleicht auch lieber die Finger von der Familienpolitik lassen…

3 Kommentare
  1. Boris sagte:

    Da Politik hierzulande ja im Wesentlichen darin besteht, dass man polierte Parolen und „Wahrheiten“ verkündet und anschließend entweder per Gesetzgebung irgendwelchen lobbystarken Verbänden nach dem Beutel entscheidet oder aber gar nichts tut und es bei den Parolen belässt, passt solch eine neuerliche neoliberale Kampagne doch gut ins Bild.

    Und wenn man zusätzlich noch die alte Kampagne schadlos und wohlfeil für „erfolgreich“ erklären kann, ohne natürlich in irgendeiner Form den Beleg liefern zu können (was schon rein logisch nicht funktioniert), dann wird man eben erneut versuchen, sich für die neue Parole gemäß dem Motto „Werben und Verkaufen“ ins rechte Licht zu setzen.

    Freuen wir uns also auf eine neue groß angelegte und millionenschwere konzertierte Agenturen-Klowandbeschriftung… ;-)

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] vor fast einem halben Jahr mir das Revival der “Du bist Deutschland” Kampagne mit dem Schwerpunkt der Kinder des Landes […]

  2. […] wird, sondern dass überhaupt wieder ein Förderpreis ausgelobt wird. Anstatt einer neuaufgelegten Mutmachkampagne, die letztendlich auch einer medienwirksamen Bereicherung dient, wird zumindest ein Preisgeld […]

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