Neue Social Media Suchmaschine: Talkwalker startet kostenloses Tool für PR- und Marketing-Fachleute

Im Kundengeschäft und in der Akquise hilft es, die aktuellen Druckpunkte eines Unternehmens schon im Vorfeld zu kennen und nicht erst im Pitch darauf aufmerksam zu werden. Wo brennt der Schuh und wo juckt es das Unternehmen derzeit? Mit dieser durchaus pragmatischen Denkweise, den potenziellen Kunden in Social Media zu beobachten und diese Informationen im Gespräch zu nutzen, haben sich viele externe Berater und Agenturen angefreundet. Meist verwendet man klassische Suchmaschinen, die wirklich Pfiffigen unter uns setzen zur Kundenanalyse natürlich Social Media Monitoring ein. Aber reden wir nicht um den heißen Brei herum: Social Media Monitoring kostet Geld. Wer dafür nicht den nötigen Topf frei machen kann, nutzt vorwiegend kostenlose Tools, um sich einen groben Überblick im Social Web zu verschaffen. Als einer der Anbieter für Social Media Monitoring & Analytics hat Talkwalker mit der hauseigenen „Social Media Search“ eine schlanke Version ihres Dienstes als kostenfreie Version gestartet, um schnell und einfach eine Kurzanalyse über Marken, Unternehmen oder Mittbewerber zu starten.

Eines jedoch vorweg: Social Media Monitoring kann natürlich weitaus mehr, als nur einen kleinen Einblick in das aktuelle Geschehen zu liefern. Daher erfüllt auch ein kostenfreies Tool wie die neue „Talkwalker Social Media Search“ nur bedingt den Zweck, ein Unternehmen kontinuierlich und langfristig mit Informationen über die Dialogkraft im Netz zu versorgen. Die vertiefenden Ergebnisse müssen wie bei jedem anderen Wettbewerber immer bezahlt werden. Doch für den ersten Einblick in eine mediale und digitale Präsenz von Unternehmen reicht das Tool vollkommen aus und eignet sich prinzipiell für eine Erstanalyse im klassischen Neukundengeschäft. Für Berater und Agenturen stellt Talkwalker also eine schnelle, kostenlose Analysesoftware bereit, damit für Pitches und erste Benchmarks noch nicht das Geld für ein vollwertiges Tool ausgegeben werden muss.

Ich durfte das Tool vorab testen und beobachtete einzelne Marken der Transport- und Logistikbranche. Die Entscheidung fiel auf die Deutsche Bahn und die Fluggesellschaften Lufthansa, Air France, Air Berlin und Germanwings. Zugegeben, ein solch pauschaler Vergleich der Transport- und Logistikunternehmen hinkt gewaltig in der Aussagekraft, aber das mag jeder Nutzer für sich selbst entscheiden. Mir ging es um einen Test des Talkwalker-Tools, bei dem ich lieber Äpfel mit Birnen verglichen habe, anstatt ein Brötchen mit Waschmittel.

In der kurzen Zeit von sieben Tagen, die das Tool standardmäßig für die chronologische Suche bzw. Historie in der kostenfreien Variante anbietet, lassen sich einerseits die Äußerungen rund um die Reisewelle über das Pfingstwochenende beobachten. Andererseits bietet die aktuelle Wetterlage mit den zahlreichen Unwettern in Deutschland eine Steilvorlage, um die Aktionen und Reaktionen der Nutzer zu beobachten.

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Dabei zeigt das System von Talkwalker die Resultate wie zu erwarten in Echtzeit an und bietet Zugriff auf die Social Media Performance eines Suchworts bzw. eines Markenbegriffs. Voraussetzung für die Nutzung bleibt lediglich die Registrierung auf der Talkwalker-Seite. Nach eigenen Angaben identifiziert, gewichtet und analysiert das Tool die aus Suchmaschinen verfügbaren öffentlichen Daten und liefert bereits erste priorisierte Ergebnisse, darunter aktuell diskutierte Themen, die Identifikation von digitalen Influencern und die Visualisierung der Performance-Metriken von Social Media Inhalten.

In meinem Testszenario sah man für den heutigen Tag einen deutlichen Peak bei der Berichterstattung und in den Mentions zur Lufthansa. Der Grund ist jedoch nicht ein Flugchaos, Probleme bei einer Reisewelle oder das Unwetter. Vielmehr wird die aktuelle Finanzmeldung über die Gewinnwarnung der Lufthansa erwartungsgemäß in allen Medien und im digitalen Äther diskutiert. Ganz traditionelle Informationen im Sinne der Arbeit von Public Relations bzw. Investor Relations überwiegen alles andere, und im Social Web werden die Links zu den Artikel reihenweise gemäß der „Sharing is caring“-Mentalität verbreitet.

Interessanter verhält sich das Tool mit der Detailanalyse zur Performance am Beispiel der Deutschen Bahn. Der generelle Buzz steigt mit dem Unwetter und der durchwachsenen Wetterlage in Deutschland extrem in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni. Die Situation besitzt ihre eigene Dramaturgie und hält sich auch weiterhin bis zum heutigen Zeitpunkt meiner Messung hoch oben in den Suchanfragen. Das Engagement der Nutzer und die potenzielle Reichweite zeigen deutliche Peaks. Die Tonalität der Äußerungen wirkt sich gemessen an den letzten sieben Tagen, aber wohl speziell innerhalb der letzten Stunden, deutlich ins negative Aus. Natürlich verwundert es kaum, dass ein Unwetter zu Zugausfällen führt. Das Tool zeigt hier eindeutig den hohen Unmut der Nutzer, den die Deutsche Bahn auf ihren Kanälen erwartungsgemäß bewältigen wird.

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Ohne ins Detail gehen zu wollen, runden weitere gängige Funktionen das Tool ab, so dass man für die Kurzanalyse eines Kunden oder eines Wettbewerbers definitiv einen guten Überblick erhält. Das Tool lässt sich weitaus detaillierter konfigurieren, indem einige boolesche Operatoren für die Suche eingesetzt werden. Ein Problem liegt wiederum in der Historienfunktion des kostenfreien Tools, zumal nur bis zu fünf Suchanfragen gespeichert werden. Wer viel beobachten möchte, sollte seine Notizen parallel dazu führen und die Kombination der Suchanfragen händisch abspeichern. Zudem sollte man sich immer darüber bewusst sein, dass die Ergebnisse vom kostenlosen „Talkwalker Social Media Search“ nur eine Lebensdauer von sieben Tagen haben. Danach gibt es keinen Zugriff mehr auf historische Daten. Und genau da setzt der Vertriebsgedanke an: Wer mehr als die reine Suche benötigt, also langfristig seine Strategie auf Reporting und Kuration auslegt, kommt an den Möglichkeiten eines kostenpflichtigen Tools kaum vorbei.

Kurzfristiges Denken beim Monitoring führt bei Unternehmen zu keinen validen Erkenntnissen. Daten müssen verglichen, die Relevanz der Aussagen muss bewertet und für die Kommunikationsstrategie berücksichtigt werden. Das kostenlose Angebot von Talkwalker ist hilfreich, und gerade deswegen besitzt ein solcher Schachzug, eine „Light-Version“ des Premiumangebots speziell für die breite Masse an Fachleuten aus Public Relations, Marketing und Social Media anzubieten, wiederum Einfluss auf die eigene Kundenaquise. Als Nutzer solcher Tools finde ich diesen Vorgeschmack jedoch genau richtig, denn schließlich möchte man nicht die Katze im Sack kaufen. Wer in Social Media Monitoring einsteigen möchte, egal ob Berater, Agentur oder Unternehmen, der kommt nicht an einem Vergleich der jeweiligen Wettbewerber vorbei, zu denen neben Talkwalker auch Brandwatch, Echobot, uberMetrics, Digimind oder newsaktuell, Landau Media oder Cision nicht herum. Schließlich hat jedes Unternehmen eigene Anforderungen an ein Monitoring Tool, gleichzeitig hängt dies auch von den Vorlieben der Benutzer ab, mit welcher Oberfläche und mit welchen Reportings sie effektiv und effizient arbeiten können. Womit wir wieder bei den Kosten angekommen sind: Monitoring kostet eben nicht nur Geld für die Lizenzierungsgebühren, sondern benötigt Zeit und personelle Ressourcen, im Rahmen einer sinnvollen Kommunikationsstrategie das Spagat zwischen PR, Marketing und Social Media zu machen.

38 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Links aus dem Social Media Newsletter von heute (12.6.2014) - socialmedianewsletter.de

  2. Ein toller Beitrag. Vor allem kannte ich Talkwalker noch nicht und bin froh über deinen Beitrag von dieser neuen Suchmaschine gehört zu haben. Danke hierfür. LG Roger Taiber

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