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Mal ehrlich: Wer braucht Online-Adventskalender?

Digitalisierung, Marketing, Public Relations, Social Media

Wie sieht Online-Marketing an Weihnachten aus? So: Aufgepasst, es fliegt ein Popup-Layer über die Website. „Haben Sie Lust auf die vielen tollen Preise bei unserem Gewinnspiel? Dann öffnen Sie jeden Tag eines unserer Türchen und erhöhen mit ihrer täglichen Teilnahme Ihre Chance auf den Megagewinn.“ Ganz ehrlich: Diese Nummer ist mehr als ausgelutscht, liebe Marketeers!

Zum Fest der Liebe überschlagen sich diverse Online-Redaktionen mit einer bunten Tüte voll wundersamer Inhalte, deren Qualität im üblichen redaktionellen Rahmen der Digitalplattformen kaum den Entwurfsstatus verlassen würde. Sämtliche Anzeigenverkäufer haben schon längst auf den zusätzlichen Upsale durch das Gewinnspiel angestoßen und die Werbemaßnahmen mit dem Marketingteam punktiert auf die Advenskalendertüren ausgerichtet. Das Abocenter freut sich in den Verlagen derweil wie verrückt auf neue adressierbare Kundendaten, denen doch ein zahlender, treuer Lesernutzer entspringen könnte. Bei Marken steht das Image im Vordergrund, das durch hauseigene Markenprodukte im Weihnachtsgewinnsspiel aufpoliert wird.

Hauptsache, die Chefetage hat ihren Adventskalender, das Online-Budget hat keine Underperformance zum Jahresende erzeugt und Big Data leuchtet als heller Stern am Firmament. Sie alle arbeiten Hand in Hand für die perfide Maschinerie des Kunden-Nutzer-Aktivierungs-Marketing. Sollen sich die Nutzer doch daran erfreuen, ihre Daten zum nachfolgenden Mailing preiszugeben. Schließlich locken wir mit exorbitante  Preisknallern zum Weihnachtsfest.

Warum ist Online-Marketing rund um Weihnachten so langweilig?

Die Nutzer interessiert es herzlich wenig, was Verlagsprodukte oder Marken zu Weihnachten haufenweise verschenken wollen. Sie wollen nur das Smartphone, das Tablet, die Reise und die Geldgewinne nebst den Tagespreisen und Trostpreisen ergattern. Zwar nenne sie euch ihren Namen und obendrein noch eine Adresse, aber mit den Mailadressen für die Kundenmailings wird es scheitern. Schließlich kann jeder Nutzer einen neuen Mailaccount bei unzähligen Mailprovidern für genau diese Zwecke anlegen. Der mittels Double-Opt-In legal erwirtschafte Kontakt wird nur auf Gewinne reagieren und alle weiteren Kontaktversuche ignorieren. Die Marketingabteilung sammelt Schrott-E-Mail-Adressen vom Feinsten.

Was eignet sich denn besser zur Generierung von Aufmerksamkeit als ein so typischer Online-Gewinnspiel über einen Adventskalender? Die ehrliche Antwort liegt etwas abseits von KPIs und dem unerträglichen BWL-Junkfood namens ROI: Spenden! Setzt ein Zeichen und stattet Hilfsbedürftige mit euren Produkten aus. Karikative Unterstützung bedeutet vielen Markenfans und treue Nutzern deutlich mehr als die Gewinnspielorgie. Dieses wohlwollende Handeln generiert ungeteilte Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken, sorgt für direkte PR-Effekte in den Medien und zeigt, dass sich der edle Spender wirklich um mehr als nur die eigene Selbstdarstellung kümmert. Für euch ist der Polarexpress schon abgefahren, denn eure Gewinnspiele stehen im Netz und locken die Schnäppchenjäger an, denen eure Marken und Verlagsprodukte egal sind, denn sie wollen eben nur die heiße Hardware gewinnen. Mehr nicht, und auch nicht weniger. Macht also im kommenden Jahr lieber auf der emotionalen Spielwiese mit und tanzt zu der 45 Milliarden Dollar schweren Spendenaktion eines einfach cleveren philantropischen Mark Zuckerberg.

3. Dezember 2015/von Mike Schnoor
Schlagworte: Digital, Digitale Wirtschaft, Digitales Marketing, Digitalisierung, Marke, Weihnachten
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Mike Schnoor ist Head of Marketing bei kernpunkt und arbeitet seit über 25 Jahren in der Digitalbranche. Dieses Blogarchiv bündelt ältere Beiträge zu Digitalisierung, Marketing, Kommunikation und Digitalwirtschaft. Aktuelle Inhalte erscheinen vor allem auf LinkedIn und im kernpunkt Magazin.

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