Die Deutschen erkennen den Mehrwert der digitalen Informationskultur und sehnen sich nach dem mobilen Internet. Gemäß der aktuellen Ergebnisse unserer repräsentativen Umfrage beim BVDW möchte jeder dritte Bundesbürger mit einem Mobiltelefon im Netz surfen. Ganz vorne liegt nach meiner persönlichen Einschätzung die Nutzungsszenarien von Social Media, verstärkt Twitter, Facebook oder LinkedIn und ganz neu im diesem Bunde findet sich auch Google+.

Mobile Bedürfnisse der Nutzer: Kommunikation, Service und Shopping

Die Anbieter von Social Media haben beim Start gleich auf das Potenzial des Mobile Internet gesetzt und bieten alternative Varianten ihrer Netzwerke an, die oftmals um wesentliche Funktionen reduziert sind, jedoch die Kernelemente der Services auf einfachste Art bereitstellen. Die Kommunikation steht hier im Vordergrund und unterhält ungemein. Auch wichtige Services, die mobil zu erreichen sein müssen, setzen auf genau diese Funktionalität. Das von mir jeden Tag besuchte mobile Angebot der Deutschen Bahn trifft genau auf den Nerv und harmonisiert meiner Meinung nach perfekt für simple Mobiltelefone. Diesem Bedürfnis nach mobiler Unterhaltung und Informationen folgt auch der Bereich Shopping: Aus dem klassischen E-Commerce bildet sich sowohl der Social Commerce (S-Commerce) und der Mobile Commerce (M-Commerce) stark weiter. Dabei verschwimmen die Grenzen von S- und M-Commerce sehr intensiv, doch die Nutzer werden Empfehlungen der Crowd mit location-based Produktofferten zusammen genießen.

Ich selbst beobachte mich ständig dabei, während des haptischen Einkaufserlebnisses in Media Markt oder Saturn direkt zum Handy zu greifen und das gewünschte Produkt bei Amazon zu recherchieren, um es dann für sogar nur einen Euro weniger im Internet zu bestellen und am Point of Sale direkt wieder ins Regal zu legen. Zugegeben habe ich mich für Amazon Prime entschieden, um als ausgesprochener Vielkäufer keine Versandgebühren bezahlen zu müssen. Auch interessieren mich die Produktbewertungen und Empfehlungen, welche in keinster Weise im Geschäft jemals ausgedruckt herumliegen würden. Wer würde denn noch einen Fernseher direkt im Laden kaufen, wenn nur einer von fünf Sternen auf dem Gerät klebt oder unzählige negative Berichte daneben liegen?

Mobiles Marktpotenzial auch neben iOS und Android

Von der Bevölkerung wird zurecht erwartet, dass sie ihr Informationsbedürfnis anhand der vielfältigen Angebote decken. Ich glaube fest daran, dass neben den Apps und hochgradig für moderne Smartphones mir Betriebssystemen wie iOS oder Android optimierte Mobile-Services ein weitaus größeres Marktpotenzial in sauber entwickelten, gut durchdachten und einfach zu bedienenden Angeboten für einfache internetfähige Mobiltelefone liegt, als von mancher Stelle bei den Portalbetreibern erwartet wird. Gewiss ist die Vermarktung vieler mobilen Online-Präsenzen sehr herausfordernd, weil die Anforderungen an in diesem Fall Display-Werbung durchaus höher sind, als die simplen Seiten in vielen Fällen ein passables Ergebnis für Portalanbieter, Vermarkter, Werbungtreibende und natürlich den Nutzer liefern können. Auch Paid-Content außerhalb der Welt von Apps gestaltet sich als schwierig, zumal ein bezahltes Angebot wirklich „state-of-the-art“-Status hinsichtlich optischer Reize und der Funktionalität vorweisen muss. Wenn hierbei jedoch nur der rein informative Gedanke überwiegt und wir die Paid-Content- und Vermarktungsaspekte von mobilen Angeboten außer Acht lassen, kann selbst mit einem einfach gestalteten Mobile-Portal viel für die Nutzer getan werden.

Aus Fehlern der Vergangenheit lernen

Den Interessen und Wünschen der Nutzer scheinen natürlich viele Anbieter sehr gelungen Folge zu leisten. Wo man nur hinblickt, finden sich Apps für alles und jeden. Während von vielen Anbietern und ihren Marken dieses Segment für moderne Smartphones oder Tablets bedient wird, verkommt das Angebot für Verbraucher mit ganz ordinären internetfähigen Mobiltelefonen. Allen voran liegen so manche deutsche Verlage zurück – mit teils noch ganz grotesken WAP-mäßigen Mobilangeboten, nicht über den Browser im Mobiltelefon nutzbaren ganz normalen Webseiten, oder mit Fehlerkennung mobiler Endgeräte und der damit einhergehenden Nicht-Nutzbarkeit der Portale. Zu viel Pflegeaufwand der explizit für normale Mobiltelefone optimierten Seite wird gerne als Argument mit den tatsächlich gemessenen Besuchern für die Begründung gegen eine Notwendigkeit mobiler Services aufgebracht. Aus diesen Fehlern der Vergangenheit müssen die Portalanbieter lernen – einige der größeren Anbieter wie Spiegel sind an vorderster Front dabei. Viele kleine regionale Printtitel hinken dagegen wie auch bei ihren normalen Online-Auftritten leider zu oft hinterher.

Content sollte in voller Bandbreite für mobile Endgeräten verfügbar sein

Wenn bereits rund 12 Millionen Deutsche und damit 18 Prozent der gesamten Bevölkerung bereits Mobile Internet nutzen, sich insgesamt schon 33 Prozent aller Bundesbürger danach sehnen, und es wohl nur wegen Ermangelung eines neuen Smartphones oder tariflicher Optionen vielleicht auch nur nicht nutzen können, genau dann ist das Potenzial für Mobile Internet und attraktive Inhaltsangebote längst gegeben.


Die jüngeren Nutzer sind im Netz und wollen verstärkt ins mobile Internet gelangen. Viele Verlage bieten ihren Content nicht in voller Bandbreite für mobile Nutzer an, sondern liefern nur eine rudimentäre Grundversorgung mit einigen Artikelstrecken. Auch ist das mobile Angebot inhaltlich nicht identisch mit dem über den normalen Webbrowser erreichbare Spektrum an abrufbaren Informationen. Wenn in den vergangenen Jahren genau dieser Aspekt, der Bereitstellung aller Inhalte für mobile Nutzer auch auf simplen mobilen Angeboten ohne App-Schnickschnack oder HighFidelity-Umgebungen, von den Portalbetreibern gefördert worden wäre, hätte Deutschland noch wesentlich deutlicher die Nase vorne bei der Verbreitung und Nutzung von Mobile Internet.

Nach meiner rein privaten Einschätzung haben viele traditionelle Medien das mobile Potenzial schlichtweg unterschätzt, was einst mit ganz grausigen WAP-Portalen anfing und heute sich mit Apps übertrumpft, so dass gepaart mit den bekannten Limitationen von zweijährig laufenden Mobilfunkverträgen die Verbraucher erst jetzt ein steigendes Interesse am mobilen Internet bekunden. Wie sehen das die Leser? Diskutiert mit!

Hinweis: Natürlich wird der geneigte Leser eindeutig erkennen, dass ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit für den BVDW gewisse Zahlen und Daten in diesem Artikel einfließen lies. Dennoch stellt dieser Artikel ausschließlich meine private Meinung vor allem aus der Sicht eines aktiven Nutzers von Mobile Internet dar.

1 Antwort
  1. Steffen Meier sagte:

    Das übliche Spiel zwischen Aufwand und Ertrag und Zielgruppe. Imho sind es primär Kommunikationstools wie FB, Twitter, die so genutzt werden – das ist aber per se schon eine hochmobile Zielgruppe. Im Gegensatz zu den Zielgruppen etwa vieler Fachverlage. Zudem haben viele Anbieter schon die Monetarisierung im „klassischen“ Internet nicht realisiert, auch die technische Anforderung ist nicht zu überschätzen. Insofern verstehe ich einerseits das Zögern, auf den mobilen Zug zu springen, andererseits darf dieser mittelfristig nicht verpasst werden. In ein paar Jahren wird sicher vieles Standard sein, was heute noch vermißt wird.

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