Für den klassischen Print-Markt bedeutet die jüngste Halbjahresbilanz der IVW keinesfalls eine Rückkehr zu rosigen Zeiten. Die deutschen Bundesbürger lesen immer weniger Nachrichten auf gedrucktem Papier. Die Zeitungen und Zeitschriften können die zuerst moderaten Verluste zum Jahresbeginn auch im zweiten Quartal diesen Jahres nicht mehr wettmachen. Ein kleiner Lichtblick zeigt sich zumindest am Horizont mit den wachsenden Abonnementzahlen für die digitalen Ausgaben.

Nervenkitzel pur für deutsche Medienhäuser: Die verkauften Auflagen der Tageszeitungen sowie Publikums- und Kundenzeitschriften sinken weiter und liegen durchschnittlich um rund vier Prozent unter dem Vorjahresniveau. Ähnlich schlecht kommen Fachzeitschriften weg und müssen drei Prozent ihrer Gesamtverkäufe einbüßen.

In der Detailbetrachtung verloren die deutschen Tageszeitungen einschließlich ihrer Sonntagsausgaben und Sonntagszeitungen im zweiten Quartal durchschnittlich 4,16 Prozent bei der verkauften Auflage. Dies entspricht einem gesamten Minus von rund 860.000 Exemplaren pro Erscheinungstag. Auch die Publikumspresse liegt mit 4,05 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Zwar liegen die anteiligen Werte auf einem ähnlichen Niveau, der Blick auf die absoluten Zahlen zeigt noch schwerwiegendere Verluste von einem Einbruch um durchschnittlich 4,28 Millionen Exemplaren je Ausgabe. Im Segment der Kundenzeitschriften sinken die Verkäufe mit rund 1,66 Millionen Exemplaren weniger und damit einer Einbuße um 4,09 Prozent von 40,66 Millionen auf 39 Millionen Exemplare. Bei den Fachzeitschriften zeigt die IVW-Auflagenkontrolle, dass im Durchschnitt rund 350.000 Exemplare weniger als im Vorjahreszeitraum verkauft wurden. Damit sinken die verkauften Ausgaben um 2,93 Prozent von 12,04 Millionen auf durchschnittlich 11,69 Millionen Stück. Nur bei den Wochenzeitungen bleibt die Zahl der Gesamtverkäufe auf einem stabilen Niveau. Im direkten Vorjahresvergleich zeigt sich ein leichter Anstieg der Gesamtverkäufe auf rund 1,74 Millionen Exemplare, was einem Zuwachs von weniger als 100.000 Stück entspricht.

E-Paper-Auflagen der überregionalen Tageszeitungen in Deutschland im 2. Quartal 2014. Quelle: Statista / IVW

E-Paper-Auflagen der überregionalen Tageszeitungen in Deutschland im 2. Quartal 2014. Quelle: Statista / IVW

Die digitalen Angebote der Zeitungsverlage über E-Paper befinden sich hingegen auf einem Wachstumskurs: Im Vorjahresvergleich haben sich die Verkaufszahlen um fast die Hälfte von 390.000 Stück auf 560.000 Verkäufe erhöht. Zu den größten der überregionalen Tageszeitungen zählen die Süddeutsche Zeitung (Verkaufte Auflage: 27.714 Exemplare), Frankfurter Allgemeine Zeitung (27.386), Bild mit B.Z. Deutschland (25.539), Die Welt mit Welt Kompakt (17.624), Handelsblatt (13.719) und die taz (11.468). Einer Prognose von Pricewaterhouse Coopers zufolge soll die verkaufte Auflager der E-Paper-Ausgaben von Zeitungen in Deutschland bis zum Jahr 2017 auf insgesamt 1.35 Millionen Exemplare steigen.

Diese Einschätzung klingt durchaus plausibel unter der Annahme, dass die Leser zu zahlenden Nutzern konvertieren. Zugleich stellt die IVW-Halbjahresbilanz die Verlage vor die Herausforderung, ihre Inhalte fit für digitale Anwendungsszenarien zu machen. Der Stern kündigte vor wenigen Tagen an, sein digitales Medienprodukt für die Zukunft mit vertiefendem Storytelling und multimedialen Formaten fit zu machen. Die Marktvielfalt macht’s möglich und notwendig, so dass die Leser zahlreiche Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen kostenfreien Angeboten und dem immer noch klassisch anmutenden Paid-Content-Abonnement der Medienhäuser haben. Täglich stoßen neue Nachrichten- und Informationsdienste, zu denen auch #DigiBuzz – Das Magazin für das Digital Business zählt, auf den Markt und bereichern den digitalen Medienmix.