Mike Schnoor
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Lena Meyer-Landrut – Unser Star für Oslo!

Marketing, Medien, Microblogging, Social Media

Das ist fett! So derbe! Richtig hart! Ich bin das erste Mal seit Jahren wieder davon überzeugt, dass Deutschland eine kleine Chance beim Eurovision Song Contest 2010 in Oslo hat. Keine gecasteten Kandidaten mit emotional beflügelten Hintergründen und träumerischen Superstar-Ambitionen. Keine endlos in den Medien durchproduzierten Alt-Stars, die auf ein letztes Flackern am Firmament hoffen. Keine Querelen mit Produzenten und ihren besiegelten Songs, die auch eigentlich niemand hören möchte. Es geht um keinen Grandprix de la Eurovision Chanson mehr, sondern um den Eurovision Song Contest. Deutschland findet sich endlich selbst wieder und bringt mit Lena Meyer-Landrut eine vollkommen unbekannte, aber außergewöhnliche Sängerin an den Start.

Lena ist anders, aber dennoch authentisch, wie man nur sein kann. Sie ist ganze 18 Jahre jung, das Singen liegt ihr im Blut und die Kritik der wechselnden Jury von „Unser Star für Oslo“ war nahezu immer positiv. In zeitnahen Online-Umfragen zum gestrigen Finale triumphierte sie gegen ihre letzte Kontrahentin. Selbst die Medien, die sonst immer sich die Mäuler über Show-Kandidaten zerreißen können, berichten über die herausragende Sängerin durchweg in guter Tonalität. Was will man mehr?

Lena zog souverän durch die ersten Runden und sang sich auf ihre eigene Art direkt ins Finale. Nach ihren bisherigen Auftritten in der Show beurteilt ist diese Sängerin auch ziemlich durchgedreht, was für sie sogar eine echte Chance auf dem internationalen Parkett bedeuten kann. Songs die keiner durch eine Massenabfertigung der Plattenindustrie kannte und eine individuelle Performance, mit der Lena zeigte, dass sie die gesungenen Texte auch ausleben kann – so wirbelte die junge Dame mit unglaublichem Erfolg durch die gemeinschaftlich von ProSieben und ARD/NDR ausgestrahlten Sendungen von „Unser Star für Oslo“.

Insgesamt hatten sich mehr als 4500 Menschen für das Casting beworben. Im Vergleich zu anderen Casting-Shows, bei denen die Kandidaten mit knallharten Verträgen an der kurzen Leine gehalten werden, mag dies recht wenig sein. Auch die Tatsache, dass nur 20 Kandidaten über sechs Wochen hinweg ihren Weg ins Finale bestreiten konnten, wirkt positiv, weil die Kandidaten als Sänger und nicht als Spiegel der Gesellschaft respektive der gewünschten Zuschauerschaft präsentiert wurden. Zwar gilt diese neue Show allgemein als eine Art Streichelzoo der Fernsehbranche, weil einfach keine negative und harte Kritik aus den Mündern der Jury zu hören war. Hier gab es kein „Erniedrigungs-TV“ im Löwenkäfig. Schließlich betonte der Jury-Präsident Stefan Raab in den ersten Shows immer wieder, dass dieses Konzept der Talentsuche sich um Musik und Talent, also die Qualität des deutschen Vertreters beim Eurovision Song Contest, drehen sollte. Doch braucht man das heutzutage noch wirklich betonen, seitdem andere Casting-Shows sich nur auf die emotional angeschlagenen Kandidaten und das daraus zu ziehende Schlammschlacht-Potential konzentrieren?

Als mündiger Zuschauer, der sich nicht wirklich auf Sendeformate interessiert, die nur der Quotenlüge zur Liebe erstellt sind, sehne ich mich nach Authentizität und Glaubwürdigkeit der Show und der Kandidaten. Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, in denen solche Formate die Fernsehlandschaft noch prägten. Das Konzept von „Unser Star für Oslo“ vermittelt ein Gefühl von Sehnsucht, Heimat und Nähe auf musikalischer Ebene. Im Prinzip so ähnlich wie Social Media uns lehrt, dass wir als Nutzer und Kunden genau diesen Anspruch von Unternehmen und Medien erwarten, so begehren wir dieses Mindestmaß auch von Fernsehsendungen, die zu unserer Unterhaltung dienen. Lieber auf diese Art und Weise, als ein durch den Kakao gezogenes Format mit Comedy-Aspekten aus den letzten Jahren. Eurovision bedeutet internationalen Starruhm. Das wollen wir, das brauchen wir, der Eurovision Song Contest gehört ganz ur-basis-demokratisch dem Volk. Hoffentlich dürfen wir einen Erfolg in Oslo erleben.

Was mir persönlich sehr gefiel war die konsequente Miteinbeziehung von Social Media in der gesamten Zeit von „Unser Star für Oslo“. So twitterte die @tvtotal-Redaktion und tauschte sich mit den Fans während der Sendung aus, die Website zeigt alle Videos der Shows und die Fanbase von Lena Meyer-Landrut bei Facebook bricht heute wahrscheinlich die 20.000er Marke. Andere Showformate des deutschen Fernsehens schaffen und können es wohl nicht, ihre bisherigen Kommunikationswege in der Form aufzubrechen. Vielleicht nehmen sich andere Produzenten daran ein Beispiel, denn ohne zeitgemäßes Kudos an die Fans wird man auf Dauer nicht in den Medien auch nur eine Chance haben.

13. März 2010/von Mike Schnoor
Schlagworte: Eurovision, Eurovision Song Contest, Grand Prix, Grandprix de la Eurovision Chanson, Lena Meyer-Landrut, Social Media, Stefan Raab, Twitter, Unser Star für Oslo, USfO
https://mikeschnoor.com/upload/2026/06/mikeschnoor-logo.webp 0 0 Mike Schnoor https://mikeschnoor.com/upload/2026/06/mikeschnoor-logo.webp Mike Schnoor2010-03-13 10:52:392010-03-13 10:52:39Lena Meyer-Landrut – Unser Star für Oslo!
12 Kommentare
  1. Andi B. sagte:
    13. März 2010 um 18:45

    Ich war ganz begeistert von „Unser Star für Oslo“, da ging es wenigstens wirklich mal um musikalisches Können. Bei anderen Castings ist es manchmal überraschend, wie schlecht die Finalisten teilweise sind, bei Raab war alles von Anfang an auf hohem Niveau. Lena ist auf jeden Fall eine würdige Vertreterin für uns, ich wünsche ihr viel Erfolg und hoffe auf viele Punkte.

  2. Andi E. sagte:
    14. März 2010 um 01:28

    Ist das Krass und Fat!!
    Ich bin Hannoveraner und das seit 1961. Aber das ist es nicht nur. Lena ist erfrischend frei, süß, intelligent (soweit erkennbar), hat tolle Eltern -besten Gruß denn SIE haben diese tolle Tochter!!! Dazu kann man nur gratulieren, auch wenn es manchmal mit ihr bestimmt nicht einfach war!? Ich wünsche ihr alles Gute! Auch wenn es in Oslo nicht klappt wie sie es sich vorstellt, ist sie eine Bereicherung in der Medienwelt. Vergiss DSDS!!

  3. Andi E. sagte:
    14. März 2010 um 01:33

    Ach ja… voll getroffen Mike!!
    Danke für deinen Prolog!!
    „Ist das schön!! Ich habe ganz viele tolle Sachen am Körper“

  4. Zelina sagte:
    23. März 2010 um 18:50

    meines erachtens machen die einen viel zu grossen wirbel um diese geschichte. kann man auch sein lassen. bringt uns nicht wirklich weiter.

  5. Tömchen2400grad sagte:
    25. März 2010 um 09:57

    Sorry, aber sowas schlechtes hab ich noch nie gehört, da wird ein 18 jähriges Mädchen zum „Star“ und wie? In dem man ihr sagt, was sie wie zu singen hat *ggg* und das auch noch denkbar schlecht, die sollte sich auf ihre Ausbildung/Schule kümmern, anstatt so einen Quatsch zu veranstalten! Es ist mehr als peinlich, was Deutschland sich da wieder als „Star“ ins Haus geholt hat und die Nation jubbelt mit, weil es ja so „toll“ klingt und die so „toll“ aussieht. Naja, defakto wird sie verlieren und die Leute werden sich über sie und Deutschland kaputt lachen. Von der wird man nie wieder was hören die wird sich in Grund und Boden schämen nach dem Auftritt, das wird eine echte Lachnummer ich gucks mir auf jeden Fall an und freue mich, wenn sie verliert! Nicht mal mehr Musik machen kann der deutsche aber so ist er der deutsche! Ich nenne das Volksverdummung!

  6. Tom sagte:
    26. März 2010 um 11:38

    Ich finde, der letzte Song von Jennifer ist eher radiotauglich als Satellite, doch gerade deswegen wird Lena beim Eurovision Song Contest am 29. Mai 2010 wohl relativ erfolgreich sein. Ihr Song ist sehr einfach gehalten, denn man verwendet sowohl in der Strophe als auch im Chorus die gleichen Töne, die allesamt sehr tief sind. Wenn Stefan Raab mitspielt, dann werden wir dieses Jahr vielleicht wirklich wieder einen Platz in der Top 10 finden.

  7. Matze sagte:
    29. März 2010 um 01:46

    Alles ich finde das Lied super, egal was hier gemeckert wird. Und die Lena ist doch auf jeden Fall eine Süße und nicht auf den Mund gefallen. Thumbs up!

  8. Thomas F. Guthörle sagte:
    30. Mai 2010 um 20:18

    Leider ist bei LENA alles nur “cool” oder “geil”.
    Was ist das für eine Sprache? Hat sie sonst keine sprachlichen Qualitäten, sich in einer verständlichen, guten Sprache auszudrücken?

    Als Repräsentantin einer Kulturnation sollte sich das Mädchen einen besseren, niveauvolleren und intelligenteren Sprachstil angewöhnen!
    Das kommt im Ausland auch besser an. Schließlich ist Deutschland das Land der Dichter und Denker.
    Außerdem fände ich es gut, wenn Lena endlich mal DEUTSCHE Lieder singen würde!
    Immer nur englisch/amerikanisch – schließlich leben wir in Deutschland und nicht in den USA!

    Zu einem Sieg gehört auch die Liebe und das Bekenntnis zur eigenen Heimat und Nation! Also nicht nur die deutschen Nationalfarben, sondern auch die deutsche Sprache….dann wäre sie wirklich ein Vorbild!
    Sing endlich mal Deutsch, Mädchen !

    Thomas F. Guthörle

  9. Renegade sagte:
    22. Juni 2010 um 15:35

    @ Thomas F. Guthörle.
    Genau richtig, was sie da sagen – wir DEUSCHEN sollten uns endlich wieder auf unser DEUTSCHSEIN besinnen. Denn am DEUTSCHEN Wesen soll ja schliesslich die Welt genesen. Deswegen brauchen wir im Ausland auch dringend mehr Repräsentanten wie z.B. Guido Westerwelle, der einem englischen Journalisten auch mal zeigt, was gutes DEUTSCH ist! Lena sollte sich ausserdem die Haare Strohblond färben und sich Locken drehen lassen; blaue Kontaktlinsen wären auch nicht schlecht. Ein etwas DEUTSCHERER Tanzstil wäre auch nicht schlecht. Aber am besten, sie tanzt gar nicht, sondern marschiert im Stechschritt und mit Pickelhaube über die Bühne.

Trackbacks & Pingbacks

  1. Lena Meyer-Landrut macht unsere Eurovision wahr! | MikeSchnoor.com sagt:
    30. Mai 2010 um 07:53 Uhr

    […] Allen Kritikern und Unkenrufen zum Trotz konnte niemand geringeres als Stefan Raab mit seinem gesamten Prozess des Vorentscheids eine Kandidatin ausfindig machen, die gesangliches Talent beweist und einen fast globalen […]

  2. Die Zeit ist reif für Social Media Richtlinien! | MikeSchnoor.com sagt:
    30. März 2010 um 14:15 Uhr

    […] Das ist doch voll von Kriminellen, die der Musikindustrie schaden wollen, aber gleichzeitig unseren Star für Oslo ganz nach vorne in die Charts mit ihren bezahlten und legalen Downloads bringen. Die extreme […]

  3. The Best » Blog Archive » Lena Meyer-Landrut – Unser Star für Oslo! sagt:
    22. März 2010 um 13:47 Uhr

    […] via sichelputzer […]

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Mike Schnoor ist Head of Marketing bei kernpunkt und arbeitet seit über 25 Jahren an der Schnittstelle von Marketing, Kommunikation, Technologie und digitalen Geschäftsmodellen. Seine Themen: AI im E-Commerce, Digital Commerce, Product Experience, B2B-Marketing und die Frage, wie aus fachlicher Expertise sichtbare Marktpräsenz entsteht.

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