Die typischen Gesichter der Werbebranche sind bekannt. Eine Mutter im Kaufhaus empfiehlt Schokoriegel oder ein Waschpulver. Ältere Menschen schätzen das neueste Pharmaprodukt als Heilmittel. Und berufliche Erfolge werden anhand erfolgreicher Manager für die Rezipienten in Szene gesetzt. Durch das Testimonial in der Anzeige bekommt der Slogan zusätzliche Unterstützung. Eingefleischte Marketing-Experten schätzen es, mit echten Personen für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu werben. Der personifizierte Erfolg jener Protagonisten wirkt als pure Empfehlung – und selten kommen platte Werbebotschaften an die Wirkung von Testimonials heran. Im Grunde genommen ist diese Form der Werbung weder neuartig noch innovativ. Man sollte sie einfach abhaken können.

Als Klaus Lage vor einigen Jahren mit dem Ohrwurm „1000 und eine Nacht“ seine musikalischen Erfolge feierte, hätte wohl niemand die prägnante Zeile des Songtextes zuerst mit erfolgreichen SEO-Beratern in Verbindung gebracht. Die Passage „…und es hat Zoom gemacht“ wurde bereits einige gefühlte huntert Mal in der Werbewirtschaft eingesetzt. Teilweise bis zum „geht nicht mehr“, doch etwas mehr darf es schon sein. Schließlich tritt jetzt ein gewisser SEO-Berater „Florian S.“ als neues Testimonial in der aktuellen Display-Werbekampagne von XING zum Slogan „und es hat XING gemacht!“ auf. Die Lyrik des Songs ist für den Slogan leicht abgewandelt, und mit dem Markennamen in Kombination wirken diese Worte einem Großteil der Bevölkerung sehr vertraut und bekannt.

Nur leider findet man keinen SEO-Berater über die Suche von XING, der auf den Namen „Florian S.“ hört. Mich machte es schon stutzig, dass wirklich kein direkter Treffer bei XING auf dieses Testimonial zustande kam. Doch mit ein wenig Geschick erfährt man von einem SEO-Manager, zu dem dieser gängigen Vornamen und der abgekürzte Nachname passt. Dieser gute Mann arbeitet laut seinem Profil seit etwas mehr als einem Jahr bei XING und wirbt anscheinend jetzt für das Unternehmen. Das Profilbild zeigt auch auf den ersten Anschein sehr viel Ähnlichkeit mit dem Testimonial. Das Business Netzwerk XING scheint den richtigen Weg gewählt zu haben, seine eigenen Mitarbeiter in ihrer Werbekampagne als Testimonial einzusetzen.

Natürlich ist an diesem Vorgehen nichts Verwerfliches. Verständlicherweise ist dies von allen Beteiligten gern gesehen. Daher eignet sich auch eine Werbekampagne mit den eigenen Mitarbeitern hervorragend zur Imagepflege. Doch warum findet sich gerade hier kein echtes nutzergeneriertes Testimonial aus den Reihen der Mitglieder?

Wer Social Media als Plattformbetreiber für sein Geschäftsmodell zentral nutzt und aktiv in der Kommunikation auslebt, der sollte doch gerade dann in der Lage sein, sein Testimonial noch authentischer zu positionieren. Letztendlich bietet die richtige Wahl eines authentischen Testimonials einen höheren Nutzwert und mehr Authentizität als ein eigener anonymisierter Mitarbeiter. XING betreibt eine herausragende Community mit unzähligen Mitgliedern. Eigentlich sollte es dadurch eine Leichtigkeit sein, ein erfolgreiches Beispiel für den persönlichen Networking-Erfolg über das Business Netzwerk direkt zu identifizieren und bei Bedarf für die Werbekampagne einzuspannen. Diese Form von authentischen Testimonials würde mich persönlich noch stärker von den beworbenen Produkten und Dienstleistungen überzeugen. Vielleicht zeigt sich demnächst eine Trendwende in der Werbung, wenn Social Media noch stärker zur Markenkommunikation eingesetzt wird.

Nachtrag vom 24.02.2010:
Die ersten Fachmedien wie die Horizont sprechen von einer peinlichen Panne und bloggen über das Testimonial-Thema. Auch XING sah sich neben dem Blog-Kommentar dazu verleitet, eine offizielle Stellungnahme im Blog zu verbreiten. Andere Blogs springen natürlich drauf auf, wie auch Basicthinking, Gefahrgut, Rene Fischer und Gründerszene steigen mit ein.

Doch bleiben wir mal klar bei der Sache: Wer hat’s zuerst gefunden? Natürlich nicht die Schweizer, sondern der Sichelputzer war’s schon ein paar Tage zuvor. :)

5 Kommentare
  1. lokalreporter sagte:

    bei mir und bei gut 150 von mir befragten bekannten/freunden hat es noch nie xing gemacht, keine/r hat auch nur ein einziges interessantes angebot via xing bekommen ..
    ich hätte was ehrliches gemacht, MLM-affines .. eine pyramide voll mit rohen eiern etwa .. xingelingeling

  2. Medienkanzler sagte:

    Es gibt ja diesen Aufruf unter den Mitgliedern, sich da zu melden. Aber ob da jemand so einen XING-Moment hat wie die da beschreiben? Ich finde XING nützlich und bin da recht rege aktiv. Aber so auf den Putz hauen würde ich nie, und so was würde ich auch nie erwarten. .

    Irgendwo hab ich ich gelesen, dass da bisher auch nur Mitarbeiter in der Kampagne auftreten. Das hat dann natürlich auch ein Geschmäckle. Da hätten die doch besser etwas warten und erst einmal die begeisterten Mitglieder casten sollen.

  3. Hazel Ahamer sagte:

    Hallo in die Runde

    Ich wurde gerne auf den Blog-Eintrag sowie die Kommentare eingehen: Auch wir Mitarbeiter sind Mitglieder und hatten natürlich unseren XING-Moment. Wir sind leidenschaftliche Testimonials und dabei sehr authentisch! Bei der Kampagne wollten wir ganz bewusst keine gecasteten Models zeigen, sondern authentische Gesichter.

    Übrigens mittlerweile sind nicht nur XING Mitarbeiter zu sehen, sondern auch Teilnehmer von der diesjährigen DLD 10.

    Bald wird unsere Community mit einbezogen. Bereits nächsten Monat können alle Mitglieder ihren persönlichen XING-Moment hochladen und Teil der Kampagne werden und dabei auch tolle Preise gewinnen. Wir haben schon zahlreiche Nachrichten von XING Mitgliedern erhalten, die auf jeden Fall dabei sein wollen. Also bleiben Sie dran – oder machen Sie mit: http://undeshatxinggemacht.xing.com/

    Viele Grüße
    Hazel Ahamer
    http://www.xing.com

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