Aufhorchen, zurücklehnen, mitlesen: Die Mehrheit der Smartphone- oder Tablet-PC-Besitzer in Deutschland kann sich ein Leben ohne das Internet nicht mehr vorstellen. Scheinbar freut sich die halbe Medienwelt über dieses Studienergebnis. Deutet nicht eine intensive Mediennutzung im deutschen Digitalistan vielmehr auf eine grundsätzliche Abhängigkeit vom Internet hin? Denn nicht nur bei den vermeintlich jüngeren Mobile-Nutzern, sondern quer durch alle Altersklassen zieht sich das digitale Suchtgehabe.
[dark_box]“Für 76 Prozent der Smartphone- oder Tablet-PC-Besitzer in Deutschland, die älter als 14 Jahre sind, ist die Welt ohne das Internet nicht mehr vorstellbar. Auch in der Generation 50plus ist dies mit rund 70 Prozent Zustimmung die vorherrschende Meinung unter allen Mobile Device Nutzern. Bedenken hinsichtlich der Sicherheit im Internet sind in der älteren Generation der über 50-Jährigen (64 Prozent) ausgeprägter als in der jungen Generation der 14- bis 29-Jährigen (44 Prozent).“ Quelle: TNS Infratest[/dark_box]

Wenn die Welt ohne Internet kaum denkbar ist…

Wer ein Smartphone oder Tablet in der Hand hält, bewegt sich fast ausnahmslos im Internet. Die Nutzung von nahezu jeder App macht nur dann Sinn, wenn eine Verbindung ins Mobile Internet steht. Ansonsten verzichtet man auf Unterhaltung, Information und Kommunikation. Das ist absolut nachvollziehbar, schließlich basiert das Grundprinzip der mobilen Alleskönner auf der ständigen Verbundenheit mit dem großen digitalen Äther. Dabei geben nicht nur die jüngeren Mobile-Nutzer an, dass sie nicht mehr auf die Möglichkeiten des Netzes verzichten können. In meiner Altersgruppe der 30-39jährigen können sich sogar 79 Prozent eine Welt ohne Internet nicht mehr vorstellen.

Allgemein betrachtet ist es wichtig und gut, dass die Deutschen im Internet mehr als nur angekommen sind. Informationen wurden noch nie so schnell verbreitet wie zuvor. Unser Kommunikationsverhalten hat sich grundlegend geändert. Wir alle tauschen uns spielend mit den viereckigen Kästen und dünnen Brettern mit der Welt aus. Ganz klar, Deutschland darf keinen Rückzieher beim Internet machen – davon hängen mittlerweile viele Jobs ab, von denen die Wirtschaft und unsere Gesellschaft profitieren. Dennoch zeigt sich in diesem Studienergebnis ganz subtil, dass diese drei Viertel der deutschen Mobile-Nutzer im Grunde genommen schon süchtig nach dem Internet sind. Schließlich kann nur noch ein Viertel der Mobile-Nutzer nach eigener Angabe auf das (mobile) Internet verzichten.

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Wie wäre es mit dem Prinzip „Löwenzahn“?

Natürlich erleichtert das Internet unseren Alltag: Wie ich am eigenen Leib spüren durfte, habe ich mich kürzlich ohne Zugriff auf eine Karten-App in den Gassen und Straßen geirrt und kam am falschen Ende eines Stadtteils an. Der digitale Informationsaustausch mit meiner Frau war während Bahnfahrten noch nie einfacher und kostensparender als per Whatsapp. Zeitungen und Zeitschriften brauche ich nicht kaufen, weil alle wichtigen Informationen des Tagse per App oder mobile-optimierter Website abrufbar sind. Unterhaltung finde ich bei Twitter, Facebook, Youtube jeden Tag auf ein Neues. So erzeugt der stetige (mobile) Zugriff auf die digitalen Informationskanäle einen nahezu niemals endenden Anreiz, den persönlichen Medienkonsum kontinuierlich aufrecht zu erhalten.

Selbst in kleinen gesellschaftlichen Treffen, die auf persönlicher zwischenmenschlicher Ebene erfolgen – also im echten Leben – greifen viele von uns zum Smartphone, um etwas ganz kurz zu twittern, schnell ein Foto zu machen und dieses bei Instagram zu teilen, sich in einem Lokal über Foursquare einzuchecken… Nein, ich möchte nicht den Teufel an die Wand malen und die digitale Ebene der gesellschaftlichen Kommunikation in ihren Grundfesten angreifen. In unserer modernen Lebenswelt wirkt die Idee, auf das Internet zu verzichten, vielleicht wirklich einem Affront gegen unser aller Lebensstil. Kein Wunder also, dass so viele der Befragten sich zu obiger Aussage verleiten ließen, sie können sich eine Welt ohne das Internet nicht vorstellen.

Aber eine Welt mit einem etwas größeren Verzicht auf das (mobile) Internet kann sogar für jeden der Betroffenen greifbar werden. Man muss es nur wollen und dazu einiges tun, was manche Menschen gewiss Überwindung kosten wird: Abschalten. Offline sein. Frei nach Peter Lustig die eigene Zeit ohne Smartphone nutzen. Nur einen kleinen Teil der Zeit mit dem Tablet verbringen. Berufliche Aktivitäten mit den mobilen Endgeräten ausüben, aber sich privat in Zurückhaltung üben. Vom mobile Internet einfach die Finger lassen, wenn man im Urlaub ist, wenn mit den Kindern auf die Pirsch geht, wenn man einen Einkaufsbummel mit dem Ehepartner genießen möchte.

tl;dr
Nach rund zwei Wochen ohne ein (berufliches) Smartphone komme ich ganz gut vom Internet weg. Obwohl ich diese Zeilen für ein Internet-Gedöns-Weblog schrieb, werde ich gleich eine Zeitschrift lesen. Ohne das digitale Tausendsassa-Internet, aber dafür ganz analog auf bedrucktem Papier. ;)

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