Zurzeit erobern so genannte „Social Media Manager“ sehr schnell einige Sphären der digitalen Wirtschaft. Manch ein Experte hat gewiss seine Berechtigung erlangt, aber viele neue Mitspieler sprießen – und so möge man mir in der Wortwahl verzeihen – schon wie Unkraut aus dem Boden. Daran sei in erster Linie keine Kritik geäußert, aber Verwunderung macht sich breit. Die Gründe sind dabei denkbar einfach gestrickt.

Selbige „Social Media Experten“ schreiben seit wenigen Wochen auch ein Blog und kommentieren vielleicht seit ein paar Monaten bei diversen anderen Blogs. Zudem pumpen diese Zeitgenossen diese und jene Nachricht über Twitter oder auch bei Posterous raus, verstehen aber nicht das Prinzip vom Dialog mit den anderen Nutzern auf Augenhöhe. Authentizität und Transparenz in ihrer Kommunikation sind dabei schon befremdliche Kriterien. Gleichzeitig basteln selbige Experten spontan eine Facebook Fanpage zusammen und versuchen über Follower-Bots ihren Twitter-Account rein quantitativ-numerisch in die Höhe zu jagen. Auch andere selbsternannte Social Media Experten profilieren sich auf diversen Events, aber reden ohne mit Hand und Fuß wirklich in Social Media zu stecken über ein Thema, indem sie heute noch proklamieren, dass Foursquare das neue Twitter sei. Wenn man schon bei diesen Geo-Location-Based Services richtig gelten möchte, bewegt man sich dauerhaft mit GPS und pumpt seinen Aufenthaltsort in zehn Dienste gleichzeitig rein. Und überhaupt müsste man mit seinem Unternehmen bei Twitter und Facebook präsent sein.

Wo bleibt denn da die Konsequenz? Kommt der Social Media Experte dabei noch zum Arbeiten? Spricht hier der fachübergreifende Ansatz ein Wort mit oder denken Social Media Manager nur im Marketing-Buzzword-Slang? Würde jemals einer der Social Media Experten den kommunikativen Ansatz verfolgen, den Vertrieb oder das Personalmarketing eines Unternehmens oder Kunden zu stärken, und nicht ausschließlich irgendwelche Postings bei Twitter rauszujagen? Social Media Idealisten. Will man diese Oberflächlichkeit wirklich? :)

14 Kommentare
  1. Markus sagte:

    Hey Mike!

    Schöner Einwurf, klare Antwort: Nein! Allgemein bekannt dürfte ja sein: A fool with a tool is still a fool ;) Leider erkennen viele Menschen hinter all den Buzzwords sowas oft nicht & lassen sich tatsächlich blenden. Dagegen hilft wohl nur bodenständiger, pragmatischer Umgang mit den Tools und vor allem gute Beratung, wo ein Engagement trotz eines momentanen Hypes für ein Unternehmen schlicht sinnfrei ist.

    Eine weiterführende Frage habe ich an Amir Kassaei & Björn Eichstädt bei ihrem Vortrag zum Fukuoka Project neulich in Hamburg gestellt: Müssten „wir alle“ nicht – wenn wir konsequent wären – von der Werbe- und PR-Branche in Richtung Kundenservice, Produktberatung/-optimierung und Usabilityberatung wechseln?

  2. Mike Schnoor sagte:

    Danke für dein Feedback. :) Im Grunde genommen sehe ich es ähnlich – man muss wesentlich stärker über den Tellerrand blicken, als nur die Scheuklappen bei PR oder Marketing aufzusetzen. Kundenservice, Produktmanagement, Vertrieb, Usability, Human Resources – je nach Unternehmen kann fast jeder Bereich sinnvoll auf Social Media setzen. Wichtig ist dabei das „kann“ – ein Unternehmen muss aber nicht aktiv mit Inhalten dabei sein, denn oftmals reicht auch das Zuhören aus.

  3. Dragan Mestrovic sagte:

    Jeder der von sich behauptet er sei ein Experte, ist wahrscheinlich keiner.

    Das Publikum macht jemanden zum Star und im Business ist der jenige der Star, der nachvollziehbare und reproduzierbare Ergebnisse vorweisen kann.

    Einige von diesen selbsternannten Experten konnte ich auf der MEIM Messe in Dortmund, letzte Woche erleben.

    Genau wie Sie hier beschrieben haben, haben diese Social Media „Experten“ nicht verstanden wie Social Media und TwoWay Communication funktioniert, sondern adaptieren die alten Regeln von Markting und PR auf Social Media.

    Das erschreckende dabei, es waren hauptsächlich Mittelständler auf dieser Messe, die aus wirtschaftlichem Interesse an einigen der Vorträge teilgenommen haben.

    Das was diesen Unternehmern dort teilweise serviert wurde, war ein Sammelsurium von Halbwahrheiten, nicht durchdachten Vorgehensweisen und die alten Regeln wie man andere mit Informationen langweilt, die diese nicht angefordert haben.

    Fazit: Jede Menge Halbwissen adressiert an interessierte Unternehmer. Diese werden sich dann wundern warum das Medium für sie so nicht funktioniert.

  4. Stefan sagte:

    Ich habe häufig – und das beschreibst du oben auch ein wenig -, dass das Pferd von Hinten aufgezäumt wird. Bevor man sich Gedanken über Tools und die „herauspusten“ von Nachrichten macht, sollte man den Hirnschmalz in den vorgelagerten Prozess stecken. Dieser heißt Ziele definieren: „Was will ich überhaupt mit meiner Social Media-Aktivität erreichen?“ und „An wen wende ich mich?“

    Wenn ich diese beiden Fragen beantwortet habe, heisst es: Zuhören. Was sagen meine Kunden über mich? (Stichwort: Social Media Monitoring)

    Wenn ich diese Fragen beantwortet habe, kann ich mir Gedanken dazu machen: „Durch welches Medium erreiche ich mein Ziel?“

    http://twitter.com/stelten

  5. Klaus Eck sagte:

    Eine schöne Formulierung, die ich mir gerne auf der Zunge sehr gehen lasse: „ohne mit Hand und Fuß wirklich in Social Media zu stecken“

    Darin steckt zurecht die Frage versteckt, wie sehr muss sich ein Social Media Experte oder Consultant wirklich in seine Thematik einarbeiten, um seine Kunden gut beraten zu können. Ich meine: etwas Praxis könnte einigen der von Dir so schön titulierten „Social Media Idealisten“ nicht schaden, wobei mein Idealismus-Begriff positiver besetzt ist und wenig mit der von Dir zu Recht beklagten Oberflächlichkeit zu tun hat. Viele der Kritisierten sind sicherlich nicht aus Idealismus auf Follower- und Fan-Jagd, sondern verfolgen damit klare pekunäre Interessen. Das ist nicht ungewöhnlich in einem prosperierenden Markt und ein Indiz für die Mainstreamisierung von Social Media. Anscheinend ist das Thema angekommen.

    Und die Frage oder Antwort, ist „Foursquare das neue Twitter“ disqualifiziert die Urheber selbst. Es geht gar nicht darum, welche Technologie das nächste große Ding ist. Letztlich sind alles Kulturtechniken, die auf dem Prinzip „Teilen“ und „Geben“ basieren.

    Seit einigen Jahren entwickelt sich Social Media in der Tat ein wenig weg von einer PR- und Marketing-Augabe und wird ganzheitlicher betrachtet. Inzwischen geht es häufiger um die Neustrukturierung von Unternehmen, das zum Glück immer seltener Enterprise 2.0 genannt wird. Es geht um die Prozesse und um eine „integrierte“ Social Media Strategie, die alle Belange eines Unternehmens berücksichtigt. Und das ist sehr gut so.

  6. Lars Müller sagte:

    Vielleicht auch etwas zu idealistisch gedacht, aber es könnte doch mal stimmen: Qualität setzt sich am Ende durch.

    Also einfach mal abwarten, womit sich die selbsternannten Experten so in zwei, drei Jahren beschäftigen …

  7. Julika sagte:

    Ich finde das ja durchaus spannend, was hier diskutiert wird, aber wirklich konkret ist das nicht, zumindest für außenstehende nicht. Kann einer von Euch vielleicht mal ein, zwei Beispiele nenne, worin sich echte Experten und unechte unterscheiden?

  8. Tim Krischak sagte:

    @julika Ein echter Experte weiß wie Kommunikation von Unternehmen funktioniert. Denn eine gute Social Media Beratung entwickelt eine zielgerichtete Strategie, die zur vorhandenen Kommunikationsstrategie des Unternehmens passt/abgeleitet wird (sofern vorhanden).

    Wie Dragon schon gesagt hat, hat er verstanden das Push-Marketing und Verkuendungen nicht funktionieren und adaptiert deshalb nicht die herkömmlichen Kommunikationsinstrumente (Werbung, Pressemitteilung) eins zu eins in die neuen Medien. Er hat Funktionsweisen und Mechanismen der Kommunikation innerhalb dieser Arena verstanden und entwickelt passende Konzepte inhaltlich u. technisch.

    Weil Social Media auf langfristgen Erfolg angelegt ist verspricht er seinen Kunden keinen kurzfristigen Erfolge.

  9. Jo Wedenigg sagte:

    Sehr treffend formuliert. Allerdings muss man – wie so oft – auch im Falle des gemeinen „Social Media Managers“ die Spreu vom Weizen trennen.

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  1. […] jegliche Nutzung erübrigt hat. Leicht wird der junge und unerfahrene Manager als Social Media Idealist doch nur zum Social Media Facility Manager degradiert – und macht den Kehraus nach dem […]

  2. […] werden wir warten müssen, bis jemand davon eine eingedeutschte Version erstellt oder sich als Social Media Experte in den neuesten Variante seiner Vortragsfolien als Innovator brüstet? :) Kategorien: […]

  3. […] wissen die Experten und Idealisten natürlich schon lange. Die weit verbreitete Meinung: Weil Social-Media-Kultur und […]

  4. […] Leben ist öffentlich zugänglich, denn jeder soll sehen wie gut er damit umgehen kann. Er ist der Idealist unter den dreien und wird beim nächsten neuen Tool das alte ebenso vernichtend bewerten wie alle […]

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