Das altbekannte Lied in neuer Vertonung – so spielt der Bi Ba Bloggermann. Ob kritisch, politisch, selbstreflektierend, egozentrisch, fanatisch – oder doch keines von allem. Die alteingesessenen Blogger der deutschsprachigen Blogosphäre sind in unseren Landen medial vollends präsent. Ob ein Zitat im Spiegel, eine Berichterstattung in der Zeit, bei der FTD, der FAZ oder beim Handelsblatt sowie in Branchentiteln wie der Horizont oder der W&V werden vielleicht 20 verschiedene Namen für die Leser eingespielt, die zu dem einen oder anderen Thema einen blogosphärischen Unkenruf in positivem oder negativem Tenor von sich geben dürfen.

Das Spiel und ihre Spieler sind bekannt wie bunte Hunde, die sich in ihrer selbsterzeugten Mitte mal beliebäugeln oder insgeheim hassen, und die Welt nach außen hin fliegt durchaus an ihnen vorbei. Doch mittlerweile kümmert es mich wenig, wenn bekannte Blogger in diversen Artikeln zitiert werden. Ja klar, jeder liest Robert Basic und findet seine Themenvielfalt auch toll. Man kennt das Bildblog besser als den Axel Springer Verlag und glaubt, dass ein Expressblog oder Mopoblog keinen Erfolg verbuchen wird. Auch wissen wir, dass Spreeblick zwar so heißt, jedoch in Wahrheit keinen Blick auf die Spree wirft. Der fulminante Erfolg der Top-Blogger oder A-Blogger basiert auf ihrer langjährigen Autorenschaft und der mittlerweile regelmäßigen Anerkennung ihrer Leistung.

Für die Masse der Blogger sieht es anders aus – wir schwimmen im Sumpf des von allen Top-Bloggern hinterlassenen Verbrechens. Nur wenige Male werden „Nonames“ zu Rate für einen Artikel gezogen, sofern nicht durch ihre fachliche Kompetenz der Artikel in einem frischen Glanz erscheinen kann. Zwischen dem begreifbaren Kerngedanken des Web 2.0, den virtuellen Social Networks und Communities, begehbaren BarCamps und sonstigen Events findet sich nur eine kleine Schar der Blogger, die neben den Top-Bloggern regelmäßig publizistische Anerkennung erhält. Der Rest der Blogger schaut in die Röhre – und damit ist nicht YouTube gemeint.

Ich stoße alle paar Tage auf gute Blogs und Blogger, die wirklich spannend schreiben, jedoch nur in ihrer abgesteckten „anti-mainstream“ Zielgruppe existieren und durch keine extremen Ausschläge bzw. mediale Impacts auffallen. Nur durch ihre Schreibe und den Stil, wie sie ihr Blog füllen, machen sie es den Lesern zu einer lesenswerten Sache das Blog zu abonnieren. Was dort an Traffic entsteht ist manchmal mehr als unvorstellbar. Selbst wenn dieses Blog von Robert Basic verlinkt wird, kommt nur ein magerer Rückfluss zu stande. Vielmehr profitiert man dadurch, dass ein Artikel gerade bei einer ausgelagerten Zielgruppe den Impactfactor erzeugt, der die Besucher in Scharen strömen lässt.

Wie eine kleine Zeitschrift im Netz etabliert sich das meiner Meinung einstige Blog zu einem Multiautoren-Blog mit multiplen Themen. Auch Robert geht den Weg und ermöglicht das themenspezifische Bloggen auf einer Subdomain von basicthinking. Ist das der Trend für 2008, damit die Top-Blogs in Deutschland überleben werden? Ich empfinde die momentane Lage der Blogosphäre sehr irritierend – vielleicht konsolidiert sich ja in den kommenden Wochen das eine oder andere Problem und löst sich in Wohlgefallen auf… oder es ist eine neue Art der Blogkultur in Deutschland. A-Blogmagazine und Top-Themenblogwelten. :)

Der Massenmarkt ist reichlich abgesteckt und von den A-Bloggern dominiert. Wer also als weniger hoch gerankten Blogger mit seinem Blog bei anderen augenscheinlich kleinen Blogs punkten kann, hat auf lange Sicht hin den Erfolg zu verbuchen, der es Spreeblick seit einigen Jahren ermöglichte, von einem Blog zu einem multimedialen Themenmagazin zu werden. Man wird öfter und intensiver gelesen als wenn man innerhalb eines der 10 täglichen Beiträge der diversen Top-Blogger erwähnt wird.

6 Kommentare
  1. Xel sagte:

    Hmm,
    das wirft bei mir die Frage auf, ob es dem ein oder anderen Blogger nicht auch ohne 2000+ Leser pro Tag ganz gut geht…

    Ich hätte nicht die Zeit mich mit so vielen Kommentaren rum zu schlagen wie Robert – gut, dafür könnte ich dann von meinem Blog leben und eventuell noch die ein oder andere Consulting Aufgabe für einen fairen Stundensatz erledigen… aber andererseits arbeitet man ja doch zu gerne um sich ausschließlich um sein Blog zu kümmern ;-)

    Also mir reichts das als Hobby zu betreiben und da reicht es mir auch, wenn ich pro Monat 3 neue Feedabonenten bekomme…

  2. MacTV sagte:

    Ob A oder B das ist egal.
    Schreiben wir Blogeinträge um Kohle zu machen?

    Der eine sag Ja oder andere sagt Nein.
    Ist doch alles egal. Solange ich meine 10-15 Stammbesucher mit meinen Themen bediene, reicht mir das aus (noch :) )

    Robert und Co schreiben bis zu 30 DinA4-Beiträge pro Tag. Das sind schon lange keine Blogs mehr, das sind Magazine. Ich finde die Entwicklung gut.

  3. Martina Berghäuser sagte:

    Und ich dachte immer, Blogger würden halt bloggen, weil es ihnen Spaß macht. So war und ist es zumindest bei mir. Und auch mir kommt es – wie meinen Vorrednern – ganz massiv so vor, als hätte ich von dieser Diskussion schon häufiger gehört. Klar gibt es Leute, die von ihren Blogs leben können, und ebenfalls ganz klar gibt es eine große Masse, die das nicht kann – und davon sind auch mindestens 90 Prozent nicht im Mindesten daran interessiert, würde ich meinen.

    Die meisten – und ich glaube auch nicht, dass sich das in Zukunft ändern wird – bloggen aus Spaß an der Freude. Um ihre ungewöhnlichen Hobbys darzustellen, wie mittelalterliche Geschichte, zum Beispiel, oder um ihr Statement abzugeben. Oder von ihrem Alltag zu erzählen, in ganz altmodischer Definition eines Blogs, sozusagen. Und ich finde überhaupt nicht, dass daran etwas auszusetzen wäre.

    Natürlich stürzen sich die großen Magazine auf die „großen“ Blogs, weil es erstens einfacher ist, weil sie leichter zu finden sind, und weil das, worüber man spricht, halt interessanter erscheint. Das ist eben die berühmte Sau, die man dann genüsslich durch die Medienlandschaft treiben kann. Aber mal ehrlich: Otto-Normal-Blogger freut sich doch normalerweise einfach nur darüber, gelesen zu werden. Oder nicht?

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