Einige sehen ihre monetären Vorteile als Erfolgsgarant des regelmäßigen Bloggens an. Natürlich habe ich auch Banner in diesem Blog geschaltet, jedoch hält sich der Erfolg dahingehend so gering, dass die Selbstkosten des Blogs wie das Hosting auf lange Sicht hin zwar getragen sind, aber meine Familie kann ich bei weitem nicht davon ernähren. Was über ein Weblog, dass sogar bis in die Top 50 der Deutschen Blogcharts aufstieg und wieder nach unten gefallen ist, an barer Münze herum kommt, ist zwar ein erfreuliches Maß der Dinge, jedoch wird niemand davon satt.

Anstelle nur auf das Geld zu schielen, sehe ich Bloggen für die Mehrheit der Blogger als selbstdarstellerisches Mittel zum Zweck an. Wer etwas zu sagen hat, der schreibt heute sein Weblog im Internet und nicht mehr insgeheim sein Tagebuch auf Papier. Mit Ausnahme der „Retro-Blogger“, die ihre geschriebenen Tagebuchseiten einscannen und digitalisiert ins Blog stellen, leben wir alle von der zumindest schnellen Schreibe. Doch was zählt für einen Blogger als Erfolg? Das Geld schließe ich für den Großteil aus. Ich spreche auch nicht von dem unerreichbaren Vorzeigeblogger Robert Basic oder den erfolgreichen „Konglomeratsblogs“ Bildblog oder Spreeblick, auch in keiner Weise von irgendwelchen widrigen Spammern, die nur aus Anzeigen ihr Blog gestalten. Vielmehr geht es um diejenigen Blogger, die schon länger dabei sind, jedoch immer wieder und wieder an den Hürden der besagten „Szene“ scheitern oder deren Inhalte nicht das widerspiegeln, was die Medienwelt fasziniert und auf Trab hält.

Ich denke gerade deswegen, weil die Blogosphäre aus vielen kleinen Bloggern und nicht nur 50 großen Namen dominiert wird, dass eines den einzelnen Blogger wirklich erfreut und dass daran sein Erfolg gemessen wird: Die Leserschaft der Blogger ist Gold wert! Um es mit klaren Worten zu fassen: Insbesondere für mich war es scheiß egal, wie viel Geld im Blog zustande kommt, wenn ich die bis dato über 40 Kommentare mit Glückwünschen zur Geburt unserer Tochter lesen darf. Geld ist doch einfach nur ein unterirdisches Gelüst im Mangel der sozialen Harmonie von unserer Gesellschaft.

Ich akzeptiere natürlich jeden, der mit guten Mitteln und geschicktem Schreibstil über sein Blog zu Geld kommt, doch für Neuanfänger oder diejenigen, die wirklich nur aus Spaß das Bloggen anfangen, sollte die Leserschaft der Anfang und das Ende sein. Das damit einhergehende Marketing der eigenen Person bzw. des eigenen Blogs auf absolut persönlich natürlicher Ebene versprüht dabei mehr Potential, als wenn sich einer nach Draußen stellt und sein Blog mit allen Mitteln befeuert, nur um die heißesten, coolsten und bestverlinkten Blogeinträge zu schreiben. Hab‘ ich auch mal gemacht, und weil ich das über mehrere Monate nicht getan habe, fiel ich von über 400 tollen Technorati Backlinks auf magere 200-schießmichtot Links. Fazit: Braucht man nicht, denn das Bloggen bringt genug Spaß, wenn man es mit Herz und Seele macht. Vielleicht ist das der Weg in die Blogkultur, die viele von uns Autoren ja ersehenen, jedoch immer wieder verdrängen… denn diese Themen kommen wirklich alle paar Monate wieder auf, man schreibt darüber, entlässt seinen persönlichen Ausdruck in Form eines Blogeintrages dazu und kommentiert hier oder dort – und belässt es irgendwann wieder. Blogkultur ist ein schönes Wort, auch vom Ton her besser als das allgemeine Geschwubbere vom Wort der Blogosphäre. Bloggt der Blogkultur wegen!

3 Kommentare
  1. Peter Turi sagte:

    Hallo Mike,

    warum konstruierst Du einen Gegensatz zwischen „bringt Spaß“ und „bringt Geld“? In meinem bisherigen Leben ist mir mal das eine, mal das andere besser gelungen, in den besten Phasen hat beides zusammengepasst, z.B. in meiner Zeit als Macher von kress.de. Inzwischen gelingt’s mir auch bei turi2.de – und das ist ein wirklich, wirklich geiles Gefühl.

    Darf ich mich jetzt nicht mehr Blogger nennen, weil ich Leser UND Anzeigen habe, weil der Spaß inzwischen auch die Familie ernährt?

    fragt Peter T.

  2. Basti sagte:

    huch ich fühle mich gerade so angesprochen….
    ick dümmpel jetzt seit grob über den daumen gepeilt 10 jahren im web rum, seit 2 jahren mit einem fotoblog das ich vor anderthalb jahren zum „richtigen“ blog umgestalltet habe…

    auch wenn es die besucherzahlen erlauben würden werde ich nie werbung schalten!
    ebenso interessiert mich mein pagerank und andere chatrsplatzierungen, ich habe in den topcharts einfach nichts zu suchen, erstens weil ich keinen grund habe auf verlinkungsorgien und abgeschauten beiträgen und zweitens weil ich mit meinem blog nicht den breiten massengeschmack treffe….

    um mal wieder zum thema zurückzukommen, ich stimme dir voll und ganz zu, mir ist jeder einzelene kommentar wichtiger als irgend einen platz auf einer „pseudo“liste von top blogs… wovon viele nur leblos im web rumdümpeln und ich mich ernsthaft frage wie solche platzierungen zu stande kommen

  3. Mike Schnoor sagte:

    @Peter – Hallo Peter, Halt – Geld verdienen und Spaß haben darf ganz gewiss harmonieren. Ich freue mich durchaus für diejenigen, die durch harte Arbeit und eine lange Wegstrecke zu dem blog-beruflichen Erfolg gelangt sind. Es ist ja bei mir nicht anders passiert, zumal mein persönliches Engagement im Web 2.0 mich zu meinem Arbeitgeber gebracht hatte.

    Und mir geht es nicht um Anzeigen – schließlich schalte ich selbst Werbebanner im Blog. Jedoch hatte ich jüngst einige Stimmen wahrgenommen, deren Aussagen im Kern besagen, dass man aus dem einen Grund anfängt zu bloggen: Nur um Geld zu verdienen. Ohne Leidenschaft, ohne Interesse am Bloggen selbst – und was für eine spannende Medienwelt durch unser aller Partizipation an der Informations- und Wissensgesellschaft geschaffen wird. Dafür mit einer kompletten Bestrahlung von Werbung über „Rezensionen“, „Textlinks“, „RSS Werbung“ und klassische „Banner“, dass der Leser sich kaum zu den Inhalten durchfinden kann.

    Natürlich ist das Bloggen vielseitig begründet – durch die persönliche Note der Autoren, ihre Professionalität und Fachkompetenz, die besagte Leidenschaft und bestimmt noch unzählige andere Faktoren. Diese einzige Motivation, am Bloggen nur Geld zu verdienen, stört mich persönlich, denn für mich steht der Spaß im Vordergrund.

    Wie man in den vergangenen Wochen sah, hatte ich teilweise keinen Spaß am Bloggen und hatte auch wirklich wenig geschrieben – nun ist der Spaß wieder da und es flutscht förmlich. Letztendlich ist der obige Appell an die gerichtet, die sich an den Top-Listen ergötzen. Früher tat ich das auch, doch wen kümmert es eigentlich wie die Listen besetzt sind, wenn die Inhalte einfach bei vielen Blogs in den Listen fehlen?

    @Basti – Werbung ist immer ein Streitpunkt, doch ich überlasse es jedem, ob er wirbt oder nicht – nur wer wirbt, soll keine Adblocker einsetzen… das wäre irgendwie lächerlich. Zurück zu den Listen – leider ist der Faktor „Zeit“ und die damit verbundene „Langlebigkeit“ bei den bestplatzierten Blogs der Grund für die Platzierungen. Eine Liste, die tagesaktuell die Blogosphäre betrachtet, brächte bestimmt nicht die berühmten Listen zum Vorschein, die wir als Maß der Dinge konsumieren.

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