Für alle diejenigen unter uns Studierenden, die einen baldigen Einstieg in das Berufsleben planen und vorher noch das eine oder andere Praktikum absolvieren möchten, bietet sich seit kurzem diese Gelegenheit: Unter Students at Work vereinigen sich ehemalige oder aktive Praktikanten zu einem Netzwerk, das grundlegende Reformen als Basis für zukünftige Praktika in der deutschen Unternehmenslandschaft etablieren möchte.

Das faire Praktikum

  1. Das Praktikum ersetzt keine regulären Arbeitsplätze.
  2. An oberster Stelle steht, dass der Praktikant Erfahrungen sammelt und sich beruflich weiterbilden kann.
  3. Der Praktikant bekommt einen Vertrag, der folgendes regelt:
    • Beginn und Dauer des Praktikums
    • tägliche Arbeitszeit
    • Höhe der Vergütung
    • Dauer des Urlaubs
    • Vergütung von Überstunden
    • Lohnfortzahlung im Krankheitsfal
    • Kündigungsvoraussetzungen
  4. Der Praktikant hat einen Ansprechpartner.
  5. Er hat einen eigenen Arbeitsplatz.
  6. Das Praktikum dauert höchstens drei Monate. Alles, was darüber hinausgeht, ist ein Berufseinstiegsprogramm, kein Praktikum.
  7. Der Praktikant bekommt Geld. Absolventen sollten ­ sofern es keine tarifvertragliche Regelung gibt ­ mindestens 600 Euro netto pro Monat erhalten.
  8. Der Praktikant hat ein Recht auf ein Zeugnis (§ 630 „Pflicht zur Zeugniserteilung“ BGB).

Hat die moderne Ausbeutung von arbeitswilligen Akademikern, mit der einige Unternehmen ihre Praktika unterschwellig assoziieren, demnach ein Ende? Ich glaube, dass dieser Schritt zur Vereinigung der Praktikanten unter einem Banner gewiss den Anfang von einem solchen Ende setzt. Der deutsche Personaler und die Unternehmensleitung muss sich vor Augen führen, dass in anderen Ländern es eine gute Sitte ist, schon an die Hochschule zu gehen, um die zukünftigen Führungskräfte zu umwerben – und nicht durch maue Praktika zu vergräulen.

Solange aber kein Umdenken in den Köpfen der derzeit verantwortlichen Entscheider beginnt, wird Deutschland sich im Kreise drehen und die guten Akademiker ins besserbezahlte Ausland abwandern. Hier sind ganz klar die USA, aber auch der Asia-Pazific wie auch Southeast-Asia zu benennen. Nur noch 10 bis 15 Jahre, und diese asiatischen Wirtschaftsräume haben die Old European Economy vollständig überholt.

[via SpOn]

9 Kommentare
  1. Kat sagte:

    Diese Erfahrung kenne ich ja auch weitesgehend: während man in Deutschland ausgenutzt wird, sind die Amerikaner wesentlich freizügiger was Bezahlung usw. angeht – ich konnte mich bei meinem Praktikum in den Staaten nicht beklagen.

  2. Mike Schnoor sagte:

    Problem: Deutschland ist deutsch. Das bedeutet im Sinne der kulturellen Gegebenheiten, dass deutsche Unternehmen/er in hochgradig traditionellen Wertevorstellungen leben. Demnach glauben sie, dass das alte auch gleichsam für die Zukunft gelten muss, und dass eine gewisse „Hierarchieannahme der Ausbeutung“ in der unidirektionalen Linie von oben nach unten gerichtet als Prämisse gelten müssen. Wer neu ist, fängt unten an, und wird getreten, bis er/sie sich seine Sporen verdient hat. Daher sehe ich mich als kulturellen Rebell.

  3. og sagte:

    Hm, das heißt du kämpft für das Recht auf jeder Stufe der Karriereleiter getreten und ausgebeutet zu werden? ;)

    Aber das wär ja mal ein Modell: Jeder wird als Chef eingestellt und so lange runtergestuft bis er nene guten Job macht. Das würde das Peter-Prinzip ins Produktive umkehren… 8Und Chefs würden bemitliedet statt gehasst – wobei schwer zu entscheiden ist was schlimmer ist ;) )

  4. Mike Schnoor sagte:

    Das neue Modell finde ich klasse :)

    Aber nein, ich meine nicht, dass man auf jeder Stufe getreten/ausgebeutet werden soll. Eine gewisse Hierarchie ist ja gut, jedoch ist die „Praktika-Hierarchie“ wie es halt größtenteils in Deutschland zu sehen ist, keinesfalls für mich als angehenden Absolventen akzeptabel.

    Dennoch stellte ich heute vormittag nach einer Aussage einer ehemaligen Absolventin fest, dass sie gerne Praktika vergüten würde. Die einzige Hürde bei dem Ganzen ist jedoch, dass bürokratische Gewerkschaften irgendwie dazwischenfunken und lieber einen „Arbeitsplatz“ und keinen „Praktikaplatz“ vergütet sehen. So gibt das Unternehmen eher unvergütete Praktika, anstatt einen vollen Arbeitsplatz wegen irgendwelcher irren Regularien auszustellen. Schien mir die erste logische Argumentation eines Unternehmens zu sein, warum Praktika nicht vergütet werden – die Gewerkschaften (Ausbeutervereine²) sind schuld! Soviel dazu :P

  5. Katharina Schnitzer sagte:

    Ist ja mal eine interessante Idee…einfach mal die Hierarchie umdrehen. Aber da kommt dann wohl nicht viel dabei herraus außer der Erkenntnis, dass es ja doch nicht so einfach ist ein Unternehmen zu führen. Außerdem, wenn man dann schon gehasst wird, kann man es im Notfall auch schon mal ausnutzen (wozu ich aber nicht raten würde).

  6. OliverG sagte:

    So en passant: Wieso macht man eigentlich (erst) Praktika, wenn man fertig ist? Wieso nicht während des Studiums? So hab ich es gebmacht. 90% meiner Praktika liegen in der Studienzeit. Und die beiden danach waren ordentlich bezahlt. Aber das waren natürlich auch die frühen 90er ;)

  7. Mike Schnoor sagte:

    Nein nein, ich selbst möchte ja Praktika auch gerne während der Studienzeit nutzen und erleben. Nach dem Abschluss aber sehe ich kein Praktika als Ziel, sondern die ordentliche Anstellung in einem Unternehmen zu bekommen – vielleicht gerne auch bei denjenigen Unternehmen, bei denen man vorher noch im Studium Praktikant war.

    Wiederum spielt hier auch der Standort Flensburg eine Rolle: Nach langer Suche habe ich jetzt die Möglichkeit, mich auf 4-5 Stellen zu bewerben. Denn vom finanziellen her lohnt es sich nicht, während des Studiums mit den Vorlesungen an der Universität ein Praktikum in z.B. Hamburg zu machen – die Fahrtkosten könnte ich niemals aufbringen, und ein Unternehmen würde auch nur ein Vollzeitpraktikum anstreben, anstatt eines mit Vorlesungen in Flensburg unterbrochenes.

    Leider aber gibt es – laut obiger Vereinigung „Students at Work“ – viele Unternehmen, die die fertigen Absolventen mit ihren oftmals respektablen Abschlussnoten wieder in ein Praktika reinstecken und nicht als vollwertigen Mitarbeiter engagieren. Obwohl diese Absolventen kein Interesse an einem Praktika haben, schlucken sie es um z.B. der Arbeitslosigkeit zu entfliehen.

  8. Mike Schnoor sagte:

    Phil – ich hab’s damals ja schon versucht Dir zu erklären: Üblicherweise gilt es hier „konstruktive Kritik“ anzuwenden, und nicht solch ein Nonsense-Geblubber. Stell dich also bitte nicht so kindisch an und halte stattdessen Konversation. Ich weiß ja, dass Du auch was auf dem Kasten hast – schließlich hast Du ja IM studiert. Wenn nicht, dann heulst Du bitte ganz alleine in der einsamen kleinen Ecke für „Trolls“ (falls Du überhaupt diese Termini kennst), spiel dann bitte aber nicht bei den „Großen“ mit.

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