Experiment: Wie leicht der Klout-Score beeinflusst werden kann…

Klout versucht sich als Ranking- und Bewertungsdienstleister am digitalen Nutzer. Deutsche Medien, Bloggern und Karriereexperten kritisieren das Angebot scharf. Es mangelt an Aussagekraft des Klout-Scores, der im Prinzip nur die (rege) Aktivität der Nutzer bemisst. Zugleich sei dieser Indexwert nur zu leicht beeinflussbar. Wie das funktionieren kann, habe ich selbst ausprobiert…

Meine Zielsetzung
Seit einiger Zeit wollte ich Klout auf das Potenzial in Bezug auf die Manipulation des Klout-Score überprüfen. Doch wie stellt man das am besten an? Nach verschiedenen Ansätzen entwickelte sich eine natürliche Grundlage. Während ich im Herbst 2012 einen stattlichen Klout-Score von 62 Punkten vorweisen konnte, fiel dieser Indexwert in der Vorweihnachtszeit bis ins neue Jahr langsam aber stetig um vier Punkte auf nur noch 58. Im Grunde genommen stellt dieser Abfall keine nennenswerte oder gravierende Veränderung dar, wenn man Klout nicht mit vollem Eifer nutzen möchte. Unterm Strich bedeuten 58 Zähler für viele Nutzer eine akzeptable Punktzahl, die in meinem Fall durch eine gewisse Nicht-Aktivität gepaart mit einer Online-Abstinenz hervorgerufen wurde. Diesen Dämpfer wollte ich als Kritiker an Klout also zum Anlass nehmen, einfach wichtig wichtiger zu werden – und die generelle Auffassung zu untermauern, dass Klout als Entscheidungsgrundlage absolut nichts im Personalwesen verloren hat.

Steigerung der Aktivität
In den ersten zwei Januarwochen bemühte ich mich darum, attraktive Themen und gute Inhalte für mein Blog zu finden. Ich wollte Zielgruppen aktivieren, Nutzer zum Teilen und Weiterempfehlen anregen. Diese Artikel stellte mit direkten Links quer durch meine typischen Präsenzen in Social Media. Der Share-Button von Twitter gab zusätzliche Bonuspunkte, zumal immer mein Twitter-Account @MikeSchnoor mitverlinkt wurde. Gleichzeitig wurde ich in Facebook aktiver und verlinkte meinen Twitter-Account mit selbigem Facebook-Konto zwecks automatischer Synchronisation der Inhalte. Natürlich stellte ich die Inhalte bei Google+ ein und gründete eine neue Community namens „Public Relations Deutschland„, die sogar nach den ersten Tagen bereits 78 Mitglieder vorweisen kann, jedoch noch im kommunikativen Dämmerzustand vor sich hin lebt. Gepaart mit der Diskussion in den sozialen Netzwerken, das Retweeten mancher Artikel von anderen, dem insgesamt gesteigerten Engagement während spannender Trash-TV-Sendungen inklusive einiger bissiger Kommentare, die zeitweilig auch gerne retweetet wurden, zeigte ich deutlich mehr Präsenz als zuvor.

Positive Bilanz
Klout scheint darin ein gefundenes Fressen zu sehen. Als Ergebnis dieser gesteigerten Aktivität kann ich mehr oder minder stolz vorweisen, dass mein Klout-Score einen rasanten Anstieg von 58 Punkten auf 66 Zähler erleben durfte. Mehr als ich erwartet habe, lässt sich Klout sehr leicht mit gesteigerter Aktivität in Social Networks beeinflussen. Natürlich muss die Community mitspielen, indem die Kontakte quer durch Twitter, Facebook und Google+ mit attraktiven Inhalten gefüttert werden, die von der Machart schnell zum Teilen einladen. Wer also immer noch behaupten möchte, dass Klout bei Personalentscheidungen ein wichtiges Kriterium darstellen sollte, dem gehören ordentlich die Leviten gelesen. Klout dient ausschließlich dazu, den Vernetzungsgrad von Einzelpersonen mit ihren potenziellen Kontakten abzubilden. Der Indexwert sagt nichts darüber aus, ob jemand ein besserer Mensch ist oder ob diese Person als Mitarbeiter überhaupt etwas taugt. Das beste Gegenargument für Klout bleibt: Wer einen zu hohen Klout-Score vorweist, vertreibt sich die Zeit vielleicht viel lieber in Social Media, anstatt produktive Arbeitsergebnisse vorzuweisen.

Zum Abschluss
Haben die Leser mit Klout eine ähnliche Erfahrung gemacht? Ich freue mich auf Hinweise und Diskussionen hier in den Kommentaren. Natürlich sei erwähnt, falls dieser Artikel ebenfalls im Laufe der Zeit über die Social Networks geteilt wird, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit mein Klout-Score noch weiter steigen wird. Aber keine Sorge, das ist mir ziemlich schnuppe. ;)

15 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

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  2. Gute Zusammenfassung, ich selber bin auch skeptisch gegenüber Klout. Allerdings sehe ich nicht, dass du den Wert in einer Art beeinflusst hast, die Klout nicht wollte. Schließlich soll der Score den Grad an Vernetzung und Einfluss im Web zeigen. Wenn du nun deine Aktivität steigerst, mehr mit anderen Nutzern interagierst und interessante Inhalte produzierst, vernetzt du dich mehr.
    Das Problem ist doch vor allem, dass eine Zahl nichts über die fachliche Qualität der Inhalte sagen kann. Wenn du deinen Score mit Cat-Content gepusht hast, trifft Klout keine Unterscheidung zu z.B. PR-Content.

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  7. Toller Artikel, danke!
    Nachdem mein Klout-Score über die Feiertage und durch Krankheit am Jahreswechsel runtergegangen ist (auf 61) habe ich seit letzter Woche aktiv in Facebook Dinge gepostet, die zum Mitreden einluden und was ist passiert? Ein Sprung auf 64.
    Das hat leider überhaupt nichts mit Qualität sondern nur mit Interaktion zu tun. Trotzdem ist es ein guter Überblick und Start eines Monitoring-Prozesses, wie auch Kerstin Hoffmann in ihrem Artikel heute schreibt.

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  9. Vielen Dank für den aufschlussreichen Artikel.

    Mir war bisher noch gar nicht klar gewesen, dass tatsächlich Leute auf die Idee kommen, den Klout-Score für Personalentscheidungen heranzuziehen.

    Das mag aber auch daran liegen, dass ich von Hause aus IT-Consultant bin und nur „nebenberuflich“ einen NLP-Blog betreibe.

    Prinzipiell kann ich mir schon vorstellen, dass Unternehmen, die von ihren Reichweiten in den Kommunikationsnetzwerken leben, Mitarbeiter bevorzugen, die auch als Privatpersonen schon gut vernetzt sind.

    Weil sie sich davon vielleicht Input oder die Nutzung dieser Kontakte für betriebliche Belange versprechen.

    Ich selbst halte davon allerdings nicht sonderlich viel, weil Quantität überhaupt nichts aussagt über einen möglichen Nutzen.
    Wenn jemand z.B. im Technikressort anheuern will und privat Millionen von Katzenbildern und Witzen auf Facebook postet, die von FB-Freunden eifrig geteilt werden, so ist er deswegen noch lange nicht für Reviews neuer technischer Produkte geeignet.

    Oder?

    LG
    NLPete

  10. Guter Content zahlt sich nahezu immer irgendwie aus. Klout ist jedoch nur ein quantitatives Werkzeug und kein qualitatives. Zudem noch unvollständig, da man nur eine Facebook Seite werten lassen kann. Seite und Profil geht gar nicht. Das alles ergibt keine Relevanz über Qualität im Score.

  11. Hallo Mike.
    Ich hätte hierzu noch eine Frage -> „…Natürlich stellte ich die Inhalte bei Google+ ein. …“
    Hast du diese Inhalte auf den verschiedenen Kanälen angepasst?
    Ich möchte das Thema „Duplicate Content“ ansprechen. Mir persönlich ist eine gute Platzierung bei Google wichtiger, als ein nicht nachvollziehbarer Klout Score.

  12. @Alex, mal so und mal so – einiges davon wird 1:1 kopiert und in die Social Networks gepumpt, ein anderes Mal passe ich die Texte händisch an. Hinsichtlich Duplicate Content habe ich kein Problem festgestellt, wenn meine Social Präsenzen (teils) identische Inhalte darstellen. Dafür gibt’s genug Abwechslung in meinen Postings bei Twitter oder Facebook, um keine identischen Streams zu erzeugen.

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