Der Online-Handel in Deutschland zählt zu den Gewinnern der Coronakrise. Die Umsätze im E-Commerce sind gestiegen und das Konsumverhalten hat sich deutlich pro Online entwickelt. Der übliche Ladenbummel und das Flanieren in den Einkaufsstraßen rücken dabei immer weiter in die Ferne. Der eigentliche Einkauf wirkt eher als Mittel zum Zweck, denn der Freizeitaspekt von Shopping hat sich durch die Hygiene-Maßnahmen maßgeblich verändert. Und was macht der Einzelhandel?

Die Verbraucher passen sich den aktuellen Gegebenheiten direkt an. Dies zeigt das Zahlenmaterial aus zwei unterschiedlichen Studien, die sich mit dem Online-Handel und dem Einkaufsverhalten in Deutschland beschäftigen. Zum Einen zeigt ist der E-Commerce laut einer Untersuchung des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) im gesamten 1. Halbjahr 2020 wieder zu gewohntem Wachstum zurückgekehrt. Nach einem ersten Einbruch der Umsätze im ersten Quartal 2020 um 1,5 Prozent ist der E-Commerce im zweiten Quartal mit 16,5 Prozent überdurchschnittlich gewachsen. Von April bis Juni gaben die Verbraucher im E-Commerce über 20,2 Milliarden Euro aus, im gesamten ersten Halbjahr somit 36,7 Milliarden Euro.  Trotz Krisenzeiten schnitten gerade die Waren des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Tierbedarf, Medikamente oder Drogerie mit einem Plus von 51,2 Prozent im zweiten Quartal ab – und zählen mit 35,7 Prozent im gesamten 1. Halbjahr 2020 zu den am stärksten gewachsen Branchen.

Zum anderen zeigt der neue The Shape of Retail Report von Alvarez & Marsal (A&M) und dem Forschungsinstitut Retail Economics, dass sich in Deutschland durch COVID-19 das Kaufverhalten nachhaltig verändert hat. Wenn rund 23 Prozent der deutschen Konsumenten beabsichtigen, ihre Einkaufsgewohnheiten dauerhaft zu ändern, wird es weniger Besuche im stationären Einzelhandel, aber dafür deutlich mehr Online-Einkäufe geben. Schon jeder sechste Verbraucher (16 Prozent) will weniger Geschäfte besuchen als zuvor.

Von den höheren Umsätzen im Internet haben laut bevh-Studie insbesondere die Internet Pure Player mit einem Wachstum von 13,3 Prozent im 1. Halbjahr und 20,8 Prozent allein im zweiten Quartal 2020 profitiert. Die Umsätze auf Online-Marktplätzen wuchsen im gleichen Zeitraum um 19,1 Prozent (Quartal) bzw. 12,1 Prozent (Halbjahr). Die Onlineumsätze der stationären Händler konnten demgegenüber im zweiten Quartal mit 4,7 Prozent nur unterdurchschnittlich am Wachstum partizipieren. Auf das Halbjahr bezogen verloren sie sogar 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Einzelhandel muss jetzt digitalisieren

Spätestens jetzt schlägt die Stunde für den Einzelhandel, sich mit der Digitalisierung konsequent zu beschäftigen. Ein Verzicht auf die Verlängerung des Geschäftsmodells in Richtung Online-Handel wird zum Ende der stationären Händler führen. Die Coronakrise wird ihr übriges dazu beitragen und den Verweigerern der Digitalisierung den Todesstoß geben. Wer jetzt in das Multichannel-Geschäft einsteigen kann, wird zumindest die Chancen der Krisensituation nutzen können und perspektivisch sein Geschäftsmodell nachhaltig in Richtung Digitalisierung verändern können. Das wird dabei helfen, auf lange Sicht hin konkurrenzfähige zu bleiben.

Gerade die Einzelhändler, die sich nicht schnell genug anpassen können, werden hingegen noch stärker unter Druck geraten. Weniger die Veränderungen in puncto Digitalisierung und Abwenden der Coronakrise, sondern der steigende Konkurrenzdruck wird sich negativ auf den einzelnen stationären Händler auswirken. Die Verbraucher werden sich von innovativen Konzepten überzeugen, die einer strategischen Planung und konsequenten Umsetzung unterliegen. Wer digitale Denkansätze jetzt fördert, kann vom stationären Händler zum Onliner aufsteigen.

Darwinistischer Ausblick

Lamentieren hilft nicht viel. Man sollte sich der Situation stellen und das Beste daraus machen – auch über den eigenen Schatten springen und sein Geschäftsmodell digitalisieren. Wir erleben jetzt keine Disruption und keine Revolution, sondern eine echte Evolution des Einzelhandels und des Online-Handels. Das sich radikal veränderte Konsumentenverhalten beeinflusst künftig maßgeblich und nachhaltig alle Branchen – noch stärker als jemals zuvor. Der Einsatz von innovativen Technologien, aber auch dem entsprechenden Mindset, wird dabei als Erfolgsfaktor gelten, ob der stationäre Händler die Coronakrise überlebt. Das Prinzip des Darwinismus schlägt voll zu Buche.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.