Personalmeldungen sind was feines, wenn man sich mit neuen Mitarbeitern im Team rühmen kann. Doch wie geht man vor, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt? Es gibt zwei generelle Möglichkeiten: Entweder man trennt sich öffentlich, oder man schweigt sich zu dem Thema aus.

Doch was sich heute im Blog bei myON-ID oder im Twitter-Account des Unternehmens so liest, kann meiner Meinung nach gar keine positive Stimmung verbreiten. Öffentlich trennt sich die Online-Plattform, die ihres Zeichens ein Spezialist für „Online Reputation und Identity Management“ ist, von einem Mitarbeiter – und zwar überhaupt nicht in der Form, wie man es sich von einem Spezialisten für „Online Reputation“ wünscht:

myON-ID beendet mit sofortiger Wirkung jegliche Zusammenarbeit mit Sebastian K***.
Christian S*** führt die Tätigkeiten im Bereich OpenWeb fort.
Die myON-ID Geschäftsführung

Drei Zeilen? Das ist doch nicht PR. Das ist doch nicht öffentlichkeitswirksam. Das ist ziemlicher Bockmist. Personalmeldungen sind nicht dazu da, um jemanden öffentlich zu diskreditieren. Den Namen des Betroffenen habe ich bewusst in meinem Blog geschwärzt. Und das ist genau hier der Fall. Wenn man sich trennt, erfolgt dies einvernehmlich oder aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Wie auch immer der Personalabbau erfolgt, ich habe selten solche dreisten Dreizeiler gelesen. Personalmeldungen mal ganz anders. Ja, so kann es auch gehen. Ziemlich daneben.

Die Blogosphäre reagiert entsprechend bei Christoph Salzig, Till Aichinger, Bernhard Jodeleit, Failersuche, Oliver Berger, iForia und Parkrocker – und bei Twitter oder bei Rivva kann man nahezu live mitverfolgen, dass das Social Web zumindest im Moment nicht von dem Vorfall fasziniert ist.

Nachtrag:
Ich habe heute noch mit Mario Grobholz, Geschäftsführer von myON-ID, über das Thema telefoniert. Ich verstehe mittlerweile die Hintergründe des besagten Blogeintrags, möchte jedoch dieses Thema damit beruhen lassen. Kommunikation im Zeitalter von Social Media ist eine Herausforderung für jeden – ob PRler, Geschäftsführer oder Mitarbeiter – wir alle stecken letztendlich in einem Boot. Dieses Beispiel sollte für andere lehrreich sein, die Fehler nicht zu wiederholen.

23 Kommentare
  1. caschy sagte:

    Ne, das ist nicht die feine englische – macht in meinen Augen einen absolut unsympathischen Eindruck. Dann lieber gar nichts melden.

  2. anatol sagte:

    @george
    fragt sich nur was für eine öffentlichkeit das ist. ohne details zu wissen – eine positive öffentlichkeit sehe ich da nicht.

  3. Ute sagte:

    Aber diesmal wird sich aus einer negativen PR keine erfolgreiche machen lassen. Man kommentierte auf Facebook zu dem Sachverhalt folgend:

    Ist Myondingsda nicht ein Tool, um den guten Ruf im Netz zu überwachen und zu verbessern?
    Bezeichnend, dass diese Leute dann in ihrem Blog auf sehr primitive Weise Rufmord an einem ehemaligen Mitarbeiter begehen.

    —–

    Möchte ich damit noch jemals was im Leben zu tun haben? Sie haben sich selbst nicht im Griff …

  4. Christian Scholz sagte:

    Vor allem haben sie sich damit auch von ein paar Usern getrennt. Da ich mal davon ausgehe, dass sie noch nicht die Größe von flickr erreicht haben, wo man vielleicht auf ein paar mal verzichten kann, geht das wohl eher nach hinten los.

    Und die Kommentare unter dem Blogpost machen es ja nur noch schlimmer. Unprofessioneller geht es ja fast nicht mehr. (und Kommentare werden wohl auch nicht mehr freigeschaltet)

    Da hat wohl jemand Social Media verstanden.

  5. george sagte:

    @anatol aber nichtsdestotrotz ist es öffentlichkeitswirksam, der effekt allerdings… tja… wohl nicht der erhoffte…

  6. george sagte:

    @christian naja, bei dem unternhemenshintergrund könnte man vorsatz unterstellen und zwar den vorsatz, den ehemaligen mitarbeiter nachhaltig in die (reputations-) schmuddelecke zu stellen. jetzt selbst in der ecke zu stehen, war wohl nicht erhofft…

  7. Michael Schwarz sagte:

    @Rainer: Das glaube ich eher nicht. S.K. ist doch nicht der Programmierer des Systems gewesen?

    „Als anerkannter Experte für die Themen OpenID, Data Portability und Social Media trägt Sebastian mit seinen Ideen weltweit zur Entwicklung offener Online-Standards bei.“
    Quelle:

  8. Frank sagte:

    ja, komisch und heftig. das schreit nach counter sue wg. reputationsschaden. sowas kann man anders klären. nicht auf diese art. egal was vorgefallen ist, oder? amateure

  9. Wittkewitz sagte:

    Was ist Dein Problem? Das jemand eine PI rausknallt über seine den Corporate Blog seiner Website und damit gegen die guten Sitten verstößt? Das ist eben das Web. Dieser Inhalt wird über 12 Jahre im Web bleiben. Er wird den Rezipienten einiges über die Beteiligten mitteilen. Er wird nicht den Sachverhalt wiedergeben. Das ist der Sinn des Web 2.0. Die Menschen verwechseln Daten mit Information und glauben, das beides im jeweiligen Kontext Wissen generiert.
    Wer derart oberflächlich denkt und arbeitet verschwindet einfach. Mein Rat: Beobachte und warte. 96% der Vorkommnisse im Web werden durch die Zeit in die rechte Bahn gelenkt. Wer überstürzt handelt, wird auch überstürzt behandelt.

  10. Achim sagte:

    In meinen Augen hat sich myON-ID mit dieser unüberlegten Aktion das eigene Grab geschaufelt und wird aus diesem auch nicht mehr herauskommen. Wie kann man sich als Reputationsmanagement solch einen Fehler leisten? Nicht nur die Glaubwürdigkeit, auch jegliche Professionalität ist den Verantwortlichen abzusprechen! Hochmut kommt vor dem Fall – yasni kommt vor myON-ID…

Trackbacks & Pingbacks

  1. Bernhard Jodeleit Blog | Personalmeldung via Twitter - mit Folgen sagt:

    […] Parallel regt sich Widerstand bei Facebook: Dort werden Blogkommentare veröffentlicht, die myON-ID auf der eigenen Site nicht freigeschaltet hat. Und beispielsweise Mike Schnoor von Sevenload findet deutliche Worte. […]

  2. […] Hm, eine doch recht irritierende Art mit ehemaligen Mitarbeitern umzugehen, insbesondere für ein Unternehmen, welches sich um Online-Reputation kümmert… via […]

  3. […] myON-ID: Personalmeldung mal ganz anders!: Mal wieder eine Blogprovinzposse der besonderen Art. Da verkündet myONID die Trennung von einem Mitarbeiter kryptisch, öffentlich und schon ist das Kind ins Wasser gefallen. Mike Schnoor hat die Story und seine Meinung hier zusammengefasst. Bei Rivva gibt es weitere Stimmen und Links. Mir ist es so ziemlich egal, was der Gekündigte getan hat, für mich ist relevant, was sein Arbeitergeber getan hat, bei dem ich zahlender Kunde bin… noch. […]

  4. Im Internet ist kein Platz für schlechte Nachrichten | myON-ID Blog sagt:

    […] Einige Beispiele finden sich hier oder hier oder hier. […]

  5. […] Salzig alles schon treffend formuliert – Entspannungsübungen inclusive. Auch Mike Schnoor wundert sich . Ich beschränke mich also aufs Warten. Darauf, dass im myON-ID-Blog wieder Kommentare […]

  6. Parkrocker.com » Artikel » myON-ID trennt sich von Sebastian Küpers sagt:

    […] Eine kleine Linksammlung zum Thema: Failersuche.de iForia.de – Der Blog MikeSchnoor.com Digg.com […]

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