Als ich vor fast vier Jahren bei den letzten Olympischen Spielen noch mitgefiebert hatte, konnte ich immerhin ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl empfinden. Emotionaler Höhenflug mit jeder Medaille. Als Fan der deutschen Olympioniken brachte es Spaß, von Freude und Trauer gleichermaßen beeinflusst zu sein. Dieses Mal will ich mir dieses einzigartige Zugehörigkeitsgefühl nicht gönnen. Gewiss habe ich selbst zu einem Boykott gegen China aufgerufen, der einen gewissen Anklang in der Blogospäre fand. Darin sehe ich wohl auch den Grund an meinem Desinteresse. Bisher habe ich keine einzige offizielle Sendung über die Spiele außer während des Zappens betrachtet. Es reizt mich nicht. Es lockt nicht. Selbst die Sponsoren der Spiele interessieren mich nicht. Die Sportler machen ihr Ding und müssen selbst sehen, ob sie Ruhm und Ehre in Form von Medaillien ergattern können.

Wo findet man sich als Zuschauer wieder? Man sitzt in der Zwickmühle. Einerseits gibt es Vertreter, die gegen die politische Situation des Landes und die Menschenunwürdigkeit ankämpfen, andererseits trägt die Begeisterung der Weltbevölkerung zur sportlichen Selbstbeweihräucherung ihr übriges bei, um die Olympischen Spiele als mediales Großereignis abzufeiern. Da hilft es vielleicht, wenn man den Fernseher auslässt, das Radio nicht anschaltet, die Sportnachrichten im Internet selektiv überspringt und sich lieber auf andere Dinge konzentriert. Oder man sucht nach einer kommunikativen Alternative.

Mit Ausnahme einzelner Beiträge und Meldungen diverser Blogger, habe ich in Deutschland bis auf die offiziellen Berichterstatter und bloggende Autoren der Medienhäuser kein echtes Weblog gefunden, das von den Nutzern oder Zuschauern als zentrales Organ aufrecht erhalten wird. Kennt zufällig jemand ein solches Olympia-Watchblog oder Berichterstattungs-Blog? Und selbst wenn, wäre dies mit einem restriktiven Zensur-Internet wie in China überhaupt realisierbar? Ob MikeSchnoor.com dort nicht vielleicht schon gesperrt ist…

3 Kommentare
  1. Torsten sagte:

    Ich erreiche Deinen Blog hier in Peking ohne Probleme.

    Vielleicht hat Peking Dich übersehen, oder sie haben wichtigere Gegner. :)

  2. Mike Schnoor sagte:

    @Torsten Ich befürchte, dass es wichtigere Gegner gibt als jemanden, der auf einer Sprache schreibt, die im internationalen Ranking nur Platz 11 belegt:

    Die meistgesprochenen Sprachen der Welt:
    1. Hochchinesisch 1000 Millionen Sprecher
    2. Englisch 450 Millionen Sprecher
    3. Hindi fast 400 Millionen Sprecher
    4. Spanisch 370 Millionen Sprecher
    5. Russisch fast 300 Millionen Sprecher
    6. Arabisch mehr als 200 Millionen Sprecher
    7. Bengali fast 200 Millionen Sprecher
    8. Portugiesisch fast 200 Millionen Sprecher
    9. Malaiisch-Indonesisch 150 Millionen Sprecher
    10. Japanisch 130 Millionen Sprecher
    11. Deutsch 120 Millionen Sprecher (D-A-CH)

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