How I met my Twitter: Verdammt, diesen Typen gibt’s ja wirklich?

Blogparaden haben einen hohen Linkfaktor, der irgendwie eine nerdy Eigenschaft der deutschen Blogosphäre ist. Üblicherweise störe ich mich sehr an den teils irreführenden, nichtssagenden Themen, zu denen gebloggt werden soll. Doch die grundsätzliche Idee zu beschreiben, welchen Stellenwert das persönliche Treffen im echten Leben mit sich bringt, hatte eine charmante Unternote. Es beschäftigt und erfreut mich sehr, Menschen hautnah kennen zu lernen und sich mit ihnen direkt auszutauschen, anstatt nur per Twitter, Facebook oder Google+ einige kurze Zeilen zu schreiben. Ich nehme die aktuelle Blogparade von Christine Heller sehr gerne war: How I met my Twitter…

Wenn sich mir unverhofft die Menschen persönlich vorstellen oder ich mich selbst vorstelle, beschleicht mich dabei das Gefühl, dass in ihren Geistern ein prägender Gedanke kursiert: „Verdammt, diesen Typen gibt’s ja wirklich?“ Natürlich bin ich im Netz kein Schatten meiner selbst, denn meine Maxime lebe ich aus: Dieser Mensch ist echt. Quasi zum anfassen.

Christine Heller stellte dazu vor einigen Wochen bei Twitter und in ihrem Blog eine These auf, die wir alle noch bis zum Ende des Jahres ergänzen dürfen: „Trotz der digitalen Vernetzung lege ich Wert auf persönliche Treffen mit Followern, weil…“ – ja, weshalb denn? Meine persönliche Antwort ergänzte sich darauf, vielleicht ein wenig harmonisch idealistisch gedacht, denn das persönliche Treffen hat einen hohen Wert, weil „sich gegenseitig anzulachen viel schöner ist, als sich rein textlich Smileys oder ein LOL an den Kopf zu werfen.“ Realität trifft Digitalität viel zu selten, manchmal viel zu oft. Ich finde das Gespräch und den Austausch außerhalb der virtuellen Sphären viel intensiver und interessanter, als dass man sich nur auf textlicher Ebene unterhält. Daher blicke ich mit Freude auf verschiedene Momente der letzten Wochen, Monate und Jahre zurück, bei denen ich die Menschen persönlich kennenlernen und erleben dufte.

Wehret den Anfängen!

Vor Jahren machten wir den Anfang auf der next10years. Auf eine persönliche Einladung folgend, entwickelten sich interessante Gespräche mit manch bekannten Gesichtern des heutigen Social Web, verschiedenen Agenturhasen, Medienmachern und Bloggern. In der damals noch recht unterentwickelten Social Web Szene war dieses Momentum ein Novum, doch nur wenig später folgten verschiedene Veranstaltungen wie die re:publica, diverse BarCamps, der Twittwoch und ähnliche Networking-Events und allumfassend natürlich auch die dmexco in Köln. Das Leben der digitalen Gesellschaft sprudelt seitdem immer wieder neue Ideen und kreative Impulse. Auch steckt diese neue digitale Bohéme einzelne Rückschläge weg wie nie zu vor – man möge an die scheussliche Dotcomtod-Phase denken. Anstatt wie knallende Sektkorken umher zu hopsen, verhält sich der Großteil der Branche gesittet und anständig, so dass diese Branchentreffen in gesunden Maßen ablaufen.

Knapp ein Jahr später wurde ich neben meinem seit 2003 anhaltenden Bloggen und den verschiedenen Network-Events auf Twitter aufmerksam und legte am 11. März 2007 um 13:08 Uhr meinen Twitteraccount an. Damals noch vom virtuellen Pseudonym „Sichelputzer“ getrieben, nunmehr auf @MikeSchnoor eingenordet, blicke ich mittlerweile auf über 15.500 Tweets aus meinem Leben zurück. Eine Mischung aus professionellen und privaten Interessen, denen man folgen kann, aber nicht folgen muss. Im Alltag komme ich ohne Twitter nicht über die Runden, denn hier werden Informationen ausgetauscht und ich erhalte schnell Hinweise auf Fragen oder finde Informationen, die mir das digitale Leben erleichtern.

Virtueller Austausch wird Realität

Das ganze Treiben wäre nicht möglich ohne genau diejenigen Follower, die mir vertrauen und denen ich wiederum vertraue. Meine Timeline besteht aus den für mich interessanten Persönlichkeiten des Social Web und nicht aus Menschen, denen man empfehlenswerterweise folgen sollte. Doch genau diese Individuen erhellen meinen Alltag auch dann, wenn ich nicht direkt bei Twitter bin. Gerade in den Ballungszentren Köln und Düsseldorf hat sich eine sehr entspannte Nutzerschaft gebildet, die auch regelmäßig ein gemeinsames Treffen, Tweetup, Twittagessen oder sonstigen Event vor Ort zelebrieren kann und möchte: @bindermichi, @boydroid, @buecherkinder, @carmenhi, @dccf, @diemelanie, @dingler_g4, @ennome, @hirnrinde, @hobbbes, @johanneslenz, @karrierebibel, @michaelabrandl, @mika73, @nerotunes, @platypusman, @pr_doktor, @punktefrau, @queenofwhatever, @sinnundverstand, @sixtus, @talkabout, @videopunk, @widget68

Diese kleine Liste stellt zwar nur eine kleine Auswahl von allen, aber im Rückblick auf die letzten Wochen dieses Jahres danke ich euch allen für die inspirierenden und lustigen Momente, die zwar großteils mit euren Kameras, Smartphones und sonstwie als Fotos und Tweets im Netz dokumentiert worden. Unabhängig davon zählen natürlich alle Follower und Twitterer, mit denen ich regelmäßig korrespondiere und ihre Tweets lese, jedoch mit denen ich eher selten und teils noch niemals mich im echten Leben treffen konnte.

Vielen Dank, dass es euch gibt!

Ich möchte und muss mich daher für viele spannende Zeilen in 140 Zeichen und so manchen Moment der digitalen realen Wirklichkeit bei meinen Followern bedanken. Denn selbst ich empfinde ähnlich wie Daniel Rehn und Kerstin Hoffmann, dass ein Mensch, dem man seit langer Zeit folgt und seine geteilten Informationshäppchen aufsaugt, immer vertrauter wird: „Erstmalige Treffen mit Twitterati und Co. sind wie das dritte Date. Man kennt sich, mag sich…“ das darf auch gerne in harmonisch getriebener Echtzeit von Angesicht zu Angesicht stattfinden.

So sehe ich es wie Stefanie Leo, denn manchmal kann ich es gar nicht abwarten, den Twitteratis wirklich zu begegnen, und auch wie Michaela Endemann möchte ich die Mischung aus Twitter, Chats und Treffen als Quelle der Inspiration nicht mehr missen. Die wunderbare Entwicklung bei Twitter zeigt sich ebenfalls im Gedanken von Tom Siegmund, denn hier haben wir alle die Möglichkeit Leute zu treffen, welche wir wohl nie kennen lernen würden, weil wir in meist gänzlich unterschiedlichen Freundes- und Kulturkreisen außerhalb der digitalen Szene verkehren.

Sämtliche Veranstaltungen im realen Leben haben sich für mich wie auch für Wiebke Ladwig vollkommen verändert. Das macht diesen Spaß auch wirklich aus und stimme Michaela Brandl zu, dass kein Nicht-Twitterer je verstehen wird, warum wir alle mit unseren Smartphones herumspielen, uns auch nebenbei Tweets zusenden ohne dabei schräg angeschaut zu werden, obwohl wir am gleichen Tisch sitzen.

Doch vor allem danke ich auch meiner Frau Katharina „@SkyKat“ Schnitzer für ihre Geduld und Akzeptanz meines virtuosen digitalen Faible. Ohne sie wäre ich dann doch nur ein Schatten meiner selbst. Vielen Dank!

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für den Link, Jens. Das passt durchaus gut, denn das Netz ist keine eigene Welt, sondern ein Teil von unserem Leben.

  2. Ui und ich bin auch erwähnt … Dafür gerne einen :-) den ich 2012 auch gerne mal persönlich überbringen möchte.
    Liebe Grüße von der zwischen Köln und Düsseldorf im netten Solingen wohnenden
    Steffi

  3. Pingback: punktefrau » Blog Archive » Twitter ist weit mehr als 140 Zeichen » punktefrau

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