Schreiben für’s Blog: Besteht die Notwendigkeit einer Zielsetzung?

Ein Gedanke, ein Blog, ein wenig Zeit und schon kann man loslegen: Einen Text schreiben, etwas veröffentlichen, ein Meinungsbildner werden und ein Teil der Medienlandschaft sein. Seit 2003 betreibe ich dieses Weblog und gehöre vermutlich zu den Ur-Gesteinen der deutschsprachigen Bloggerszene. Früher lag ich in den Top-100 der deutschen Blogcharts im guten Mittelfeld, doch das Berufsleben und die familiäre Freizeit stellten das private Bloggen schnell in den Schatten. Im Vergleich zu manchen Höchstzeiten, in denen ich bis zu 90 Blogartikel pro Monat veröffentlichte, blieb unter dem Strich viel weniger Zeit zur Verfügung.

Aber Anfang des Jahres setzte ich mir zum Ziel, nach einer längeren Abstinenz wieder häufiger in meinem privaten Blog zu schreiben. Schließlich zählt ein Blog zur virtuellen Visitenkarte und stellt einen nicht unerheblichen Teil der persönlichen Online-Reputation dar. Mindestens einmal in der Woche sollte ein Artikel aus meiner Feder stammen. Für die Inhalte der Artikel setzte ich mir auf meine persönliche Agenda: Keine altbackenen Dinge aufarbeiten oder gar Nachrichten rezitieren, die bereits in anderen Medien im vollen Umfang zur Geltung kamen. Mit diesem Blogartikel möchte ich einige Eindrücke an meine Leser weitergeben und zur Diskussion dieses Themas einladen.

Day 163

Rückblickend möchte ich behaupten, dass ich dieses persönliche Ziel erreicht, wenn nicht gar übertroffen habe. So fand ich genug Zeit, um einige für meinen Geschmack interessante Themen vorzustellen, die vielleicht nicht sofort dem Interesse des digitalen Mainstreams entsprachen. Im Januar schrieb ich verschiedene Artikel über die Entwicklung des Online-Werbemarkts, das angesagte Portal Quora, zu den Herausforderungen des Journalismus am Fallbeispiel Dschungelcamp, den Vorstoß in Richtung Connected TV, über die Ego-Promotion mit Social Networks, das relevante Thema von Konferenz-TV, eine Social Media Kampagne, zu RSS als sterbenden Trend und über die Arbeitslosenquote als Triebfeder für den TV-Markt.

Einerseits veröffentlichte ich relativ wenige Artikel, aber dafür behandelte ich weitaus breit gefächerte Themen, die wiederum ausführlich in den Artikeln behandelt wurden. Andererseits konnte ich viele meiner Erfahrungen und Kenntnisse in die Artikel einfließen lassen. Ich hoffe im Nachhinein, dass diese bunte Mischung meinen Lesern gefällt. Die einzelnen Artikel wurden am Tag der Veröffentlichung bis zu 500 Mal abgerufen, was für dieses etwas einst stille Blog einem recht regen Ansturm entspricht. Deswegen blicke ich erfreut in die Zukunft und hoffe, meinen treuen Lesern auch weiterhin gute Themen und Denkanstöße liefern zu können.

Zurzeit schlummern bereits 15-20 verschiedene Entwürfe im CMS des Blogs, die nur darauf warten, als fertige Artikel veröffentlicht zu werden. Ein Anteil dieser Texte entspricht gewiss meiner subjektiven Meinung, aber dies sollte kein Stein des Anstoßes sein. Immerhin machen subjektive Inhalte den Kern eines privaten Blogs aus, schließlich hatte ich im Gegensatz zu anderen Autoren auch niemals die Fahne hochgehalten, das Blog „MikeSchnoor.com“ wäre ein Mediendienst oder Fachtitel. Der Faktor Zeit spielt für die Veröffentlichungen natürlich auch eine wichtige Rolle, weil ein Artikel üblicherweise nicht binnen weniger Minuten heruntergetippt ist – und nicht zu jeder Zeit genügend Freizeit bereit steht, die für das Schreiben geopfert werden muss. Üblicherweise nutze ich die Abendstunden oder den frühen Morgen zur Vorbereitung. Die Veröffentlichung erfolgt meist vom Vormittag an bis zum Abend, schließlich ist dies nur ein Klick und kaum zeitaufwendig. Zudem brachte die Cross-Promotion über Twitter, Facebook und XING zusätzliche Besucher auf die Artikel, die eher am Tage und nicht in der Nacht die Artikel lesen. Zwar konnte nicht jedes Mal eine Diskussion in den Kommentaren geführt werden, doch immerhin erregten die Blogeinträge ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit.

Gewiss möchte ich in Zukunft nicht erneut auf ein solch hohes Pensum mit 90 Postings pro Monat herankommen. Vielmehr besticht der Wunsch, inhaltlich die Blogosphäre mit Themen zu befüttern, an denen wiederum meine Leser sich erfreuen können. Insgesamt half diese minimale Zielsetzung, aus der Schreibfaulheit im Blog herauszubrechen. Blicken wir über den Tellerrand, frage ich mich natürlich, ob es meinen Lesern manchmal ähnlich geht? Habt Ihr für Euer Blog eine gewisse Zielsetzung vorgeschrieben oder bloggt ihr einfach drauf los?

Fotocredit: Day 163 von Xelcise unter CC-Lizenz

Veröffentlicht von

Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe mir selbst ein Mindestmaß und ein Optimum gesteckt. Mindestmaß ist für mich ein Beitrag in der Woche, was ich nicht immer schaffe. Optimal finde ich einen Artikel am Tag. Das schaffe ich manchmal.

    Was mich interessiert: Von den 15-20 Drafts – welcher Anteil schafft es tatsächlich ins Blog? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass von meinen abgespeicherten Drafts meist über 90 Prozent NIE erscheinen. Ganz einfach weil ich sie für nicht mehr aktuell genug halte. Oder weil ich einfach nicht dazu komme, mir eine abschließende Meinung zu bilden. Dafür bräuchte ich häufig wesentlich mehr Zeit … und wer hat die schon in dem Maß?

    Entweder die Beiträge entstehen in einem Aufguss oder es wird meist nichts daraus.

    Eine andere Sache ist die mit dem Kommentieren auf anderen Blogs. Momantan versuche ich einen halbwegs wertvollen Kommentar am Tag im Netz zu hinterlassen. Wie sieht das bei Dir aus?

  2. @Christian – Ich erwarte, dass von genau diesen 15-20 Entwürfen auch alle in den kommenden Wochen ihr Ziel ins Blog finden. Die Entwürfe sind zum Glück zeitlose Themen, die ich entweder heute oder erst in fünf Wochen publizieren kann. Ein Beispiel dafür ist der Artikel zu Connected TV. Das Thema schwebte mir gewissermaßen wie das Dionysos-Schwert über dem Kopf, doch der richtige Anlass fehlte. So mag es Zufall sein, aber dank der PR-Aktion von SUPER RTL hatte ich zudem einen schönen Grundlagenstoff, um nicht nur über den Sender selbst, sondern über das Thema im Allgemeinen mit aktuellem Beispiel zu schreiben.

    Viele Themen lege ich nicht in Entwürfen ab, sondern jage sie zudem sehr schnell über Twitter in die Öffentlichkeit. Diese Themen bilden eine gute Grundlage für Artikel, aber mir fehlt dann das bekundete Interesse, mehr als nur einen Tweet dazu zu verfassen. Eine erschreckende Entwicklung, aber das passiert halt auch.

    Kommentare finde ich absolut wertvoll. Sofern keine einfachen bzw. sehr kurzen Kommentare gegeben werden, versuche ich – unter Vermeidung üblicher Wiederholungen – direkt darauf zu antworten. An meiner Stelle überlege ich auch oft, einen Kommentar bei anderen Blogs zu schreiben, einen Link per Twitter darauf zu geben oder selbst in einem eigenen Artikel das Thema aufzugreifen – siehe den Bericht von vor einigen Tagen über die Frage von Ed Wohlfahrt nach der Selbstreferenz von Autoren, ihre Beiträge per Cross-Promotion in Twitter und Co. zu pushen. Diese Frage stellte er in seinem Blog, und ich wiederum entdeckte über den Feedreader das Thema.

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