Kleiner PR-Schachzug von ProSieben

Wenige Wochen zuvor war der deutsche Privatsender ProSieben für die Übertragung der „Wok-WM“ in Kritik geraten. Zu viel Werbung, der Zuschauer wird während des sportlichen Großereignisses von allen Seiten beschallt. Laut jüngster Verlautbarung von ProSieben wird die gesamte Übertragung der „TV total Wok-WM 2009“ jetzt als Dauerwerbesendung für den TV-Zuschauer sichtbar gekennzeichnet.

Mit der Abweisung der Klage von ProSieben durch die 27. Kammer des Verwaltungsgerichts Berlin gegen die Beanstandung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg wurde am 11. Dezember 2008 geurteilt, dass die Ausstrahlung der „TV total Wok-WM“ in den vergangenen Jahren irreführende Schleichwerbung des Senders begründet wurde. Entweder man trifft sich weiter vor Gericht, was nicht auszuschließen ist, oder man modifiziert das gesendete TV-Bild mit dem Claim der „Dauerwerbesendung“. Warum also auch nicht? Die Fans von Stefan Raab und auch einige sportbegeisterte Zuschauer werden sicherlich nicht abschalten, nur weil „Dauerwerbesendung“ am Bildschirmrand zu entdecken ist.

Meiner Meinung nach ist die heutige Bekanntgabe ein notwendiger, aber durchaus genialer PR-Schachzug gegenüber jedwedem Kritiker an dem Format. Der Sender will sich dadurch Planungssicherheit verschaffen, wenn die „gefährlichste Dauerwerbesendung der Welt“ am 7. März 2009 aus Winterberg im Hochsauerland zur Primetime übertragen wird. Die wirkliche Gefahr für die deutsche Medienlandschaft sehe ich aber in der Verrohung des Fernsehprogramms. Trotz der Reglementierungen des Rundfunkstaatsvertrags wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis viele andere Sendungen sich als Dauerwerbesendung tarnen und zusätzliche (Schleich-)Werbeerlöse in die Taschen der Sender fließen. Dauerwerbesendung – ein Mittel zum Zweck?

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Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das finde ich mal ein wirklich einen guten Schachzug von ProSieben ,-) Wen Stört’s? Niemanden!

  2. so ist es richtig gemacht von prosieben…. warum einen streit vor gericht nachgehen als einfach ein zeichen zu setzen?

    natürlich ziehen wohl jetzt andere sender nach, aber vielleicht wird das tv-programm dadurch mal wieder besser? ah wohl eher doch nicht….

  3. jetzt hält also die verdeckte Platzierung von Werbung auch Einzug in den Sendeanstalten des Fernsehens ;-)
    Finde ich eine korrekte Entscheidung, denn warum soll es im TV anders behandelt werden also in den Online-Medien!

  4. Irgendwie bin ich verwirrt, müsste das dann nicht bei sämltichen Sportveranstaltungen mit Werbung eingeblendet werden?

  5. An sich ist überhaupt nichts gegen „Dauerwerbesendung“ zu sagen. Schon „Der Preis ist heiß“ war eine „Dauerwerbesendung“ und trotzdem sehr beliebt zu seiner Zeit. Das eigentliche Problem ist, dass ein privater Fernsehsender maximal X Zeit pro Werbung am Tag senden darf und eine „Dauerwerbesendung“ zählt auch als Werbung. Das bedeutet, dass Pro Sieben am Rest des Tages deutlich weniger Werbung als sonst versenden kann. Sicher für den Zuschauer toll, aber jetzt muss die „Wok WM“ noch mehr Einnahmen erzielen um auch die Werbeausfälle abzudecken. Wenn die Sendung das nicht schafft, dann heißt es Tschüss.

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