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Digitalisierung: Die Mehrheit bleibt Nicht-digital

Digitalisierung, Marketing

Die Digitalisierung wird leider noch einige Jahre brauchen, bis sie flächendeckend in Deutschland angekommen ist. Egal, welche beschönigenden Statistiken und Umfragen hochgehalten werden, die breite Masse bleibt Nicht-digital. 

Die Frage nach dem „Warum?“ kann direkt beantwortet werden: Weil digitale Technologie, Infrastruktur und Kommunikation bei vielen Mitmenschen nicht als Teil des Lebensalltags gelten.

Während die Gesellschaft in Großstädten längst mit den Smartphones im Sekundentakt kommuniziert, erlebt die breite Schicht der Bevölkerung noch immer die nahezu vollständige Abschottung von digitalen Angeboten. Obwohl sich die Bürger vielerorts für Verbesserungen ihrer digitalen Infrastruktur stark machen, werden nur selten die Weichen dafür gelegt, damit der Boden aufgebaggert und Funkmasten errichtet werden.

Digitalisierung: Kosten für Umbau bleiben hoch

Die Kosten für die digitale Kommunikationsinfrastruktur bleiben hoch und scheinen sich nicht einem Produktions-Nachfragedruck beugen zu wollen. Gerade in ländlichen Regionen spürt man diese Offline-Mentalität. Spricht man mit einem DSL-Anbieter vor Ort über eine 100Mbit-Leitung, machen die Verkäufer nur große Augen. Ein Preis von rund 35 Euro für Allnet-Flat mit Highspeed-Internet führt zum Herzkasper. Wer nach einem freien WLAN-Hotspot Ausschau hält, wird eher in Berlin fündig als in kleinen Städten, wo die Suche nach dem mobilen Internet einer Sysiphos-Arbeit gleich kommt.

Ja, die Probleme von ländlichen Regionen lassen sich schnell benennen: fehlende Festnetz-Breitbandanschlüsse, langsam bröckelnde Datenverbindungen und ein miserables mobiles Internet – alles gepaart mit Preisstrukturen, die wie von vor einigen Jahren wirken. Da machen Netflix und Amazon Prime Video in den Abendstunden keinen Spaß, das Gaming bleibt auf der Strecke und das Home-Entertainment-Shopping auf dem Tablet fällt schnell schwer, wenn Produktbilder und -videos am tatsächlich nutzbaren Datenvolumen kratzen.

Mit drei oder mehr digitalen Endgeräten gemeinsam in einem WLAN zu surfen, gleicht einer Utopie, die in städtischen Ballungszentren dank Highspeed-Internet doch eigentlich als Realität kaum noch wegzudenken ist. Neuartige Technologie wie das Internet der Dinge werden es dort schwer haben, wo Breitband nur auf Schmalspur läuft. Unternehmen werden erst dann auf sichere Cloudservices zurückgreifen, wenn die Datenleitungen adäquate Verbindungsqualität leisten können. Der Einsatz von digitaler Kommunikation im Kundengeschäft erfolgt maximal per Mail, die ein- oder zweimal pro Tag beantwortet werden. Mit dem Kunden in Echtzeit digital und über soziale Netzwerke zu kommunizieren, bleibt hier eine Vorstellung, die mit extremen Aufwänden verbunden bleibt.

Digitalisierung ist machbar, Herr Nachbar

Lösbar kann die Digitalisierung durchaus sein. Es liegt an der Wirtschaft, gemeinsam mit den politischen Entscheidungsträgern diese Lücken in Infrastruktur, dem Verständnis für digitale Kommunikation und den technlogischen Möglichkeiten zu füllen. Doch bewegen möchte sich bis heute offenbar niemand.

12. Oktober 2015/von Mike Schnoor
Schlagworte: Digital, Digitale Wirtschaft, Digitalisierung, Mobiles Internet, Smartphone
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Mike Schnoor ist Head of Marketing bei kernpunkt und arbeitet seit über 25 Jahren in der Digitalbranche. Dieses Blogarchiv bündelt ältere Beiträge zu Digitalisierung, Marketing, Kommunikation und Digitalwirtschaft. Aktuelle Inhalte erscheinen vor allem auf LinkedIn und im kernpunkt Magazin.

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