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Wir leben alle in den Zeiten des Umbruchs. Auch die PR-Branche leistet sich die eine oder andere Schote, so dass sie manchmal nicht besser positioniert ist, als wenn große Print-Verlagshäuser nach einem Leistungsschutzrecht für deren Online-Inhalte lamentieren. Was mir persönlich immer noch sehr stark in der PR-Branche fehlt, ist der Dienstleistungscharakter auf Basis von Erfolgen. Honorierte Erfolge sind das Schlüsselwort für die kommenden Jahre.

Im Prinzip darf man von einer PR-Agentur, die als Dienstleister fungiert, nahezu alles erwarten. Einsatz, Engagement – natürlich nur, solange auch das Geld stimmt. Der Klassiker ist dafür der Branchenliebling – unser geschätzter Retainer! Möglichst hoch und am liebsten 5.000 Euro oder mehr im Monat für die einfache Pressearbeit. Alles muss sich ja für den hohen Einsatz und die Manpower lohnen, denn schließlich schreibt ein namensloser Praktikant, ein unterbezahlter Junior überprüft und der hochdekorierte Senior kommuniziert im Namen der PR-Agentur für den Kunden. Die Kontakte zu Journalisten mit Schlüsselfunktionen als Kommunikatoren sind dabei sogar noch eingefleischte Vertraute des Chefs – und die werden im Idealfall nicht an den Kunden vermittelt. Ok, das ist ein ganz gruseliges Szenario. Doch es soll das immer noch geben, und ohne Namen zu nennen oder jemanden an den Pranger zu stellen – ich weiß, ihr lest mit. :)

Um diesem kleinen Teufelskreis zu entkommen bedarf es eigentlich nur wenig. Was mir ganz ehrlich bei so vielen PR-Agenturen und PR-Beratern fehlt, ist eine kalkulierbare Erfolgskomponente – quasi als Grundlage für jeden Vertrag zur PR-Arbeit. Gepaart mit einem Splitting für den Retainer, damit von den 5.000 Euro gerne für die PR-Agentur erstmal 1.000 Euro gesichert sind, und die restlichen 4.000 Euro als eben jene kalkuliarbare Erfolgskomponente den Ansporn geben, sich für den Kunden mit Herzblut ins Zeug zu hängen. Klingt für die PR-Agentur oder den PR-Berater zwar hart, ist aber sehr fair für den Kunden. Denn als Kunde, wenn man ein Unternehmen als Pressesprecher oder PR-Abteilung aktiv vertritt, ist man schließlich auch mit sehr viel Herzblut in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv. Zumindest sollte man das erwarten – und das kann man auch. Doch wie zahlt sich die Erfolgskomponente in Hinsicht auf eine „Veröffentlichung“ aus? Gewiss ist das Verhandlungssache, aber wenn man einen durch die PR-Arbeit erzeugten Pressebericht sachlich durchleuchtet, lässt sich ziemlich direkt eine Honorierung ableiten – hier einige Denkansätze:

Der Weg zur Honorierung
Fallbeispiel Artikel: Hier platziert eine PR-Agentur einen inhaltlich guten Artikel. Den vollen Preis einer erfolgsbasierten Honorarausschüttung erzielt die PR-Agentur demnach mit eben jenem Artikel, der zu 100% über ein Unternehmen berichtet oder eine Marke thematisiert. Stellen wir uns eine ganze Seite in einer Fachpublikation, die dem Medium gerecht wird, dazu einfach vor. Was wäre besser, als mit der Faust den Nagel gezielt einzurammen?

Voller Preis für volle Leistung?
Natürlich sind damit nicht obige 4.000 Euro als verbleibende Restsumme vom Retainer sofort fällig, sondern dabei nur ein gewisser Anteil vom Kuchen. Wie hoch dieser wäre, ist reine Erfahrungssache gespickt mit Verhandlungsgeschick. Vielleicht 500 Euro für eine 1/1 Seite bei 100% Berichterstattung als erfolgsabhängiger Bonus? Doch wenn nur knapp 10% des Artikel den eigentlichen Anteil über das Unternehmen ausmachen, sind damit auch die 500 Euro an Prämie fällig? Wohl kaum, aber zumindest einen Anteil davon dürfte die PR-Agentur einstreichen. Von den 500 Euro, weil es sich so schön rechnet, kämen entweder exakte prozentuale Anteile oder eine Staffelung nach Dritteln zu tragen. Dieser Ansatz hört sich recht plausibel an. Aber es geht ja noch weiter, wenn man die Erfolgshonorierung weiter spinnen darf

Namensnennung in Artikeln
Doch gerade bei diesen einfachen Nennungen wird es haarig im Detail. Wann besitzt der Artikel die zahlungsfähige Relevanz? Nur bei einer einfachen Auflistung der Marktunternehmen? Wohl kaum, denn Auflistungen von Unternehmensnamen erfolgen eher durch die objektive Grundeinstellung in der Berichterstattung eines guten Journalisten.

Content-Recycling = Auszahlung?
Stellen wir uns jetzt vor, ein klassischer Printartikel oder eine Fachpublikation wird online abgebildet. Content-Recycling für die so genannte „Generation Kostenlos“ oder als Hinweis auf die abonnierbare bzw. einzukaufende Printpublikation. Muss dafür dann die Erfolgshonorierung ebenfalls 1:1 erfolgen, so dass mit einem Artikel durch die verschiedenen Ebenen Print und Online gleich doppelt abgerechnet werden kann? Igitt, wie beschämend. Dann müsste man sich das eine oder andere Mal gewiss in die Schreibhand beißen, wenn eine von den Dienstleistern, den PR-Agenturen oder PR-Beratern, verschickten Pressemeldungen als originaltreue Kopie in verschiedenen Presseportalen auftaucht. Wäre solch eine Kopie-Honorierung gängig, könnten unglückseelige Missetäter ihr Machwerk damit treiben, die zu kopierende Pressemeldung möglichst breit zu streuen und auf eine maximale Auslastung in allen kostenlosen PR-Portalen hoffen. Pfui wie schändlich, es sollte klar sein, dass cut-copy-paste für Pressetexte nicht honorierbaren Leistungen entsprechen dürfen.

Honorierung für Misserfolge?
Egal was passiert, immer geht etwas schief. In purer Anlehnung an Murphy’s Gesetz muss ich feststellen, dass die PR-Arbeit mit allen Facetten nur voller Fehler strotzt. Für Dienstleister muss ein Sonderkündigungsrecht gelten, denn sobald von Seiten einer PR-Agentur echter Bockmist angestellt wird, durch falsche Aussagen das Geschäftsmodell torpediert wird, der Aktienkurs ins Bodenlose rutscht oder der Geschäftsführer mit einem Herzkasper ins Krankenhaus eingeliefert wird – na, da will man ja auch nicht weiter sich von der PR-Agentur vertreten lassen. Den Dolchstoß sollte man nicht unbedingt provozieren, aber dafür gibt es auch wieder die Anwälte, die das alles gegen gewisse Kostennoten regeln.

Das PR-Maximum
Bei all der erfolgsbasierten Honorierung darf man nicht vergessen, dass auch irgendwann Schluss ist. Wie oben bereits erwähnt, ist der Erfolg am maximalen Retainer zu messen. Für die PR-Agentur wunderbar, für den Kunden auch. Die einen haben einen relativ gesicherten Umsatz, die anderen eine kalkulierbare Kostengrenze. Dennoch darf auch das PR-Maximum für den Retainer mit Erfolgskomponente nicht den sofortigen Stopp jeglicher Kommunikationsarbeit der Dienstleister bedeuten. Wenn der Retainer schon am fünften Tag im Monat ausgereizt ist, sollte der ganze Monat umso schwungvoller und euphorischer mit neuen Leistungen angegangen werden, denn der Kunde ist doch der König – auch in der PR.

Insgesamt suche ich immer noch nach dieser Wunschvorstellung einer erfolgsbasierten Honorierung auf Seiten der PR-Agenturen (und PR-Berater), die sich nicht nur schmackhaft anhört, sondern auch nachhaltig den Kunden als Unternehmen voranbringt – und dem PRler auf Unternehmensseite die Zusammenarbeit mit der Agentur erleichtert. Ist dies realistisch oder vielleicht ein übertriebenes Happy-Wonderland? Vielleicht diskutieren die einen oder anderen PRler hier ja mit. :)

Nachtrag: Thomas vom Textberater.com gab mir mit seiner Replik den Denkanstoß, dass dieser Artikel vor allem die Ausgangssituation betrachtet, in der sich kleine Unternehmen und insbesondere Startups befinden. Dort fehlt oft am Anfang das Geld. Hohe Retainer mit möglicherweise wenig Output in den ersten Monaten sind für zumeist noch unbekannte Startups ein hohes Kostenrisiko. Aber auch das kleine Unternehmen, was sich in die Öffentlichkeit wagt, braucht einen kalkulierbaren Rückhalt, um sich gemeinsam mit einer PR-Agentur oder einem PR-Berater zusammen zu finden und auf Dauer eine nachhaltige Kommunikationsstrategie zu entwickeln.

Auch die im Kommentar genannten Punkte von Bernhard Müller sprechen für sich. Ein Risikozuschlag für die tägliche Arbeit ist für die Dienstleistung selbstverständlich hilfreich, um von Seiten einer Agentur das Kundenverhältnis und seinen Wunsch nach Öffentlichkeit bestmöglich in Szene zu setzen. Am Ende ist die Wahl der PR-Agentur immer schwer – und je intensiver die Beziehung zwischen PR-Agentur bzw. PR-Berater und Unternehmen ist, desto fruchtbarer werden die Ergebnisse sein.

Manche Hunde sind schon treudoofe Tiere, wenn sie mit Herrchen oder Frauchen spazieren gehen. Am gestrigen Nachmittag erblickten wir jedoch ein Schaubild in Flensburg, was Karriere in der BILD Zeitung machen würde:

foto_fraumithundSie lebt unter uns!
Die Hundemörderin aus 101 Dalmatinern

Tanja P. ist keine Tierfreundin. Sie kleidet sich wie im Film mit Hundepelzen! Um die teuren Anschaffungen zu finanzieren, entführt sie fremde Haustiere wie diesen Schäferhund und führt sie zum Kürschner aus…

Da könnte ich doch glatt eine Karriere bei der größten Yellow-Press Zeitung Deutschlands beginnen! Das Honorar für das Bild (Original: 3264×2448 Pixel / 115,15×86,36 cm mit 72dpi in 19.3mm Brennweite) beträgt 2000 Euro zur lizenzfreien Nutzung (Kontaktaufnahme).