Mike Schnoor
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Sagt der GEZ die Meinung!

Medien, Public Relations, Social Media

Die von vielen deutschen Bürgern geschätzte Gebühreneinzugszentrale (GEZ) möchte sich ihren Bürgern öffnen. Im Jahre 2010 nimmt das Ganze endlich Formen an. Die GEZ präsentiert sich bürgernah mit einem eigenen Online-Portal, dass sogar eine eigene Community mit Forum beinhaltet. Der geneigte Gebührenzahler möchte sich gewiss selbst mit eigenen Augen ein Bild davon machen – unter www.gez-meine-meinung.de darf man jetzt seine Meinung äußern.

Mit neuem Logo ein neuer Markenauftritt, der sich schon fast an Social Media annähert – zumindest durch die Kommentare eines Forums und die hauseigenen Blogs ohne direkt ersichtliche Kommentarfunktion von Anja.M, Daniela.K, Conny.A, Sylvia.S und Vera.Z. Wie authentisch und transparent sich die GEZ präsentieren möchte. Keine dieser Personen, ob sie real sind oder doch nur fiktiv, finden sich bei der Suche nach „Gebühreneinzugszentrale“ bei XING. Ich tippe auf Ghostwriter. Insgesamt sind auch sehr wenige Personen aktiv bei XING unter dem Firmennamen angemeldet. Vielleicht auch nur zum Selbstschutz vor dem klassischen Mob der Bevölkerung?

Social Media bedeutet Interaktion, Kollaboration, Kommunikation und alles mögliche, was der Nutzer hoheitlich anstellen kann, um im schlimmsten Fall ein Unternehmen zu kolportieren. Wie würde es also bei der GEZ aussehen, wenn man sich den Nutzern öffnet? Doch halt, nicht alles ist im Sinne des Erfinders, wenn man mit der üblichen Trotzhaltung der Nutzer und mit Forenhaftung konfrontiert wird. Das GEZ-Forum hat Regeln und klare Grenzen, denn:

„Unser Forum wird moderiert und hat „Öffnungszeiten“. Von Montag bis Freitag, zwischen 8 und 22 Uhr, können Sie mit Ihrer Meinung zur Diskussion beitragen und Ihre Einträge online stellen. Am Wochenende, an Feiertagen sowie außerhalb des angegebenen Zeitrahmens ist der Zugriff auf das Forum beschränkt: In diesem Zeitraum können Sie die Forums-Diskussion nachlesen, jedoch keine Beiträge hinzufügen.“

Ja, so eine Einladung wirkt auf die Nutzer wie eine offene Tür, die es einzurennen gilt. Erste Beiträge zur GEZ, die doch etwas übertrieben positiv wirkten, wurden schnell von negativen Beiträgen aus dem Rennen geworfen. Innerhalb weniger Stunden explodierte das Forum förmlich. Viele Nutzer, ob Gebührenzahler hin oder her, hinterließen im Forum ihren Frust. Und scheinbar niemand aus der offiziellen Liga versucht zu antworten oder sich der Kritik offen zu stellen. Zumindest konnte ich keinen Beitrag erkennen, der offen und ehrlich die Kritikfähigkeit der GEZ beweist. Einige Beiträge, die gewisse Regeln der Kommunikation mit Äußerungen unterhalb der Gürtellinie torpedierten, wurden wahrscheinlich entfernt.

Im Licht der PR ist dies ein wundervolles Beispiel des Muskelzuckens. Das rüde Image, was der GEZ von der Bevölkerung zugeschrieben wird, soll wohl mit dem neuen, offenen Community-Gedanken abgeschrieben werden. Doch egal was man macht, egal welche PR-Agentur sich dort die Mühe gibt – wer nicht die Sprache und Denke der Bürger spricht, der wird einfach mit jedem noch so guten Versuch auf Dauer scheitern. Es wird also weiter gehen, denn sie wollten es so: Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Ob es was für die Bürger bringt, ihre Meinung der GEZ mitzuteilen, bleibt wirklich eine offene Frage, die man wohl niemals beantworten kann. Wie titelt Meedia so schön? „Das gebührenfinanzierte PR-Fiasko der GEZ“ spricht schon als Aussage für sich. Die W&V nennt es mutig, aber konsequent, Daniel Grosse empfiehlt das Abschalten des Forums.

3. Februar 2010/von Mike Schnoor
Schlagworte: Gebühreneinzugszentrale, GEZ, Medien, PR, Public Relations, Social Media
https://mikeschnoor.com/upload/2026/06/mikeschnoor-logo-1.webp 0 0 Mike Schnoor https://mikeschnoor.com/upload/2026/06/mikeschnoor-logo-1.webp Mike Schnoor2010-02-03 09:33:472010-02-03 11:53:11Sagt der GEZ die Meinung!
11 Kommentare
  1. burkhard sagte:
    3. Februar 2010 um 09:45

    Image aufpolieren bei der GEZ wird nicht funktionieren, da im Kern immer noch das Produkt gut sein muß! Man kann auch keinen Krieg mit einer Imagekampagne schön reden.

  2. Alfred sagte:
    3. Februar 2010 um 11:11

    Zum Glück gibt es gegen Foren mit Begrenzten Öffnungszeiten so Dinge wie http://www.Frosp.com, die einem erlauben, überall und jederzeit zu kommentieren.

  3. Mike Schnoor sagte:
    3. Februar 2010 um 11:13

    @burkhard – Das wird definitiv schwer werden, da die Schützengräben schon alle voll sind.

    @Alfred – Im Prinzip entmachtet man jeden Webseitenbesitzer mit externen Applikationen oder Overlay-Chats wie Frosp. Fragt sich nur wie lange das gut geht…

  4. Michael Friedrichs sagte:
    3. Februar 2010 um 11:36

    Hi Mike, die Kommentarfunktion in den Blogs ist übrigens nicht deaktiviert. Anja M. hat bereits acht Kommentare. Ein Dialog findet allerdings auch hier nicht statt. Bisher hat sie wie ihre Blog-Kolleginnen auf keinen Kommentar reagiert.

  5. Mike Schnoor sagte:
    3. Februar 2010 um 11:54

    @Michael – Ich habe dies jetzt im Beitrag berücksichtigt. Wer hätte gedacht, dass ich in der Ansicht noch auf den einzelnen Beitrag extra klicken muss, um an Kommentare zu kommen? Der Hinweis „# Kommentare“ wie in typischen Blogs fehlt einfach gänzlich… zumindest bis jetzt.

  6. Jenni sagte:
    12. Februar 2010 um 12:15

    Die „geschätzte GEZ“, das klingt ja schon ein wenig zynisch. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es irgend jemanden in Deutschland gibt, der gerne die Gebühren bezahlt.

  7. Martina S. sagte:
    14. Februar 2010 um 15:01

    Hatte vor kurzem einen Ratgeber in meinen Briefkasten, indem mir erklärt worden ist, warum man die GEZ zahlen muss und was damit so tolles gemacht wird. Habe ihn in den Müll geworfen, da wo die GEZ hingehört.

  8. Artur sagte:
    15. Februar 2010 um 03:02

    Für was haben die denn eine Webseite? „GEZ-Forum – Sagen Sie Ihre Meinung“ Soll ich da wirklich meine Meinung posten und die wird auch garantiert nicht gelöscht?
    Oder kann mir von GEZ jemand erklären warum ich GEZ bezahle, obwohl die scheisse was die zeigen mich gar nicht interessiert? Aber das ist ja ein Zwang den man mitmachen muss.Du hast ein Fernseher, du hättest die Möglichkeit ARD zu schauen.Bitte wie lächerlich ist das?
    Ich frage mich echt für was die eine Webseite ins leben gerufen haben.

  9. helle sagte:
    16. März 2010 um 08:44

    An der Nerverei der GEZ ändert auch eine neue Marketingstrategie nichts.
    Die sind und bleiben einfach penetrant und unverschämt.

Trackbacks & Pingbacks

  1. Nachgefragt: GEZ-Chef Hans Buchholz über die neue Imagekampagne - Mitarbeiter-Blog, Nachgefragt, Kritik, Interview, Hans Buchholz, Imagekampagne - Michael Friedrichs sagt:
    4. Februar 2010 um 14:52 Uhr

    […] Desaster für die Marketing-Strategen – denn der Internetauftritt sorgt vor allem im Web 2.0 für reichlich Hohn, Spott und Gelächter. Besonders deutlich wird die Kritik wie erwartet auch im GEZ-Forum. Mehr als 900 Mitglieder haben […]

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