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Weihnachtszeit – Shoppingzeit! Wir alle werden in wenigen Wochen einem unglaublichen Kaufrausch unterlegen sein. Man kann sich dem nicht verwehren, denn seit Jahren hat die Industrie ihren Druck auf die konsumkräftige Bevölkerung ausgeübt. Nur Sparfüchse überleben den Kampf mit unbeschadetem Portemonaie bzw. unbelasteter Kreditkarte.

Doch der strahlende Ritter mit seiner blendenen Rüstung naht – ok, wie man es auch immer sehen mag, die Geschenkeplattform edelight startet den „Persönlichen Geschenkfinder“:

„Mit über 25.000 Produktvorstellungen und Wünschen aus rund 200 Online-Shops weltweit sind unsere Mitglieder richtige Empfehlungs-Profis: Sie sind Trendscouts, kennen neue Produkte und Online-Shops und wissen, was anderen gefällt“, erzählt Peter Ambrozy, Gründer von edelight. „Mit dem Persönlichen Geschenkfinder wollen wir Hilfestellung geben und Weihnachten den Schrecken nehmen.“

Im Prinzip ist hier ein Community-Effekt genutzt, indem die User ihre Geschenkgesuche an die Community übergeben und darauf hoffen, eine passende Lösung zu bekommen. Ich habe mal einen Versuch unternommen – wer weiß, was zu meinem Anliegen die Community produziert… oder doch lieber Wichteln? :)

Wie Thorsten Lückemeier per E-Mail mitteilte, erneuert die Geschenke Community edelight seine Plattform zu Beginn der Vorweihnachtszeit. Statt klar strukturierter und damit vielleicht auch altbewährter Boxenaufteilung wartet edelight mit der grafischen Integration von Wunschzetteln auf – ein klarer Wiedererkennungswert für Geschenke, Wünsche und vielleicht auch Gelüste, denn man kann sich auch Schokolade wünschen.

Entdecken, Empfehlen, Wünschen – drei Schritte, die jeder Neuling auf der Plattform verstehen muss. Es ist essentiell, dass gerade die neuen Nutzer sich in zwei oder drei Schritten über die Funktion einer Plattform im Klaren sein müssen, wenn der Mehrwert eine reine Dienstleistung am Kunden ist. Amazon, eBay oder wie hier edelight sind Portale, die sich über Produkte dem Massenmarkt und seinen Kunden auf erklärende Weise nähern müssen, sofern die Marke nicht selbst als Synonym für die eigentliche Leistung steht. Ein rein digitales Produkt bzw. Dienstleistung bräuchte nicht immer erklärende Wegweiser.

Im Zuge des optischen und technischen Relaunchs wird es neben rein funktionalen auch inhaltliche Änderungen am Konzept der Plattform geben:

  • Neuer Claim: Aus „einfach schenken“ wird „products you love“.
    Für meinen Geschmack ist der englische Claim zu dem Namen der Plattform ideal, jedoch wird das deutsche Publikum, was als Kernzielgruppe im Vorweihnachtsgeschäft die Dienstleistung nutzen muss, abgeschreckt. Viele Marken distanzieren sich von den einst hippen englischen Titeln und Claims und kehren zur Muttersprache zurück – z.B. hat Douglas sich von „Come In And Find Out“ zu „Macht das Leben schöner“ gewandelt.
  • Neue Bookmarking-Technologie: Bis dato war bookmarken (empfehlen und wünschen) in Shops mit Frames nicht möglich. Mit unserer neuen Browsererweitung für Firefox und Internet Explorer sind wir die Ersten, die diese Barriere deutlich reduzieren können.
    Das verspricht viel, jedoch sind die etablierten Social Bookmarking Dienstleister wie oneview oder Mister Wong auf deutschem Boden bestimmt in der Lage, dafür eine gesunde Partnerschaft einzugehen oder aber ihre Bookmarklets und Extensions/Plugins für die jeweilige Shoppingplattform anzupassen. Ein extra Plugin verlangsamt in jedem Fall den Browser und man müsste schon ein eindeutiger Fan der Plattform sein, um dieses Plugin zu installieren. Poweruser gibt es, aber die Masse zu bewegen erachte ich als schwierig.
  • Qual der Wahl-Umfrage: Nutzer können eigene Umfragen erstellen und sich z.B. bei Kaufentscheidungen oder Schenk-Anlässen unterstützen lassen (als Widget auch für das eigene Blog nutzbar).
    Umfragen sind ein Zeitvertreib für die Nutzer und ein Wiederbringer von denen, die sich für den Ausfall der Ergebnisse interessieren. Eine schöne Unterstützung zur Trafficgenerierung ist das allemal. Zu Widgets siehe wie folgt.
  • Listen veröffentlichen: Einfaches Veröffentlichen Deiner Wunsch- oder Empfehlungslisten mit dem überarbeiteten Widget.
    Hier stellt sich immer wieder die Frage nach dem Sinn und Zweck dieser Veröffentlichung. Wer es mag, wer es braucht – Wunschlisten als Widgets dienen primär der Reichweitensteigerung der Plattform. Das ist gesund, aber die Implementation eines Widgets innerhalb der Sidebar eines Blogs macht nur bedingt Sinn, da es mittlerweile Widget-Anbieter wie Sand am Meer gibt. Nahezu jede Plattform bietet Widgets, und nach drei Widgets ist für viele Webseitenbetreiber auch erstmal Schluss. Die Chance mit einem neuen Widget die begehrten Plätze zu ergattern ist eine Herausforderung.
  • Volle Community-Funktionen: Direkte Kommunikation der Nutzer untereinander ist ab jetzt möglich (Nachrichten schreiben, Freundschaften schließen, etc). Darüber hinaus gibt es verschiedene eigene Statistiken.
    Gängiger Klassiker, ohne den man nicht launchen sollte. Insbesondere Fans des Social Networking als willige Nutzer werden ohne die kommunikativen Elemente sich nicht im Portal aufhalten.
  • Entdecken-Portal: Vielfältige Sortierfunktionen zum Anzeigen von Shops, Kategorien, Nutzern, Listen, Produkten, etc.
    Logisch – ich versuche mit den ersten 10 Klicks, sofern ich die einem Portal überhaupt gestatte, mir einen Überblick zu verschaffen. Dabei steht das Entdecken im Vordergrund. Sortieren und Suchen nach jeglichen Inhalten ist eventuell auch der Garant dafür, dass Powernutzer die Plattform lieben werden.
  • Wunschlisten-Import: Einfacher Import Deiner Amazon-Wunschlisten.
    Gibt es auch einen Export? Wenn es einen Import gibt, muss ein Export her. Nicht um direkt zur Konkurrenz zu wechseln, jedoch um sich ein eigenes Backup zu erstellen oder daraus eine schöne Liste für die Großmutter zu Weihnachten zu zaubern. Letztendlich ist zumindest von meiner Verwandtschaft nur ein geringer Teil im Netz. Die Exportierung sämtlicher Wünsche ist für alle diejenigen, die immer noch nichts mit Web 2.0 anfangen können, irgendwann ein Relevanzkriterium, sobald Weihnachten oder Geburtstage näher rücken.
  • Nutzer-Portal: Übersichtliche Darstellung der Top-Nutzer nach Community-Rang und Verkäufen.
    Das Gesicht ist wichtig. Der typische Endkonsument orientiert sich an den Gesicherten der Menschen, die eine Dienstleistung in Anspruch nehmen. Ein soziales Ranking zur Feststellung der Top-User hilft das eigene Ego zu polieren und den neuen Nutzern einen gewissen Reiz zu geben, sich in die elitäre Reihe einzugliedern. Dennoch ist in einigen Fällen immer zu fragen, ob auch trotz der webzwonulligen Athmosphäre der Nutzer bei einer produktorientierten Plattform wichtiger als das Produkt selbst ist…

Als Fazit möchte ich daher anmerken, dass das neue edelight viel stimmiger für gerade die User erscheint, die sich nicht im Web 2.0 konsequent aufhalten. Sich einzig und allein auf diese segmentierte Web 2.0 Zielgruppe zu konzentrieren würde einem massenmarkttauglichen Anbieter wie edelight auf Dauer auch keinen Erfolg versprechen. Gerade hier ist die Zielgruppe zwar entdeckungsfreudig und interessiert an neuen Diensten, jedoch verhält sich der aktive Nutzen zu dem passiven „Dabeisein“ exorbitant desaströs. Ich merke an meinem eigenen Nutzungsverhalten selbst, dass ich auf vielen der Web 2.0 Plattformen angemeldet bin, jedoch mich auf drei bis fünf verschiedene Communities konzentriere und dort ausschließlich aktiv die Funktionen nutze und die Inhalte mehr schlecht als recht konsumiere.

Außerdem investiere ich keinen Pfennig Cent für die Nutzung der Plattformen. Bis auf XING mit dem seit Jahren bestehenden Premium-Account konnte weder Flickr noch ein anderer Anbieter im Netz mein Geld entlocken.

Es ist daher nicht nur für edelight eine wichtige Frage, sondern jede Plattform muss eine Antwort darauf parat haben: Sind haptische Produkte ausschlaggebend oder die virtuelle Dienstleistung selbst? Den Weg, den edelight einschlägt, sich über die Wünsche der Nutzer, die daraus entstehenden Geschenke und letztendlich über die Dienstleistung am Kunden das Produkt in den Vordergrund zu heben, ist ein idealer Mittelweg um den Nutzer zu erfreuen, ihn zu halten und zu monetarisieren.

Was für den Nutzer zum Start ein kleines Goodie ist, entpuppt sich als „Tag it like…-Aktion“. Im Rahmen der neuen Aktionsreihe werden Nutzer mit hochwertigen Prämien noch stärker für ihre Leistung honoriert – zum Start gibt es ein gesponsertes „I-Songbook“ zu gewinnen.

Das Community-Fieber ist ausgebrochen. Zwei der größten Versandhaus-Handelsketten starten ihre neuen Shopping-Portale mit einer ordentlichen Portion an Einkaufsmöglichkeiten. Einerseits ist dabei das Gemeinschaftsunternehmen „MyBy“ zu nennen, das von KarstadtQuelle (74,9 %) und der Axel Springer AG (25,1 %) entwickelt wurde. Die Kunden können sich an typischen Elektronik-Artikel wie Computern, TV, Hi-Fi, Foto, Handy, Navigation, Entertainment und Haushaltsgeräten satt kaufen, zumal in der Startphase keine Versandkosten anfallen sollen. Die ersten Vermutungen über die Strategie, ein Amazon-Killer zu werden, lesen sich übrigens auch bei Alexander Hüsing. Meiner Meinung nach hat jedoch ein solches Portal weniger Chancen, da die zentralen Mechanismen seit Jahren im Netz Gang und Gäbe sind. Ein bisschen mehr Innovation hätte ich da schon erwartet – Social Networking wird hier nicht mal ausgeschrieben.

'myby - Online Shopping Community' von Sichelputzer

Ganz anders kommt Smatch.com rüber: Die in Kürze startende webzwonullige Betaphase lädt herzlich ein, dass die Kunden Artikel aus den drei Bereichen Mode, Lifestyle und Wohnen von verschiedenen Händlern finden können. Kein reiner Preisvergleich, sondern eine echte Community mit Bewertungen, Kommentaren und Empfehlungsmanagement soll den anderen Nutzern von Smatch den essentiellen Mehrwert bieten, den der affine Internetnutzer von vielen Portalen im Web gewöhnt ist. Der Vernetzunggrad in der Community soll jedoch nicht im Mittelpunkt stehen – bei diesem Shopping-Portal geht es letztendlich auch um die Produkte selbst. Smatch selbst wird von Otto initiiert und ist in der Hinsicht kein echtes Startup, wie es der Anschein vermuten lässt. Wenn die frühe Berichtslage auch einen idealen Rückschluss auf das uns zu erwartende Shopping-Portal geben lässt, könnte dies eher ein MyBy-Killer werden…

'Smatch - Online Shopping Community' von Sichelputzer

Alles in allem gibt es nun so viele verschiedene Player am Markt des – nennen wir es aufpolierten Shoppings, dass man sich als Kunde (die obigen zwei) oder Webseitenbetreiber (Shoppero, Edelight, Dealjäger) gehörig überlegen muss, auf welches System man sich konzentrieren möchte. Partizipation am Shop gefällig? Widgets? Doch nur Kunde sein? Wo hört die Grenze eigentlich auf… denn mittlerweile ist alles so schön schwammig geworden.

Anfang 2006 hat das Team um Peter Ambrozy bei edelight die ersten Marktdaten erhoben, Mitte 2006 wurden die Jobs geschmissen und die eigenen Ersparnisse in die Alpha-Version investiert. Die harte Arbeit hat sich wohl gelohnt, denn nach vielen schlaflosen Nächten, Höhen und Tiefen, und der Unterstützung durch die Blogosphäre geht edelight nun mit geballter Kraft an den Markt: Burda Digital Ventures hat sich mit einer Minderheitsbeteiligung an edelight beteiligt.

Peter Ambrozy schreibt dazu auch folgende Zeilen, die ich hier gerne zitieren möchte:

Uns ist auch wichtig an dieser Stelle durchaus emotional zu sagen, dass es ein gutes Gefühl ist, wenn das unternehmerische Risiko durch ein solches Investment „belohnt“ wird, da man dadurch die Möglichkeit bekommt, an den Ideen weiterzuarbeiten und sogar noch mehr Gas zu geben. Sau gutes Gefühl!

Letztendlich kann ich Peter und sein gesamtes Team zu diesen Neuigkeiten nur beglückwünschen. Gleichzeitig freue ich mich auch darüber, dass die Blogger als Initiatoren und Poweruser für das gesamte Konzept mit den Informationen vorab gefüttert wurden. Besser geht’s nicht! Für die Zukunft stehen so einige Veränderungen an, durch die wohl jedes Unternehmen mit modernen E-Commerce Konzepten in einer Wachstumsphase wie dieser durch muss:

Damit wir uns in der Anfangsphase vertraglich nicht zu stark binden müssen, haben wir Teilbereiche an externe Partner ausgelagert. Diese Bereiche werden wir jetzt reduzieren, damit es in Zukunft keine strategischen Abhängigkeiten mehr gibt. Mit dem Ausbau unseres Teams haben wir in den letzten Wochen bereits die ersten Schritte getätigt. Gleichzeitig gilt es jetzt den Bundesbürgern zu vermitteln, dass Social Shopping nichts Altruistisches oder Karitatives ist und es Spaß macht, sich in unsere Community einzubringen bzw. mitzumachen.

In den nächsten Tagen oder Wochen soll edelight in eine Beta gewandelt werden und damit den ersten Teil der eigentlichen Idee für das Social Shopping Prinzip launchen. Ich bin gespannt auf mehr, auch wenn es bereits einen großen Markt mit vielen anderen Social Shopping Konzepten wie Dealjäger oder Shoppero gibt. Bereits am Donnerstag wurde ich von Peter per E-Mail über die Beteiligung informiert und habe versprochen, das auch zu bloggen – es gibt nichts besseres als exklusive News, die man auch ein wenig zeitgesteuert in sein Blog pumpen kann. Und wer es noch nicht wußte – Burda Digital Ventures hat sich bei meinem Arbeitgeber vor einigen Monaten beteiligt.

Nachtrag: Wie man sehen kann, haben auch Robert, Alexander, Lukasz, Thorsten und Frank bereits dazu berichtet. ;)