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Ehrgefühl, Nationalstolz, Patriotismus, Freude… mit solchen Worten umschreiben wir gern das Erlebnis der Fußball Weltmeisterschaft. In diesem Jahr blicken wir voller Hoffnung nach Südafrika, wo in wenigen Stunden auch unsere Deutsche Nationalelf antreten wird, um bei der FIFA Weltmeisterschaft 2010 mit um den Worldcup-Titel zu spielen. An der heimischen Werbefront überschlagen sich die Medien mit stündlich und minutiöser Berichterstattung rund um dieses globale Großereignis – wie man unschwer bei Google bei der Suche nach „Fußball WM“ in den Nachrichten erkennen kann.

Vom journalistischen Medienrummel abgesehen, entdecken insbesondere die werbetreibenden Unternehmen ihre sportliche Seite und spielen sich die schönsten Bälle gegenseitig zu. Zwar möchte der eine Sportartikelhersteller adidas gänzlich auf TV-Werbung zur WM 2010 verzichten, aber dieses Bekenntnis ist auch in der Omnipräsenz der Marke auf den Spielertrikots zurückzuführen. Andere Markenunternehmen hingegen können nicht genug davon bekommen, ihre werblichen Momentaufnahmen – und damit fast alles und jeden – mit einem Fußball auf der Standarte in den Orlog zu schicken.

Vor allem die Text-Perfektionisten geben sich eine geballte Schlacht der Wörter und versuchen, mit eingängigen Begriffen gleich noch ein wenig SEO über aktuelle Pressemeldungen zur WM 2010 zu erzeugen. Beispiele gefällig? Gerne, im Netz gibt es genügend Material. Darunter sind inhaltlich interessante Themen, aber auch so manche Pressetexte, die einem schon mehr als ein Stirnrunzeln oder Kopfschütteln abfordern. Es folgt die ultimative Top 10 Liste der besten, interessantesten, lustigsten und überflüssigsten Pressemeldungen zur Weltmeisterschaft 2010.

Die Top 10 der auffälligsten Pressemeldungen zur Fußball-WM 2010

  1. Jubeln bis zum letzten Spiel: Ein paar einfache Trinktipps bringen Sie fit und gesund durch die Fußball-WM: Es geht wirklich um Trinkwasser. Aber wenn über den Magen-Darmtrakt und das entsprechende Prinzip der Schweißbildung auf Expertenbasis referiert wird, schaltet sich der Geist durchaus ab.
  2. TV-Empfangswege im WM-Check: Wer jubelt zuerst über Tore?: Prädikat wertvoll, leicht schräges Medienthema und damit auffällig. Inhaltlich schlägt hier die Fachpresse allen anderen PR-Leuten einen Haken. Schließlich weiß jetzt jeder, dass sein digitaler Anschluss das Tor erst zu spät überträgt, während die Nachbarn mit analogem TV-Anschluss schon ein paar Sekunden früher jubeln dürfen. Das macht Freude!
  3. WM-Aktion bei Saturn: Jetzt beim Elektrofachmarkt 100 Euro Fanprämie sichern: In den Zeiten, wo der Geldbeutel kleiner wird und wir den Gürtel schon enger schnallen, suchen andere ihr Heil in dem Konsum. Emotionale Momente für Überzeugungstäter? Gewiefte TV-Zuschauer kennen dieses Späßchen bereits aus der Fernsehwerbung, aber welche Redaktion druckt eigentlich einen rein werblichen Inhalt ab?
  4. Das Erste: Erfolgreicher Auftakt der FIFA WM 2010 im Ersten: Wenn wir feiern, dann aber richtig. Schließlich geht es auch in Zeiten der GEZ-Reform immer um die Quote. Welchem Journalisten ist es dabei nicht schon im Vorfeld klar, dass dieser Freitag schlichtweg DER FUSSI-FREITAG war?
  5. Fußballfieber auf Balkonien: Fanartikel gut sichern: Wenn es mal wieder windig wird, müssen wir unsere Fanartikel am Gebäude gut sichern. Unsere Fahne hängt am Fenster gut eingeklemmt. Aber stürzt was herab, haften Fußballfans für Verletzungen und entstehende Schäden. Sind solche Meldungen bei der Fußball-WM nicht Spaßbremsen?
  6. ZERTIFIKATEWOCHE: Interview mit Bastian Schweinsteiger – Was Fußball und Investments als Disziplin gemein haben: Nur wenige Worte fassen diese Meldung gut zusammen: Wer hätte das gedacht?
  7. Viele Rote Karten für WM-Produkte: 11 Lebensmittel mit Fußball-Werbung im Ampel-Test: Würstchen in Ball-Form, Milchreis mit Deutschland-Flagge, Schokoriegel mit DFB-Prämien: Der Test macht hungrig, aber sättigt in keinem Fall. Bei so viel Kalorien in den ganzen Markenprodukten bleibt einem schon der Schokoriegel im Halse stecken. Der Appell an die Gesundheit. Dann doch lieber das Steak auf den Grill geschmissen.
  8. Bis zu 12,82 Millionen: Starke Quote bei erster RTL-WM-Übertragung: Einer geht noch, einer geht noch rein. Auf den obigen Erfolg der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt setzt der Privatsender natürlich noch einen drauf. Das Spiel von Uruguay gegen Frankreich war zwar alles andere als gut, zumindest kann man damit auch noch ein wenig Programmwerbung bei den WM-Talkern mit Herrn Jauch unterjubeln. Ach, der Jauch ist künftig auch bei der ARD zu sehen.
  9. Bonfire bringt Deutsche Nationalhymne erstmals in die Charts: Oben im Text stand noch etwas zu den Worten Ehrgefühl, Nationalstolz, Patriotismus, Freude – möchte man wirklich die Deutsche Nationalhymne als Rocksong mit mächtigen Gitarrensounds, fetten Bässen und einem vorwärtstreibenden Schlagzeug hören?
  10. Weltmeister Deutschland? Aber bitte doch! Wir brauchen den Titel – 54, 74, 90, 2010 – was will man mehr? Zumindest nicht die Hoffnung schüren, indem die Börsenentwicklung in wichtigen Teilnehmerländern der vergangenen Weltmeisterschaften analysiert wird, um Rückschlüsse auf den Ausgang der WM zu geben?

Mit einer solchen Liste bewegt man sich natürlich immer auf dem Glatteis, vor allem wenn man selbst kräftig in der PR selbst persönlich mitmischt. Man zeigt mit dem Finger auf andere und prangert sie damit indirekt an. Doch diese Top 10 der Pressemitteilungen zur Fußball WM 2010 soll kein öffentlicher Pranger sein, sondern ein nachdenkliches Beispiel. Schließlich verbreiten wir alle unsere Presseinformationen auch ins Social Web. Diese Situation lädt charmant zu einem Diskurs ein – als Dialog auf Augenhöhe für alle, die mitdiskutieren möchten und konstruktive Kritik üben wollen.

Diese Botschaft möchte ich auch mit diesem Text erreichen. Mir widerstrebt es zwar, mich so intensiv und ausgiebig das sportliche Großereignis der Fußball Weltmeisterschaft 2010 für die Profilierung des eigenen PR-Egos auszuschlachten. Denn wer sich nur einmal einen klaren Kopf in diesen heißen Tagen machen kann, kommt zu einer logischen Schlussfolgerung zwischen dem Wahnsinn der WM 2010 und dem Ansporn der Öffentlichkeitsarbeit. Auch Twitter muss manches Mal für die PR herhalten…

Ganz gleich welche noch so unglaubliche Pressemitteilung jemand in diesen Tagen verbreiten möchte – sie wird sang- und klanglos in der Reizüberflutung der Medienwelt untergehen. Ganz nebenbei werden zahlreiche Journalisten, und da muss ich auf meinen gesunden Menschenverstand vertrauen, so wenig wie möglich versuchen, die Werbebotschaften der WM-geilen Unternehmen aufzusaugen. Stattdessen bauen sich sogar einige Medienvertreter einen Filter, der schlichtweg alles, was auf „Fußball“ oder die Weltmeisterschaft nur hört, in die Ablage P und damit ins Nirvana schickt.

Liebe PR-Kollegen, bitte vertraut auf euch selbst und versucht nicht alles zu biegen oder zu brechen. Bekennt euch zu anderen Themen, nutzt die Chance für relevante Inhalte und platziert sie in den Medien. Und falls der Chef oder Kunde von dem „Nein“ zur WM überzeugt werden müssen, nutzt einfach euren gesunden Menschenverstand aus und besteht darauf, authentische und glaubwürdige PR zu machen. Zwar befreit diese nicht von der Pflicht einer Meldung, aber manche Dinge müssen einfach nicht sein. Schließlich sind wir die Experten, also vertraut bitte uns und unseren Erfahrungen und Beurteilungen.