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Derzeit zelebrieren wir die nötige Distanz und damit einhergehende Entspannung von der Medienwelt. Urlaub kann etwas schönes sein. Doch dem Wochenende zum Trotz steht eine anstrengende Partie für die nächsten zwei Tage ein. Sachen organisieren in der lieben Welt der mentalen Hemisphäre des Offlinelebens. Ohne Internet, ohne Computer, ohne Twitter, ohne Skype, ohne Jabber, ohne Mails, ohne Handy… ohne alles.

Doch eine Sache macht einen schon nachdenklich: Man wird zu einem echten Familienmenschen, wenn man die Stadt nach Babyklamotten und Utensilien durchforstet. Was es nicht alles gibt, wovon man auch träumen mag, die Hersteller jeglicher Babywaren haben es erkannt und perfektioniert. Der Konsumkraft sei kein Einhalt bis auf eine monetäre Grenze gesetzt… wie schön es doch ist!

Mal nachgedacht. Mal sinniert. Mal kritisch beliebäugelt. Das Bloggen ist eine Frage der Identität. Viele Menschen assoziieren darunter die Freaks und mitteilungsbedürftigen Individualisten, doch genau versteht die Blogger wohl niemand. Für mich ist es ein Schmelztiegel sämtlicher kulturellen Einflüsse der modernen medial geprägten Menschen, die gepaart mit dem Hang zur Schreiblust ein Phänomen beschreibt.

Den Weg finden
Schön war es, als man noch die Zeit hatte. Vor einigen Jahren konnte man viele Artikel zu unterschiedlichsten Themen schreiben, weil man zumindest in meinem Fall pro Artikel gut und gerne seine halbe bis dreiviertel Stunde freie Zeit hatte. Das gönnte man sich und es resultierte in wenigen längeren oder mehreren kurzen Artikeln. Der Schnitt war gut, das Ergebnis meist positiv überraschend.

Doch mit der Zeit, und vor allem durch das letzte Jahr, hat sich das persönliche Konsumverhalten in Punkto Weblogs radikal geändert. Vorbei ist es mit 500 Blogs im Feedreader, die alle brav gelesen werden. Woher sollte ich auch nur im Berufsleben engagierter Mensch die Zeit haben, jeden Artikel mit der nötigen Aufmerksamkeit zu verfolgen? Suchsysteme wie Technorati, Google und Konsorten erleichtern natürlich relevante Bezüge zu einzelnen Inhalten herzustellen, doch der Kern vieler Blogeinträge bleibt verborgen, weil eine Überschrift einfach uninteressant ist und nicht zum lesen einlädt. Sicher – das Problem habe ich bestimmt auch.

Doch wenn man von morgens bis abends nur mit dem Ackern beschäftigt ist, steht nach der Arbeit die Freizeit an – und seit mehreren Wochen findet dies ohne das konsumfreudige, kommunikationslastige Internet statt. Bereits 2001 habe ich die Reissleine gezogen und den ISDN Anschluss gekündigt. Im Moment kann ich es mir sogar vorstellen, den DSL-Zugang zu kappen. Das ganze Wirrwarr rund um die populistisch polarisierend populäre Blogosphäre empfinde leider auch ich störend, wenn meine heilige Freizeit darunter leiden muss. Seit 10 Tagen habe ich keine RSS Feeds gelesen. Es hat mich nicht gejuckt. Die zwei Stunden, die man mindestens mit dieser Aufgabe verbringt, kann ich nicht mehr opfern.

Verzeihung, falls jemand meine Kommentare auf anderen Weblogs vermisst hat oder den einen Unique Visitor weniger in seiner Statistik findet. Doch einzig und alleine konsumiere ich Rivva oder die großen Nachrichtenportale nebst den entsprechenden Alerts oder Watchmonitoringsystemen. Geht es nur mir so?

Prioritätenlastigkeit
Für mich sind Dinge wichtig wie Familie, Freunde, Bekannte. Viel wichtiger ist, dass ich Vater werde – was soll bloß passieren, wenn ich nur vor dem viereckigen Kasten auf dem Schreibtisch hocke und mich nicht gefälligst um meine Tochter kümmere? Bloggen ist schön, man schreibt, man ist kreativ, man denkt, man teilt mit und hofft auf Bedürfnisbefriedigung nebst der Schaffung einer potentiellen Diskussionsgrundlage. Darauf verzichten kann man nicht so einfach, aber man muss diese Blogthematik einfach einschränken… deshalb möchte ich nicht lästern, sondern Dinge verbessern. Es geht hier um Kultur, die als starker Einfluss auf die Medienwelt zu werten ist. Blogkultur – wie ich es nenne – zeugt von der Kreativität und der Individualität der einzelnen Autoren. Verbannen sollte man es nicht, wenn man schreibt dient dies zur Beflügelung des Geistes. Nur die Prioritäten muss man demnach anpassen, wie man sich in der heutigen Zeit selbst sieht.

Fazit
Ich sehe mich nicht als Blogger, sondern als Autor und Mensch, der ein Weblog als Werkzeug nutzt. Wer dies nicht erkennen mag, sollte jetzt aufhören auch nur irgend ein Weblog zu lesen.

Nachdem ich den ersten Schlück meines Caramel Macchiatto genossen habe, lief es ganz schnell die Kehle herunter – das Zeug macht süchtig. Zur Zeit belichte ich meinen Geist in der Marketingvorlesung, die relativ unterbesetzt ist. Ein Grund liegt wohl an dem kommenden Weihnachtsfest, bei dem von jedem Studenten ja schon viel Zeit abverlangt wird. Die einen Heimscheisser fahren nach Hause, die anderen bleiben hier, und wieder andere machen nichts anderes als Home-Hopping.

Warum habe ich es eigentlich verpasst, das Fußballspiel jetzt um 11 Uhr anzuschauen? Bei Sven startet ja der Biertrunk dafür, aber irgendwie hatte mich meine innere Unruhe nicht zufrieden gelassen, da ja eine kleine „Anwesenheitspflicht“ bei der Vorlesung herrscht.

Ich hole mir wohl gleich noch einen White Chocolate Mocca aus unserer neuen kleinen Cafétería im Uni Hauptgebäude – nur 20 Sekunden von mir entfernt.

Currently playing: Prof. Dr. Jens H. Fischer – Marketing Chapter 7
Current mood: Alles klar