Mike Schnoor
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Blogger im ZDF

Blogkultur, Medien

Vor wenigen Minuten entdeckt: Sascha Lobo ist im nachtstudio auf dem ZDF. Das Thema lautet „Bullshit und Wahrheit – Willkommen in der PR-Gesellschaft“ und läuft jetzt im Fernsehen… hier in meinen Worten und mit meinen re-zitierten Thesen.

Während wir diese Sendung sehen, kann ich Sascha nur beipflichten. Was für schwachsinnige Ideen es überhaupt gibt, dass das Internet ein „PR-freier Raum“ ist. With all due respect – was sind denn bitte Corporate Weblogs, wenn nicht ein publizistisches Mittel um insbesondere die PR eines Unternehmens nach vorne zu bringen oder zu unterstützen?

Wie kommt überhaupt dieser (namentlich nicht zuordnebare) Schnauzbart namens „Koks” in der Diskussionsrunde dazu zu behaupten, dass Blogger anonymisiert handeln? Ich bin ich, schreibe unter meinem Namen und bin kein verflixter Spitzname.

Und nicht zu vergessen ist, dass einige Blogger gegen bare Münze ihr Schreibgut unter die Welt streuen. Niemand sei dabei auf die Füße zu treten, jedoch sehe ich die Spannung nicht zwischen Monetarisierung der Blog-Inhalte vs. traditionelle Medien, sondern eher in der Zuwiderhaltung und Verschlossenheit gegenüber dem Medium Internet.

Verbrecherische Ziele durchsetzen? Terrorismus und Mord an der Geisel sind dem Internet zuzuschieben? Hossa… das ist Bildungs-TV ala carté!

Halbwegs ordentliche Grimm- und Shakespearkonzepte sind Zeugnisse von Kompetenz als Kritiker? Geeze, der Kocks ist wirklich ein Thema für sich.

These: Vanity Fair ist ein PR Blatt mit schönen Bildern und Geschichten. Nifty. Frau Merkel als Covergirl. Sascha dazu mal eiskalt gekontert: Wer nimmt das denn ernst, dass Frau Merkel und Covergirl Glamour in einem Satz vorkommen! Es gibt dafür bei Blogs eine ganze Palette, die nebenbei auch nicht anonymisiert, sondern durch Impressumspflichten offen gelegt sind, die Opfer von der PR-Industrie werden. Nunja, es geht so oder so – aber einzelne Leute lassen sich halt durch verführerische, teilweise intransparente Angebote seitens der PR-Aktivisten locken.

Randnotiz: Festzuhalten bleibt hierbei, dass Sascha als einziger Teilnehmer der Diskussionsrunde den Durchblick zu haben scheint, was Internet, Neue Medien und Weblogs hat. Die anderen sind scheinbar durch die Mechanismen der puren Tradition geprägt, die sie in ihrem bisherigen Leben explizit angewandt oder kennengelernt hatten. Weblogs sind böse, das Internet ist böse, alles ist böse, nur das was ich kann ist toll. Na Wunderbärchen, der Knut ist auch mal dabei und ebenfalls böse, weil das als PR für den Berliner Zoo zu werten ist.

Kernaussage von Sascha: Wenn ich lese „Siemensvorstand verhaftet“, dann kann keine PR-Agentur etwas dagegen unternehmen.

Kocks raunt irgendetwas dazu, dass Blogger ja nicht so zu werten seien, dass sie mit Profis konkurrieren können… ein großes Wischiwaschi, dass natürlich an der Stelle zu erwarten ist. Transparenz sei hier nicht da, aber Frau Kraus hält dagegen, dass der Kocks ja nicht zugibt, wen er persönlich berät – wo sei dort die Transparenz? Was für eine Gaudi im ZDF geboten wird.

Randnotiz: Ich freue mich irgendwie schon auf den Moment, wenn Herr Kocks seine hier von mir betitelten „Ego-Clippings“ (oder mal den Google Rank) über sich selbst analysiert.

Fazit: Ich bin wirklich enttäuscht von der Starrköpfigkeit, die in dieser Diskussionsrunde an den Tag gelegt wurde. Vorurteile, indiskrete Beleidigungen und unsinniges Auffahren/Abfeuern von Geschützen auf die Blogosphäre bzw. das Internet im Allgemeinen – das alles hilft doch nicht wirklich, wenn man sich nicht im geringsten mit der Materie auseinander setzt. Der hierbei verwirklichte Nebeneffekt, dass das Wort „Kocks“ schon durch obiges Live-Bloggen in Mitleidenschaft geraten ist als Synonym für den PR-Widerstand gegen die Blogger, hätte doch von vorn herein klar sein sollen. Aus gewissen Gründen habe ich aber auf die volle Namensnennung verzichtet… wer clever genug ist, kann auf eigene Suchkompetenzen im Internet zurückgreifen. Für die Ewigkeit!

16. April 2007/von Mike Schnoor
Schlagworte: Fernsehen, Medien, nachtstudio, Public Relations, Riesenmaschine, Sascha Lobo, TV, ZDF
https://mikeschnoor.com/upload/2026/06/mikeschnoor-logo-1.webp 0 0 Mike Schnoor https://mikeschnoor.com/upload/2026/06/mikeschnoor-logo-1.webp Mike Schnoor2007-04-16 00:40:042013-11-20 07:56:54Blogger im ZDF
16 Kommentare
  1. Jens sagte:
    16. April 2007 um 01:02

    Den Herrn Koks finde ich auch merkwürdig.

  2. Farlion sagte:
    16. April 2007 um 01:06

    Sascha wieder mit seinem typisch mürrisch-skeptischen Gesichtsausdruck. :)

  3. Farlion sagte:
    16. April 2007 um 01:23

    Autsch, da hat Sascha dem Koks gerade erklärt, er möchte doch seine Sinne in Bezug auf die Realität mal feinjustieren. Das saß. :)

  4. Jens sagte:
    16. April 2007 um 01:25

    Hehe, der Herr K. ist wirklich faszinierend.

  5. Mike Schnoor sagte:
    16. April 2007 um 01:27

    Wie übel muss es eigentlich für einen PR-Berater sein, dass man heutzutage keine (deutschen) Weblogs kennt bzw. sich mit dem Thema nicht direkt auseinander setzt? Ich monitore konsequent – was ja nichts falsches ist, sondern einfach zum guten Ton gehört…

  6. Kat sagte:
    16. April 2007 um 01:31

    Mal ganz ehrlich: die Qualität der Sendung war unterstes Niveau – und dafür soll man dann noch Gebühren zahlen?! Der Konsenz aus dieser Diskussion lief doch darin hinaus, dass PR.Berater/ Agenturen recht haben und Blogger nur als minderwertig angesehen werden können. Die Macht der User wird leider immer noch unterschätzt :(

  7. Kathrin sagte:
    16. April 2007 um 01:35

    Schön auch das Thema von wegen „Wie wahr sind die Sachen, die in Weblogs verbreitet werden?“. Was die Herrschaften (abgesehen von Herrn Lobo) wohl nicht auf dem Schirm haben ist die Tatsache, dass es nach wie vor einen mündigen „Endverbraucher“ gibt, der frei entscheiden kann, was er liest. Bzw WEN er liest.
    Fand ich auch schön, die Sache mit der Anonymität. Der Großteil der deutschen Blogger hält sich an die Regeln und hat ein Impressum. Damit wird der Blogger an sich ja direkt mal transparenter als der Zeitschriftenredakteur, von dem ich im Normalfall gar nichts weiß und über den ich auch nichts erfahren kann…

  8. Mike Schnoor sagte:
    16. April 2007 um 01:39

    Ich möchte niemanden schwarzmalen, aber ein Namenskürzel ala „ms“ hilft doch nicht dem Leser, dass ich es bin, der die Worte verfasst und die Themen behandelt. Da bin ich hier ohne jeden Zweifel eine transparente Figur der Medienlandschaft.

  9. Farlion sagte:
    16. April 2007 um 01:54

    Ich wage hier mal die Behauptung, dass ein Blogger mit einem gut gepflegten Blog auf eine größere Zahl an Informationsquellen zugreift, als der durchschnittliche Journalist oder PR-Mann.
    Ich selbst habe Feeds von etwas über 25 Online-Tageszeitungen und Magazinen plus ca. 140 Blogs abonniert und bevor ich einen Artikel über aktuelles Geschehen schreibe, verschaffe ich mir zumindest bei den relevanten Quelleneinen Überblick darüber ob und wenn ja was dort geschrieben wurde.
    Und ich bin noch nicht mal Journalist…

    Den Kocks sehe ich als „Medienfossil“, für den ein Schuss auch mal deutlich nach hinten losgehen kann, wenn er nicht anfängt, Blogs und deren Umfeld ernster zu nehmen. Gerade als PR-Mann kann sowas böse ins Auge gehen.

  10. Kathrin sagte:
    16. April 2007 um 02:06

    Als zumindest grundlegend gelernte Journalistin kann ich schon zustimmen: Im Normalfall wird heutzutage wohl ein guter Prozentsatz an Blogeinträgen besser recherchiert als Artikel in Zeitungen und Magazinen. Grund: Mangelnde Kompetenzen bei den „alten Medien“, standartisierte Arbeitsweisen, Zeitmangel. Effektiv sitzt vermutlich ein Blogger mit halbwegs Ahnung von einem bestimmten Fachgebiet gleichlang an der Recherche wie irgendein beliebiger Schreiber bei einer Zeitung, nur kommt dabei ein anderes Ergebnis raus… Das ist traurig, aber meistens nunmal wahr. Wenn man dann mal wirklich gar keine Zeit hat, gibts eben Agenturmeldungen.

  11. Mike Schnoor sagte:
    16. April 2007 um 02:27

    Es gab auf der re:publica einige interessante Ansichtsweisen, in wie weit Weblogs den traditionellen Medien, ihren Machern und den angeschlossenen Mechanismen eine Konkurrenz bieten. Vorerst wurde der Ball flach gehalten und es beschönigt, jedoch wird sich so einiges in dem Umfeld tun – beispielsweise sind „Vorabinformationen“ für Blog Autoren ja nur eine mögliche Konsequenz, die (von meines Erachtens nach) selten durch ein klassisches PR Unternehmen eingeschlagen wird – Reichweite hin oder her… machbar ist vieles, es kommt auf den Rahmen an. Und dieser wird dehnbar sein.

  12. Boris sagte:
    16. April 2007 um 08:13

    Es kommt selten vor, dass ich mal ein „Nachtstudio“ vorzeitig abschalte, aber gestern war da doch von Seiten der sogenannten PR-Profis derartige Inkompetenz und Ignoranz am Tage, dass es nicht mehr auf meine Kuhhaut ging. Warum bitte soll ich mir einen arrogant dreingrinsenden Herrn Kocks anhören, der nichts weiter tut als einschlägig bekannte ideologische Phrasen zu dreschen?

    Ich habe mich an einigen Stellen gefragt, ob der insgeheim in irgendwessen Auftrag dort saß, um für die „rechte“ Missstimmung gegen die Bloggerszene zu sorgen – und gegen jede Bestrebung zu agieren, dass andere Gesellschaftsteile als Journalisten, PR-Menschen und Politiker öffentlich Meinungen äußern dürfen.

    Andererseits hat er in jeder Weise sehr schön mein Vorurteil bestätigt, demgemäß PR-Berater als Berufsstand ziemlich nahe bei Wohnungsmaklern, Anwälten und Gebrauchtwagenverkäufern angesiedelt sind…

  13. fennek sagte:
    16. April 2007 um 11:46

    warum hat eigtlich noch keiner die „mangelnde Eindringtiefe“ die Dr Cox dem Herrn Lobo vorwarf, erwähnt? dabei fand ich das sooo schön zotig :)

    @boris („Es kommt selten vor, dass ich mal ein “Nachtstudio” vorzeitig abschalte“):
    es kommt selten vor, dass ich das Nachtstudio überhaupt wahrnehme. gestern jedoch fand ich es sehr interessant und bin bis zum Ende dran geblieben :)

  14. marcel weiss sagte:
    16. April 2007 um 12:42

    „Ich wage hier mal die Behauptung, dass ein Blogger mit einem gut gepflegten Blog auf eine größere Zahl an Informationsquellen zugreift, als der durchschnittliche Journalist oder PR-Mann.“

    Wenn man so die journalistischen Fehlleistungen sieht, die regelmäßig bei Niggemeier und Knüwer aufgedeckt werden, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das bei einem Großteil der Journalisten zutrifft. Das ist wirklich unterirdig und erschreckend was man da sieht.

Trackbacks & Pingbacks

  1. roxomatic sagt:
    16. April 2007 um 20:31 Uhr

    Klaus Kocks und die dummen Weblogs…

    Mike Schnoor war so freundlich und hat sich eine ZDF-Sendung über Weblogs angeschaut. ZDF? Diesen Sender schaut man eigentlich entweder ab 65, zum Einschlafen oder um sich bei Aktenzeichen XY an diesen wohligen Schauer aus der Kindheit zu erinnern. …..

  2. Pottblog sagt:
    16. April 2007 um 01:18 Uhr

    Bettina Gaus, Sascha Lobo & Co. im ZDF (aktualisiert)…

    Gerade läuft im ZDF die Sendung Nachtstudio mit dem Thema Willkommen in der PR-Gesellschaft (aufmerksam darauf geworden bin ich durch diesen Kommentar in der Blogbar).
    Zu Gast sind u.a. Bettina Gaus von der taz und Sascha Lobo von der Riesenmaschi…

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