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Neben aller Digitalität, die uns im Alltag zwischen Apps, Clients, Downloads und sonstigen Aspekten unserer modernen Internet-Gesellschaft beschäftigt, besitzen gedruckte Werke für viele Menschen immer noch einen unnachgiebigen Anreiz. Freimutig darf ich voller Stolz behaupten: Ja, auch ich lese gerne Gedrucktes. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher. Daher erlaube ich mir trotz meiner sehr offensichtlichen Affinität zu digitalen Themen hier einen kleinen persönlichen Einblick in eine Faszination Papier – ja, eine Faszination non-digital zu geben. Zugleich bitte ich die freudigen Leser, sich den Text zu Herzen zu führen und in sich zu kehren. Für diesen Artikel rufe ich zu einer kleinen Blogparade auf und würde mich freuen, weitere interessante Beiträge über Zeitungen, Zeitschriften und Bücher lesen zu dürfen.
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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Fotos schaffen Anreize, selbst wenn das Foto nicht immer zum Inhalt eines Textes passt. Konsequent und durchgängig nutzen Journalisten ihr eigenes, bereitgestelltes oder recherchiertes Bildmaterial, um manch lange Texte mit einem attraktiven Blickfang auszustatten. Wer kennt sie bitte nicht, die Symbolfotos? Sie pflastern unseren medialen Alltag und sind kaum wegzudenken. Heute prangert(e) auf der Startseite von 1LIVE ein Aufmacher mit dem Titel „Rivalen unter sich“ mit einem Untertitel, der auf das aktuelle Geschehen beim Fußball deutet. Was zeigt jedoch das verwendete Bildmaterial? Ganz klar eine der bekanntesten Filmszenen aus „Star Wars – Episode V: The Empire Strikes Back„.
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Das Handelsblatt hat sich erneut eine optische Erfrischung genehmigt. Seit kurzem steht das neue Layout, das noch ein wenig breiter wirkt als bisher. Diesen Vorteil verdanken wir Nutzer unseren Flatscreens mit ultra-modernen 16:9- oder 16:10-Auflösungen. Doch auch wird mit dem Relaunch inhaltlich deutlich mehr geboten.
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Es fiel ein Sack Reis um. Nicht in China, sondern diesmal in Deutschland. Wahrscheinlich von der Laderampe irgendeines El-Kawehs, dessen Frachtpakete nicht mehr nach Ägypten transportiert werden dürfen. So regen sich unzählige Menschen darüber auf, dass einige wenige Menschen sich eine kleine goldene Nase verdienen wollen: Einen handfesten Skandal wollte netbooknews.de-Blogger Sascha Pallenberg aufklären. Dem Autoren wurden vertrauliche Informationen zugespielt, dass rund 100 Blogs für einen Artikel mit Link auf ein bestimmtes Online-Angebot ganze fünfzig bis siebzig Euro pro Kopf verdient haben sollten.
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In diesen Tagen werden sich so manche Menschen auf der Südhalbkugel fragen, ob sie nicht einfach doch laut brüllen sollten: „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ Schon wäre die Tortur vorbei. Keine ekeligen Tiere und Insekten im Mund, kein Schleim und oder Känguruh-Eier zum Frühstück. Wenn aber die Gage aller Wahrscheinlichkeit nach erfolgsbasiert bezahlt wird, bleibt der Protagonist ein wenig länger dabei und freut sich, nicht zu den Leidtragenden zu zählen, die als auserwählte Prüflingen sich zur Volksbelustigung begeben müssen. Immerhin müssen andere Prominente sich nicht auf dieser Bühne zur Schau stellen.

Dieser im Volksmund als „Dschungelcamp“ bezeichnete TV-Event hat sich in den letzten Jahren zu einem der Erfolgsformate von RTL entwickelt. Scheinbar redet jeder darüber und schaut sich gerne an, wenn sich am Anfang des Jahres eine Schar von auserwählten Z-Promis mit Palmenwedeln in der Öffentlichkeit zeigen. Ihr persönlicher Seelenstriptease ist einfach zu perfekt inszeniert, als dass sich das Massenpublikum abwenden kann. Schadenfreude schadet bekanntlich dem TV-Zuschauer nie.

Aufgrund der Zeitverschiebung von Australien zu Deutschland läuft das Dschungelcamp bei uns erst ab 22.15 Uhr im deutschen Fernsehen. Wer zu der Zeit lieber schläft oder ein gutes Buch liest, also den irren Quatsch in der Flimmerkiste verpasst hat, muss sich in unserer Gesellschaft am Tage darauf für ein Gespräch mit den Arbeitskollegen oder so manchen Bekannten wappnen. Wie kann man das besser erledigen als durch die Berichterstattung in digitalen und gedruckten Medien? Dort steht doch immer das drin, was man wissen möchte. Der Spiegel zeigt das Spiegelbild der Gesellschaft, die Bild bildet die Gesellschaft, die Welt zeigt das Weltgeschehen und der Express ist einfach nur schnell. Entgegen der Erwartungshaltung in den Köpfen vieler Leser, dass eine Nachricht direkt aus erster Quelle in die Medien gelangt, bescheinigt die Realität jedoch etwas anderes. Die meisten Redaktionen nutzen für viele Berichte ihre eigenen Informationskanäle, um die Medien mit aktuellen Nachrichten zu befüllen. Schließlich wird vor Ort in Downunder wohl kaum einer der hauseigenen Redakteure sitzen, um exklusive Berichte mit direkten Insiderinformationen für das Blatt zu entwickeln. Neben den wenigen eigenen Geschichten liefern letztendlich Nachrichtenagenturen, Pressestellen, Insider und Branchenkenner den Journalisten die eigentlichen Informationen. Selbstverständlich kommt dabei eine Pressemeldung zu einem zeitlich und räumlich so weit entfernten TV-Event wie das Dschungelcamp mehr recht als schlecht.

Screenshot von RTL.de zur Themenseite vom Dschungelcamp

Bereits am Wochenende fiel mir ein kritischer Artikel von Stefan Niggemeier auf, der sich mit einem kurzen, aber damit provokanten Artikel an diesem mittlerweile typischen Verhalten von Redaktionen auseinander setzt. Gewiss ist die Kritik berechtigt, zumal die Pressemeldung von RTL neben einem redaktionellen Artikel der Welt wie eine 1:1-Kopie wirkt. Ein journalistischer Klon und ein voller Erfolg für die PR, und damit ein gutes Ergebnis für die PR-Abteilung von RTL. Dem Leser seines Blogartikels wird dabei jedoch nur der plakative Aspekt des leicht umgeschriebenen Kopierens vorgezeigt, während die Hintergründe für eine solche PR-Berichterstattung im Verborgenen bleiben. Zugegeben, man muss nicht alles erläutern, daher versuche ich mich einfach jetzt daran. :)

Warum kopieren Redaktionen teilweise direkt Pressemitteilungen?
Die Medienwelt hat durch die Digitalisierung eine starke Veränderung sämtlicher Bedingungen im Journalismus erlebt. Vor zehn Jahren war es kein Thema, beispielsweise für einige Stunden zur Recherche als Lokalredakteur am Ort des Geschehens sein. Oder man sprach direkt mit den Unternehmen, um an Daten, Fakten und Zahlen zu gelangen. Heute muss respektiert werden, dass die Redaktionen jetzt unter einem enormen Zeitdruck und Konkurrenzdruck leiden. Der fragliche Artikel wurde wohl weniger aus journalistischen Gründen zur Meinungsbildung, sondern eher aufgrund der thematischen Relevanz im Zielpublikum eingefordert. Natürlich nimmt ein Journalist in diesem Fall dankbar einen PR-Text auf, wenn solche detaillierten Schilderungen des mitunter ekeligen Geschehens mundgerecht aufbereitet sind. Damit wird leicht erreicht, dass sich der Käufer des Printerzeugnisses über solche Themen zur Informationsabdeckung schnell erquicken kann. Andererseits bleibt am Ende des Tages wesentlich mehr Arbeitszeit übrig, die für relevante und investigative Geschichten genutzt werden kann. So hat der Leser noch mehr Vorteile beim Kauf eines solchen Printtitels respektive beim Lesekonsum des jeweiligen Online-Mediums.

Zur Meinungsbildung zählt damit auch die ansatzweise Erklärung der Herausforderungen von Journalisten, die sich in einer schnellebigen Nachrichtenwelt gegen eine gewaltige Informationsflut behaupten müssen. Im Grunde genommen ist der kritische Bericht von Stefan Niggemeier sehr wertvoll für die Medienlandschaft, unterschlägt jedoch die womöglich wahren Hintergründe. Man sollte sich daran erinnern, dass Journalismus in der westlichen Welt von Anzeigen bei möglichst hohen Auflagen und Abverkäufen lebt. Je unattraktiver eine Publikation, desto eher besteht die Chance des Zeitungssterbens. Dies führt wiederum zu Entlassungen in den Redaktionen und angeschlossenen Abteilungen bis hin zur Einstellung des Printtitels. Darunter leidet zudem die unabhängige Berichterstattung und Medienvielfalt. Aber diese Brücke vom PR-Text in einem redaktionellen Medium zu schlagen wäre vielleicht genauso plakativ überzogen, wie die Kritik an dem Vorgehen insgesamt.

Und wenn wir bei plakativen Darstellungen sind: Falls zudem wirklich jemand daran glaubt, dass die Journalisten überhaupt Lust oder gar entsprechend Zeit hätten, sich diese Prüfungen im Fernsehen selbst anzusehen, sollte seinen eigenen Medienkonsum hinterfragen. Im Prinzip sollte sich auch jeder fragen, ob alles in dem Dschungel wirklich der Wahrheit entspricht, aber der Zuschauer liebt solche Sendungen und schaltet ein. „That’s entertainment, baby!“ :)

Gut zwei Wochen ist es her, seitdem die Welt Kompakt einem Relaunch unterzogen wurde. Nicht nur der klassische Print-Titel konnte sich der inhaltlichen Erweiterung und Umgestaltung der Themenschwerpunkte freuen, vor allem profitierte die deutsche Verlagsbranche von diesem kühnen Stunt des Axel Springer Verlags. Wer hätte es bis vor kurzem überhaupt für möglich empfunden, dass eine gedruckte Zeitung die Freigeister der Netzkultur und Protagonisten der Social Media, der Digitalen Clique so begeistern konnte?

Das schaffte die Zeitung, indem sie sich so intensiv wie im Print nur möglich mit dem Internet und Social Media auseinander setzt. Dabei wird nicht nur ein eigenes Ressort zu dem Thema auf einer Doppelseite ablichtet. Vielmehr findet eine Vollintegration von einer jederzeit bei Facebook und Twitter ansprechbaren Redaktion auf die Beine statt. Dieser Mut, etwas Neues zu probieren und sich trotz einiger Kritiker durchzusetzen, verdient Respekt und Anerkennung.

Auf einmal standen Promoter an den Ecken, die die Welt Kompakt verteilten. Im Flieger nach Berlin wurde sie mir bereitwillig ausgehändigt. Unzählige Plakate mit verschiedenen Motiven zum Nachdenken finden sich als Teil dieser breit angelegten Kampagne auch in Köln und vielen anderen Städten wieder. Auch der Besitzer vom kleinen Tabakladen in Ehrenfeld schwärmt von der Welt Kompakt und händigt sie mir schon fröhlich jeden Tag aus – und weist mich darauf hin, dass die doch am Vormittag gerne schnell vergriffen ist. Wieso zum Teufel hat man seit zwei Wochen nur die Welt Kompakt im Kopf?!

Vielleicht deswegen, weil es ein einzigartiger und neuer Ansatz ist, um der Medienwelt in Deutschland mehr Leben einzuhauchen. Viele deutsche Verleger lamentieren seit einiger Zeit öffentlichkeitswirksam über die düstere Zukunft ihres Metiers. Sie haben oft die zukünftigen Trends verschlafen oder erst viel zu spät reagiert. Man denke nur an das Abwandern der Anzeigenkunden mit ganzen Etats nur in den Online-Werbemarkt, oder das Versagen vom Print im aussichtslosen Kampf gegen den Tod der regionalen und lokalen Kleinanzeigenmärkte. Und die Verleger verlangen jetzt mit endlosen Plädoyers nach der Einführung von Leistungsschutzrechten für ihre journalistischen Erzeugnisse. Im Internet muss guter Journalismus mit fundierten Recherchen, tiefgründigen Inhalten und objektiv qualitativen Aussagen geschützt werden. Keine Frage, dahinter stehe ich immer mit einem Bein. Doch mit dem anderen Bein stehe ich weit weg auf der anderen Seite. Denn wer seinen durchaus für den Nutzer kostenfreien Online-Content, der sich ja bereits seit Jahrzehnten mit Werbung refinanziert, am liebsten über Paid-Content als Geschäftsmodell zur Monetarisierung des journalistischen Produkts refinanzieren möchte, und dann auch noch an staatliche Unterstützung denkt, der hat nicht verstanden, dass der Nutzer längst die Macht in den Händen hält.

Wir definieren durch unser Interesse und unsere Nachfrage genau die Inhalte, die wir von den einstigen Gatekeepern in journalistischer Aufbereitung zu lesen bekommen. Und die Meinung bilden mittlerweile einzelne Leuchttürme im Netz, die eigenständige Individuen und keine ganzen Redaktionen sind. Wir bilden doch unsere Meinung jeden Tag, ein redaktionell geführtes Medium versucht sich so nah an der idealen Meinungsbildung für die Masse heranzuwagen, wie nur möglich ist. Der einzelne Leser hat keinen direkten Einfluss auf das Produkt, was ihn am nächsten Morgen erwartet. Leserbriefe gab es ja schon immer, doch wie ist die nächste Stufe? Der Leserreporter oder der Bürgerjournalist? Ohne zu viel Kompetenz aufzugeben, muss ein Verlag umdenken und neue Strukturen zur Kommunikation auf Augenhöhe mit seinen Lesern etablieren. Was liegt also näher, als den Nutzer, den Leser, den Hörer, den Zuschauer, den Prosumenten als Individualisten in das klassische Produkt zu integrieren?

Ein logischer Schluss, der meiner Meinung nach bei der Welt Kompakt sehr erfolgreich umgesetzt wurde. Was habe ich mich gefreut wie ein Schneekönig, als ich einmal mit meinem Kommentar über Twitter und ein weiteres Mal über Facebook den Weg in die gedruckte Welt Kompakt fand? Mein Bedürfnis der Anerkennung als Leser wurde endlich von einer Redaktion befriedigt, indem ich nicht nur als fremde Meinung eines Leserbriefs dargestellt wurde, sondern als integrierter Bestandteil auf zumindest der thematischen Doppelseite zu Internet und Social Media meinen Namen fand.

Auch ist das Engagement vieler Redakteure und Journalisten der Welt Kompakt bei Twitter sehr reizvoll. Nicht jeder von ihnen nutzt Microblogging regelmäßig, doch man findet Kontakt und Dialog mit ihnen. Etwas, was nicht nur den PRler in mir freut, sondern mich einfach begeistert. Viele andere Journalisten in Deutschland, wenn wir mal die urtypischen Köpfe der Bloggerszene und diejenigen aus dem Bauch von Social Media heraus ignorieren, verstehen noch nicht einmal, dass der Dialog mit den Lesern auch außerhalb des eigenen Blattes stattfinden kann. Wow, was also will man mehr?

Eigentlich alles. Da reicht die Welt Kompakt einem den kleinen Finger, und man möchte gleich den ganzen Arm vor Begeisterung abreißen. Ja, am liebsten würde ich selbst einen meiner Artikel, sofern sie auch einen thematischen Bezug zum Blatt oder inhaltlichen Nutzwert für den typischen Leser bieten, in der Welt Kompakt wiederfinden. Nicht als einfache Kopie meines gebloggten Wortes, sondern als legitimierter Gastautor vielleicht. Oder als lokaler Berichterstatter für den neuen Lokalteil über Köln agieren. Im Prinzip möchte man als Leser doch das realisieren, wodurch einen die digitalen Bürgerzeitungen im Netz bereits im Ansatz befähigte, nur in Form einer übersprungenen Barriere zwischen digitaler Kluft und gedrucktem Wort. Traumvorstellung? Wenn die Welt Kompakt, zumindest wie Thomas Knüwer es schrieb, auch Blogartikel abdruckt (hoffentlich nur nach Nachfrage und lizenzrechtlicher Genehmigung), wäre das doch mal ein interessanter Aspekt.

Fast zwei Wochen brauchte ich, um mir meine Gedanken zu dem Neustart der Welt Kompakt zusammen zu reimen. Nebenbei vergaß ich auch das Bloggen, denn ich las sehr gerne die gedruckten Artikel, was auch meine private Freizeit limitierte. Das Thema wurde bereits sehr oft auf Twitter, in zahlreichen Blogs und in diversen Fachmagazinen der Medienbranche breit getreten. Bringt es also heute noch, eine Blattkritik zu dem Thema zu veröffentlichen? Ohne das Kauderwelsch von vielen Kollegen zu wiederholen: Ja, man kann es sich erlauben, dazu etwas zu schreiben. Ich bin stolz auf das Produkt, was ich jeden Morgen in Händen halten darf. Als reger Leser, der selbst seine Wurzeln in der Zeitungslandschaft sieht, habe ich seit dem Relaunch der Welt Kompakt wieder unglaublichen Gefallen an der Tagespresse gefunden, nachdem ich für fast fünf Jahre keinen Pfennig, ja keinen Cent, für die morgendliche Zeitungslektüre ausgab. Hut ab für das Wagnis, dem totgesagten Print neues Leben einzuhauchen und so intensiv die digitalen Kommunikationsmittel von Twitter, Facebook, Blogs und den Zeitgeist von Social Media in eine gedruckte Publikation zu integrieren. Das darf ich begeistert behaupten – und nein, von der Redaktion wurde ich nicht für diesen Artikel geschmiert. :)

Wenn ich solche Videos sehe, in denen Frau von der Leyen und manch andere Lokalpolitiker auf die Pressefreiheit „verzichten“, hört bei mir das Verständnis für solche Gebahren auf. Lest bitte eurer Grundgesetz, in dem die Pressefreiheit in Deutschland fest verankert ist. Aber egal, wenn’s einem nicht passt, braucht man sich nicht darum scheren, nicht wahr?

Daher danke ich dem Team von Spiegel TV für diesen kostbaren Beitrag. Nun kann ich die Sendung am Sonntag um 22.25 Uhr bei RTL kaum noch erwarten.

Wenn die Kollegen von Spiegel Online die mittlerweile über 570 Retweets bei Rivva noch in euer neues Content-Management-System als Hinweis oder in Form eines Rankings integriert, wärt ihr wirklich einzigartig mit eurem Relaunch, der ja bereits in den einschlägigen Medien kritisiert und hochgelobt wurde. Das gäbe diesem Video und natürlich jedem anderen Artikel noch eine sehr prägende Würze.

Steckt der Journalismus, ja vielmehr der Qualitätsjournalismus in Deutschland, in einer Krise? Nahezu regelmäßig liest man in einschlägigen Publikationen über dieses Thema. Was sich in unseren Landen für den Leser, den Rezipienten und Konsumenten dieser Publikationen, langsam aber sicher zu einem Trauerspiel entwickelt, scheint unaufhaltsam zu sein. Diverse Verlagstitel können sich nicht mehr mit ihren Publikationen rühmen, im Visier stehen digitale Medien und natürlich Social Media.

Wie Ulrike Langer bereits treffend in ihrer Analyse formuliert hat, müssen sich Verlage auf ihre Kernkompetenzen zurückbesinnen: Lokales, Analysen und Berichte. Vor allem steht hier die Nachhaltigkeit der Publikation im Vordergrund. Die Bindung der Leser an die Nachrichten und Informationen, die aus der eigenen Feder mit qualitativer Tinte publiziert werden, ist in der Zeit des Zeitungssterbens die einzige Chance des Überlebens. Austauschbare und überall wiederzufindene Nachrichten sind in der digitalen Informationswelt kaum den Aufwand wert. Qualitätsjournalismus sollte keinesfalls durch den Angriff auf die „Kostenloskultur“ im Internet sein Feuer entfachen, sondern durch die Prinzipien des Journalismus gewahrt und gesichert werden. Premiumangebote sind dabei gewiss hilfreich, eine Leistungsschutzabgabe und Zugriffsverhinderung auf das journalistische Angebot jedoch würde die eigenen Werbeeinnahmen auf den Online-Angeboten der Verlage schmälern. Da kommt der Gedanke nahe, dass man den neuen digitalen Erzfeind des Printmarktes am liebsten zur Zwangsabgabe verpflichten möchte. Ich respektiere den Verleger, Herrn Dr. Hubert Burda, für seine unermütliche Leistung in der deutschen und internationalen Verlagslandschaft. Doch eine Aussage wie diese ist im digitalen Zeitalter sehr tiefgreifend:

„Wer die Leistung anderer kommerziell nutzt, muss dafür bezahlen. Dieses ökonomische Grundprinzip muss auch im digitalen Zeitalter mit seiner ‚Link-Ökonomie‘ gelten.“

Nehmen wir den Casus Knacktus der Konstellation „Verlagshaus vs. Suchmaschine“ auseinander. Was täte ein Verleger, wenn auf den Seiten der jeweiligen Online-Angebote der referentielle Hinweis für die Suchmaschine hinterlegt ist, genau diese Inhalte nicht zu indizieren? Die Suchmaschine würde diesen technischen Wunsch, dieses bindende Verlangen eines Rechteinhabers, sofort respektieren und automatisiert die Publikation des Verlages aus dem Index entfernen. Über Nacht würde ein Verlag sämtliche Titel zumindest geschützt vor der „Kostenloskultur“ der Suchmaschinen publizieren können. Doch genau in diesem Fall wäre ein Genickbruch des jeweiligen Online-Angebots unausweichlich. Werbeeinnahmen gehen gegen Null, da die Besucher über die Suchmaschinen kurzerhand auf andere Publikationen zugreifen werden, sollten die Inhalte eines Verlagshauses aus dem Suchindex verschwinden. Anstatt also auf ein Leistungsschutzrecht für den Qualitätsjournalismus zu setzen, spricht also schon jetzt etwas an eine Beteiligung der Suchmaschinen an den jeweiligen Werbeeinnahmen, die von den Besuchern, die über die Suchmaschine auf die Online-Publikation kommen, generiert werden. Hier tut sich ein Teufelskreis für die Verleger auf. Verpflichten wir Suchmaschinen wie Google mit der nötigen Portion an Lobbyismus in Deutschland zu überforderten Zwangsabgaben, oder honoriert man vielmehr den Suchgiganten an den Werbeeinnahmen, die durch den Besucherstrom von Suchmaschine zur Online-Publikation generiert werden?

Update: Heise brachte eine entsprechende Meldung und auch andere Autoren haben mittlerweile das Thema aufgegriffen. Es liest sich einiges beim Fischmarkt, davidp, imm, kaliban, Wortvogel, Reizzentrum, Compyblog und bei Felix. Da sind wir doch mal auf den morgigen Mittwoch gespannt, was das Netz so flüstern wird…

Eines der wichtigsten Herzstücke der Pressearbeit ist und bleibt der Verteiler. Die Wichtigkeit der individuellen Erstellung und regelmäßige Pflege von Verteilern müssen PRler sich immer wieder vor Augen führen. Meist fällt diese Aufgabe unter den Tisch, auch ich stelle nach einigen Wochen immer wieder fest, dass die Verteilerpflege nicht außer Acht gelassen werden darf. Im Prinzip ist dies ein Kardinalfehler, bei dem sich jeder am eigenen Ohr ziehen darf. Doch am Ohr ziehen ist nur eine Möglichkeit, sich selbst rechtschaffend mit dem Thema auseinander zu setzen. Pressearbeit wird immer moderner, wir müssen uns auch mit einem Verteiler beschäftigen, der mehr als nur gut ist. Er muss Journalisten und Bloggern gerecht werden. Doch kann man beide Arten strikt trennen oder müssen die Informationen für beide Arten der Veröffentlichung gemischt werden?

Mit einem guten Verteiler erreicht die Pressearbeit seine Ziele. Alle und wirklich alle Medien sind hier vollständig aufgelistet, die für die eigenen Themen der Pressearbeit in Frage kommen. Neben den zentralen Kontaktdaten sind auch Informationen über Erscheinungsweise und Reichweite essentiell. Die vollständigen Kontaktdaten der einzelnen Redakteure und Journalisten runden den Verteiler über alle Mediengattungen wie TV, Print, Online, Radio und mittlerweile Social Media ab. Social Media is the key – so sagt man zumindest. Wäre die Welt doch so einfach, sich nach den Wünschen der einzelnen Menschen zu offenbaren, dann hätten wir ein wunderschönes Szenario für Public Relations gefunden. Jeder potentielle Kontakt zu Journalisten, Kommunikatoren und Medien würde sich bereitwillig dazu erklären, Presseinformationen regelmäßig wohl dosiert per E-Mail zu empfangen. Doch wir sind hier ja nicht bei „Wünsch Dir was“, denn die Realität sieht anders aus: objektiv nachforschen, freundlich nachfragen, bewusst nachbohren, sinnvoll nachrecherchieren bis ein Verteiler up-to-date ist. Diese Arbeit fällt leicht, aber sie raubt die Zeit. Und vor allem im Umfeld von Social Media ist hier kein traditionelles Vorgehen gefragt.

Wie können Redaktionen die Public Relations Manager dieser Welt erleichtern? Einige sehr online-affine Redaktionen nutzen zentrale Sammeladressen und Verteilersysteme, um alle Redakteure mit Presseinformationen zu versorgen. Vor allem setzen kleine bis mittelgroße Online-Angebote auf diese Option. Natürlich fällt bei zentralen Sammeladressen viel unter den Tisch, doch erleichtert diese interne Struktur der Redaktionen wiederum die regelmäßige Recherche. Wenn einige Kontakte mit direkten E-Mail-Adressen die Position oder den Arbeitgeber wechseln, kommt oft eine ewige Abwesenheitsnotiz, ein Bounce oder der Hinweis, dass man die redaktionelle Arbeit auf andere Bereiche verlagert hat. Manchmal wird man noch nicht einmal benachrichtigt und stellt bei der regelmäßigen Pflege des Verteilers überraschend fest, dass der Kontakt seit einiger Zeit im Nirvana verschwunden war. Im schlimmsten Fall möchten Kontakte die Presseinformationen überhaupt nicht haben, weil schon genügend Informationen über bezahlte Verteilersysteme wie ots/newsaktuell oder press1 das Postfach zum Überlaufen bringen. Agenturen wie dpa oder Reuters jagen in Deutschland unzählige Meldungen über ihre Redaktionsterminals, internationale Kommunikations- und Presseagenturen versorgen weltweit die Journalisten mit inhaltlich interessanten, aber oftmals schlecht übersetzten Texten. Von den kostenlosen Diensten eine Pressemitteilung zu veröffentlichen mal abgesehen, birgt vor allem Online-PR im Umfeld von Social Media viele Chancen und Potentiale, aber auch unglaublich viele Risiken.

Wie war das nochmal mit den Bloggern? Wie kann man nur im Umfeld der Social Media insbesondere den individuellen Anforderungen eines Bloggers gerecht werden? Vor einiger Zeit schrieb ich in 2007 hierzu einen längeren Artikel, der im Netz positiven Anklang erhielt. In der Praxis erübrigte sich jedoch mittlerweile die Ansprache von Bloggern. Sind wir doch einmal ehrlich zueinander: Blogger sind keine Redakteure, sie sind einfach anders. Das ist auch gut so. Ich selbst spüre es am eigenen Leib. Ganz persönlich reagiere ich kaum auf fremde Presseinformationen, die mir für mein Blog zur Veröffentlichung zugespielt werden. Ich schaue mich gegebenenfalls interessiert auf den jeweiligen Angeboten um, habe aber kaum Zeit einen Artikel zu schreiben – selbst wenn ich es wollte. Vielleicht liegt es auch an den Themen, mit denen man als Blogger versorgt wird. In der Regel sind diese den Themen der klassischen PR gleichzusetzen. Viele Pressemeldungen behandeln darüber hinaus die Dinge, die nicht zu meinen persönlich präferierten Themenfeldern passen. Social Media, Web 2.0, Public Relations, Medien, Marketing und die Blogkultur sind für mich relevant. Andere Blogger sind vielleicht die Crème de la crème der Deutschen Blogcharts oder Lesercharts, doch selten sind sie für PR-Themen offen – außer es handelt sich um Journalisten und Fachleute, die das jeweilige Blog betreiben. Und ich spreche aus Erfahrung: Einen Blogger zielgerecht mit Informationen zu versorgen ähnelt mittlerweile der Sysiphos-Arbeit.

Die Branche meint immer öfters zu vermelden, dass unzählige Blogger auf heiße Informationen und Neuigkeiten wissbegierig warten. Welche Blogger sind denn so heiß auf Presseinfos? Im Grunde genommen sind es doch gar nicht so viele. Meist handelt es sich um virale Aktionen, die bei Bloggern Anklang finden. Über diese Themen wird berichtet. Oder über schmuddellige Affären und Schlammschlachten, die auf Kosten von anderen ausgetragen werden. Selbst ich gestehe, dass ich daran desöfteren Interesse habe. Das ist auch gut so, doch einen positiven Effekt der PR-Arbeit mit Bloggern lässt sich kaum messen. Wenn man die Blogosphäre analysiert, stellt man dies ernüchternd fest. Außerdem kommunizieren viele Blogger nicht eindeutig, ob Sie Presseinformationen überhaupt per E-Mail erhalten möchten oder nicht. Die Kontaktaufnahme über Verteilerlisten wird dann durch fehlende E-Mail-Adressen erschwert. Im Idealfall landet man mit seinen Pressetexten auf einer Blacklist oder wird generell bei Webmail-Providern ohne das eigene Zutun in einen Junk- oder Unbekannt-Ordner verschoben. In dem Fall liebe ich Verteiler ganz außerordentlich und komme mir manches Mal vor wie ein Spammer. Im Grunde genommen ist es nur eine Gradwanderung zwischen Spamming und dem Versand von Presseinformationen. Man schreibt eine Vielzahl von Kontakten an und hofft auf Veröffentlichung. Blogger sind darüber hinaus wesentlich reizempfindlicher als Journalisten.

Festzuhalten bleibt, dass selbst der aktuellste Verteiler primär dazu dienen wird, die Kontakte zu Journalisten zu erfassen und zu pflegen. Hiermit kann man seit Jahren punkten. Blogger sind dabei nicht gut aufgehoben. Blogger über persönliche Anschreiben oder über Verteiler sind kaum zu erreichen. Nun frage ich mich natürlich, ob ich der einzige im Bunde bin, der die Welt der PR im Umfeld von Social Media so sieht… was meinen denn die lieben Leser hierzu? Ist das ein wenig „Wunsch-PR“, wie ich im Titel schrieb? Oder kann man doch den Grad zwischen Public Relations und Social Media Relations wandern, und alle Seiten gleichermaßen mit Presseinformationen zu bedienen? Ein Tipp am Rande noch: Old-School ist wieder in. Ich werde eine ganze Masse an potentiellen Kontakten persönlich per Mail und/oder Telefon anfragen. Dieser Aufwand gleicht einer Sysiphos-Arbeit, die einen qualitativen Super-Verteiler im Ergebnis tragen wird. :)

Zeitmangel, Geldmangel, vielleicht die Finanzkrise… Ach, hören wir doch auf damit, alles mit der Finanzkrise zu begründen. Wir wissen alle, dass der Journalismus unter Druck steht. Wenn Leute wie ich im Internet ein eigenes Online-Magazin mit einem Weblog erstellen können, kommen die großen und kleinen Anbieter oft in die Bedrullie. Fachinformationen frei im Internet ohne Bindung an die Leserzielgruppen. Blogs im Aufschwung – mag man ja dann oft rufen.

Doch es erschreckt mich sehr, dass ich als aufmerksamer Leser von diversen (Online-)Publikationen gravierende Fehler in den Texten erkennen muss. Im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen greife ich gerne zum Telefonhörer und lasse mich zum entsprechenden Redakteur durchstellen. Nach einem Hinweis auf den Fehler wird oftmals in kurzer Zeit korrigiert.

In der letzten Woche konnte ich einen ganzen Artikel aus der Mediathek einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt nur durch einen Anruf entfernen lassen, der inhaltlich völlig falsch war. Online ist der Artikel selbst in einer Abwandlung nicht mehr zu sehen. Heute rief ich bei einem Online-Magazin für elektronische Kommerzialisierung an und berichtete über eine Fehlinterpretation eines Comscore-Rankings. Die Fehlinterpretation wurde daraufhin verschlechtert, in dem der falsche Teil belassen und der richtige Satz gekürzt wurde. Ich verliere ein wenig das Grundvertrauen in den Journalismus.