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Fernsehen sei ein Ankerpunkt unserer Gesellschaft. Doch durch digitale Services und Kommunikationsangebote verliert der gemeinsame Flimmerabend immer mehr an Bedeutung. Über das Koblenzer Startup „Viewple“ sollen sich die Zuschauer mit anderen Nutzern über das TV-Geschehen in Echtzeit oder zeitversetzt beim Konsum von Video on Demand austauschen. Beginnt jetzt endlich doch die Ära von Social TV und wie können die generierten Daten verwendet werden?

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Wilfried Urner, Vorsitzender der Geschäftsführung der HD PLUS GmbH. Quele: HD PLUS

Im zweiten Quartal 2014 konnte HD+ weitere Kunden gewinnen. Insgesamt 1.543.404 Kunden haben sich für den TV-Empfang mit HD+ entschieden. Im Vorjahresvergleich entspricht dies einem Zuwachs um 350.520 Kunden (29 Prozent), im Vergleich zum ersten Quartal 2014 beziehen weitere 47.089 Kunden HD+.

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Ein Teil der Deutschen fieberte wochenlang um die wohl unwichtigste Entscheidung in der Modewelt hin. Deutschland wählt ein neues Topmodel. Aber von der Missy-Wahl kann keine Rede sein, denn das TV-Publikum stimmt auch nicht wirklich darüber ab, wer das deutsche Schönheitsideal auf den Laufstegen, in diversen Umkleidekabinen und an den Innenwänden mancher Bauwagen repräsentieren darf.
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In diesen Tagen werden sich so manche Menschen auf der Südhalbkugel fragen, ob sie nicht einfach doch laut brüllen sollten: „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ Schon wäre die Tortur vorbei. Keine ekeligen Tiere und Insekten im Mund, kein Schleim und oder Känguruh-Eier zum Frühstück. Wenn aber die Gage aller Wahrscheinlichkeit nach erfolgsbasiert bezahlt wird, bleibt der Protagonist ein wenig länger dabei und freut sich, nicht zu den Leidtragenden zu zählen, die als auserwählte Prüflingen sich zur Volksbelustigung begeben müssen. Immerhin müssen andere Prominente sich nicht auf dieser Bühne zur Schau stellen.

Dieser im Volksmund als „Dschungelcamp“ bezeichnete TV-Event hat sich in den letzten Jahren zu einem der Erfolgsformate von RTL entwickelt. Scheinbar redet jeder darüber und schaut sich gerne an, wenn sich am Anfang des Jahres eine Schar von auserwählten Z-Promis mit Palmenwedeln in der Öffentlichkeit zeigen. Ihr persönlicher Seelenstriptease ist einfach zu perfekt inszeniert, als dass sich das Massenpublikum abwenden kann. Schadenfreude schadet bekanntlich dem TV-Zuschauer nie.

Aufgrund der Zeitverschiebung von Australien zu Deutschland läuft das Dschungelcamp bei uns erst ab 22.15 Uhr im deutschen Fernsehen. Wer zu der Zeit lieber schläft oder ein gutes Buch liest, also den irren Quatsch in der Flimmerkiste verpasst hat, muss sich in unserer Gesellschaft am Tage darauf für ein Gespräch mit den Arbeitskollegen oder so manchen Bekannten wappnen. Wie kann man das besser erledigen als durch die Berichterstattung in digitalen und gedruckten Medien? Dort steht doch immer das drin, was man wissen möchte. Der Spiegel zeigt das Spiegelbild der Gesellschaft, die Bild bildet die Gesellschaft, die Welt zeigt das Weltgeschehen und der Express ist einfach nur schnell. Entgegen der Erwartungshaltung in den Köpfen vieler Leser, dass eine Nachricht direkt aus erster Quelle in die Medien gelangt, bescheinigt die Realität jedoch etwas anderes. Die meisten Redaktionen nutzen für viele Berichte ihre eigenen Informationskanäle, um die Medien mit aktuellen Nachrichten zu befüllen. Schließlich wird vor Ort in Downunder wohl kaum einer der hauseigenen Redakteure sitzen, um exklusive Berichte mit direkten Insiderinformationen für das Blatt zu entwickeln. Neben den wenigen eigenen Geschichten liefern letztendlich Nachrichtenagenturen, Pressestellen, Insider und Branchenkenner den Journalisten die eigentlichen Informationen. Selbstverständlich kommt dabei eine Pressemeldung zu einem zeitlich und räumlich so weit entfernten TV-Event wie das Dschungelcamp mehr recht als schlecht.

Screenshot von RTL.de zur Themenseite vom Dschungelcamp

Bereits am Wochenende fiel mir ein kritischer Artikel von Stefan Niggemeier auf, der sich mit einem kurzen, aber damit provokanten Artikel an diesem mittlerweile typischen Verhalten von Redaktionen auseinander setzt. Gewiss ist die Kritik berechtigt, zumal die Pressemeldung von RTL neben einem redaktionellen Artikel der Welt wie eine 1:1-Kopie wirkt. Ein journalistischer Klon und ein voller Erfolg für die PR, und damit ein gutes Ergebnis für die PR-Abteilung von RTL. Dem Leser seines Blogartikels wird dabei jedoch nur der plakative Aspekt des leicht umgeschriebenen Kopierens vorgezeigt, während die Hintergründe für eine solche PR-Berichterstattung im Verborgenen bleiben. Zugegeben, man muss nicht alles erläutern, daher versuche ich mich einfach jetzt daran. :)

Warum kopieren Redaktionen teilweise direkt Pressemitteilungen?
Die Medienwelt hat durch die Digitalisierung eine starke Veränderung sämtlicher Bedingungen im Journalismus erlebt. Vor zehn Jahren war es kein Thema, beispielsweise für einige Stunden zur Recherche als Lokalredakteur am Ort des Geschehens sein. Oder man sprach direkt mit den Unternehmen, um an Daten, Fakten und Zahlen zu gelangen. Heute muss respektiert werden, dass die Redaktionen jetzt unter einem enormen Zeitdruck und Konkurrenzdruck leiden. Der fragliche Artikel wurde wohl weniger aus journalistischen Gründen zur Meinungsbildung, sondern eher aufgrund der thematischen Relevanz im Zielpublikum eingefordert. Natürlich nimmt ein Journalist in diesem Fall dankbar einen PR-Text auf, wenn solche detaillierten Schilderungen des mitunter ekeligen Geschehens mundgerecht aufbereitet sind. Damit wird leicht erreicht, dass sich der Käufer des Printerzeugnisses über solche Themen zur Informationsabdeckung schnell erquicken kann. Andererseits bleibt am Ende des Tages wesentlich mehr Arbeitszeit übrig, die für relevante und investigative Geschichten genutzt werden kann. So hat der Leser noch mehr Vorteile beim Kauf eines solchen Printtitels respektive beim Lesekonsum des jeweiligen Online-Mediums.

Zur Meinungsbildung zählt damit auch die ansatzweise Erklärung der Herausforderungen von Journalisten, die sich in einer schnellebigen Nachrichtenwelt gegen eine gewaltige Informationsflut behaupten müssen. Im Grunde genommen ist der kritische Bericht von Stefan Niggemeier sehr wertvoll für die Medienlandschaft, unterschlägt jedoch die womöglich wahren Hintergründe. Man sollte sich daran erinnern, dass Journalismus in der westlichen Welt von Anzeigen bei möglichst hohen Auflagen und Abverkäufen lebt. Je unattraktiver eine Publikation, desto eher besteht die Chance des Zeitungssterbens. Dies führt wiederum zu Entlassungen in den Redaktionen und angeschlossenen Abteilungen bis hin zur Einstellung des Printtitels. Darunter leidet zudem die unabhängige Berichterstattung und Medienvielfalt. Aber diese Brücke vom PR-Text in einem redaktionellen Medium zu schlagen wäre vielleicht genauso plakativ überzogen, wie die Kritik an dem Vorgehen insgesamt.

Und wenn wir bei plakativen Darstellungen sind: Falls zudem wirklich jemand daran glaubt, dass die Journalisten überhaupt Lust oder gar entsprechend Zeit hätten, sich diese Prüfungen im Fernsehen selbst anzusehen, sollte seinen eigenen Medienkonsum hinterfragen. Im Prinzip sollte sich auch jeder fragen, ob alles in dem Dschungel wirklich der Wahrheit entspricht, aber der Zuschauer liebt solche Sendungen und schaltet ein. „That’s entertainment, baby!“ :)

Tage wie dieser sind mittlerweile rar gesäat. Besonders wenn sich pure Überraschung breitmacht. Heute bricht das traditionelle Fernsehen aus seinen Ketten! Man schreitet auf neuen Pfaden. Während typische Broadcaster auf Linearität der Distributionswege angewiesen sind und inhaltlich auf redaktionelle Beiträge, Unterhaltung und Fiktion setzen, möchte sich mancher Sender auch bei der allgemeinen Entwicklung im Bereich Social Media eigene Anteile sichern. Gemeint sind nicht die typischen Präsenzen bei Facebook oder Twitter, auch nicht das Cross-Channelling und Steigern von Reichweite mit YouTube, sevenload oder den hauseigenen Mediatheken. Nein, etwas ganz anderes erregt derzeit Aufmerksamkeit: Das heiße Thema der Saison lautet Connected TV.

Wie kann ein Sender die junge, hippe Netzgemeinde für sich gewinnen und direkt auf dem Bildschirm für andere Zuschauer integrieren? Diese Frage beschäftigt manche kreative Köpfe in den deutschen Fernsehfabriken. Besonders wenn immer mehr Fernsehgeräte im letztjährigen Weihnachtsgeschäft verkauft wurden, die über einen eigenen Internetanschluss verfügen.

Jetzt scheint sich mit SUPER RTL auch ein deutscher TV-Sender an das brisante Thema heranzuwagen. Am kommenden Montag wollen die Kölner direkt zum Start der neuen Comedy-Serie „Glee“ das Feedback aus dem Web für jeden Zuschauer integrieren. Die Inhalte aus Social Media laufen jedoch nicht über eine Einblendung im Programm ab. Stattdessen werden die Inhalte über den Teletext auf Seite 777 geschaltet. So möchte man sich Tweets mit dem Hashtag „#glee“ und Kommentare bei Facebook in Echtzeit ziehen, die von deutschen Nutzern beigesteuert werden. Doch diesen Weg zu beschreiten wird sich als eine kleine Herausforderung entpuppen. Schließlich ist der von den Nutzern bereitgestellte Inhalt – ihre Tweets und Kommentare – urheberrechtlich geschützt und üblicherweise nicht zur kommerziellen Verwendung freigegeben. Vor allem kann jeder Nutzer etwas zu „#glee“ während der Sendung veröffentlichen, das Einverständnis zur Darstellung im Teletext von SUPER RTL ist etwas ganz anderes. Eine automatische Freigabe der Tweets und Kommentare bei Facebook erfolgt nämlich nicht. Doch sehen wir von der Tatsache ab, dass hier eine absolute Grauzone existiert, so wirkt der Vorstoß des Senders in Richtung Social Media eigentlich sehr erquickend.

Vielleicht lässt sich dieser kommunikative Unterhaltungsspaß mit dem Teletext als eine erste Vorstufe zum interaktiven Fernsehen in Deutschland werten? Doch das wäre schon zu viel verlangt, denn Connected TV bedeutet viel mehr als nur ein paar Tweets über den Teletext rauschen zu lassen. Bei der Frage, was letztendlich Connected TV überhaupt bedeutet, da schweigt sich zumindest alles und jeder aus. Auf diese Frage konnte selbst das allwissende Internet noch nicht wirklich viel beizutragen. Aber wenn Du etwas wissen willst, und alles so neu ist, dass niemand wirklich etwas dazu verfasst hat, schreib’s selbst auf, besetze die Nische und schaffe so Deinen eigenen Markt – und so schrieb ich auf Quora folgenden Text:

What is Connected TV?
Connected TV is a technology concept which combines the traditional linear TV and Internet in one device. The Connected TV enables the audience to choose from a set of pre-installed applications to enhance their viewing experience in an interactive environment.
These apps use the internet connection to access (live) content. Usually, apps are either free for use. The basic idea of an app store specialized for connected tv devices can enable a new market for subscription based or paid content apps.
Most of today’s manufactorers are able to provide connected tv devices with their current and new product lines.
The key element of connected tv devices is user interaction via common online services such as Twitter or Facebook. In a split-screen environment, live tv footage and broadcast content can be live commented via the service’s web interfaces or remote control. Broadcasters can include the community’s comments from a fanpage or a hashtag within an app and output the content via split-screen.
However, the remote control itself still remains a problem compared to fast access to Twitter’s or Facebook’s interactive communities with a mobile smartphone and classic PC or Mac.
Further, the term „Connected TV“ describes a product of Yahoo Inc. Often, the terminology is mixed with Hybrid TVs.“

Interessante Sichtweise, nicht wahr? Ja, im Vergleich zur Erwartungshaltung von Connected TV ist der gute alte Teletext wirklich nur eine frühzeitliche Vorstufe. Die bisherige Nutzung fand seit Jahren neben Anzeigen auch nur ein einziges interaktives Geschäftsmodell: Den wahrscheinlich extrem gelangweilten Zuschauern werden teure Call-In-Rufnummern angeboten, damit sie sich mit anderen Leuten im „SMS-Chat“ oder ähnlichen Kommunikationssystemen austauschen. Dieser inhaltslose Textbrei wird zeitnah im Teletext angezeigt. Zudem blendeten manche Privatsender, die ihren einstigen Schwerpunkt auf Jugendkultur und Musik setzten, die jeweiligen SMS-Nachrichten in den Live-Feed des TV-Programms ein.

Doch authentisch ist der ganze Spaß längst nicht. Leider wird ein Großteil der Kommunikation solcher SMS-Angebote von bezahlten Callcenter-Agents und -Moderatoren betrieben, um die Nutzer auch schön bei Laune zu halten. Welcher Mensch hockt stundenlang vor der Glotze, nur um sich per SMS mit wildfremden Menschen zu unterhalten oder zu flirten?

Interaktives TV hat nur eine wahre Chance am deutschen Markt, wenn die Endgeräte mit passenden kostenfreien Apps ausgerüstet sind, die exakt jenes Verhalten adaptieren, was unsere Gesellschaft bereits auf unzähligen Onlineportalen akzeptiert hat: Kommentare, Bewertungen, Chats und Statusmeldungen zu Inhalten. Diese Inhalte müssen wirklich als Split-Screen auf dem Fernsehbildschirm zum laufenden Programm angeboten werden. Dieser zusätzliche Kommunikationsmix darf nicht zum Broadcast-Signal ausgestrahlt werden, sondern muss über die App direkt aus den Quellen im Internet geliefert sein. Doch es mangelt noch an entsprechenden einheitlichen Standards seitens der Gerätehersteller, so dass die zusätzlichen Informationen für jedwede TV-Endgeräte und Applikationen einheitlich digital verarbeitet werden können. Zwar sind manche Hersteller sehr flexibel und wirklich bereit, diesen Weg zu beschreiten, aber solange eine Fernbedienung immer nur eine Fernbedienung und kein flexibles Eingabegerät ist, das sich wie eine handelsübliche Tastatur bedienen läst, wird Connected TV noch lange nicht im Wohnzimmer ankommen.

Und letztendlich bleibt die Frage nach der inhaltlichen Relevanz der Tweets. Wie die lieben Kollegen von DWDL bereits anmerkten, lässt sich der Inhalt eines Tweets nur schwerlich kontrollieren. Neben Spammern und den altbekannten Trollen werden hier vor allem kritische Themen angesprochen, wie es oftmals bei synchronisierten US-Serien der Fall ist. Wer will schon den deutschen Schwachsinn hören, wenn das original wesentlich mehr Witz und Esprit ausstrahlt als der die deutsche Synchronisation? Diese kritische Masse wird am Montag den Teletext bei Super RTL übernehmen. Man darf gespannt sein und selbstverständlich fleissig mitmischen – Montagabend um 20.15 Uhr geht’s los!

Am heutigen Abend fallen mir vor allem zwei Dinge auf. Zum einen die Integration von Social Media im Fernsehen, zum anderen das politische Engagement im Vorfeld einer Wahl. Vor Monaten, ja vor einigen Jahren war ich trotz meiner persönlichen Netzaffinität, die durch Beruf und Bildung geprägt wurde, einer der ersten Zuschauer, die an einem Wahlabend den Fernseher einschalten würden, um mit live dabei zu sein. Nach dem heutigen Tag kann ich stolz behaupten: Das Fernsehen ist und bleibt nur ein Medium in unserer Zeit, das sich dem medialen Einfluss des Internets kaum entziehen kann. Wie kann ein Fernsehsender sich seine Zuschauer und das Netz quasi zum Untertan machen, wenn die Informationen hier viel intensiver diskutiert und schneller verbreitet werden? Reicht es, im Internet vor dem Hintergrund des regulatorischen Rundfunkstaatsvertrages eine rudimentäre Informationspolitik zu betreiben? Oder muss man sich öffnen?

Ja, man kann den Weg gehen und Social Media als Teilangebot in die Berichterstattung einfließen lassen. Es ist zumindest eine gesunde Herausforderung, den zur Wahl berichtenden Journalismus nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Internet als Social Media Angebot anzubieten. Am Beispiel der Hessen-Wahl konnte das ZDF vor allem bei den netzaffinen Zuschauern punkten. Die Portalseite integriert medienübergreifend Livestream, Twitter, Chat und Videos. Vor allem in Twitter geht zu @wahlimweb und @tsg (SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel) die Post ab. Im Gegensatz hierzu vermag kein anderes Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sowie des Privatfernsehens in Deutschland ein so intensives Live-Erlebnis für Zuschauer und Nutzer erzeugen. Eines bleibt für mich persönlich jedoch festzuhalten: Deutschland ist demographisch bedingt wohl noch nicht bereit für den digitalen Wahlkampf. Auch wenn die Medien sich so intensiv des Themas annehmen, scheinen die Wähler sich nicht mit dem Thema „Internetwahlkampf“ anfreunden zu können. Die Politik muss hier mehr bieten – die Anfänge von Thorsten Schäfer-Gümbel sind dabei nur der Grundstein für deutsche Politiker.

Was in der politischen Kampagnenstrategie fehlt ist einfach zu definieren: Geld für PR und Marketing in Zeiten von Social Media – und die motivierte Netzöffentlichkeit kann den älteren Wählern sehr wohl das Wasser reichen, die sich traditionsbewusst geben. Man muss abwarten, wie das demographische Ergebnis der Wahl ausfallen wird. Ich befürchte jedoch, dass das Ergebnis bei der heutigen Wahl neben der Tatsache, dass Frau Ypsilanti zu lange in der Öffentlichkeit stand, vor allem durch den mangelnden Anteil der jungen Generation an Wählern zustande kam. Die Politik in Deutschland muss die Wähler auch im Netz motivieren, sonst kann nichts erreicht werden und ein „Yes, we can!“ am Beispiel des baldigen US-Präsidenten Barack Obama wird hierzulande nicht möglich sein.

Während Twitter auf Hochtouren läuft, ist die deutsche Blogosphäre derzeit noch allgemein etwas verhalten zu dem aktuellen Thema. Sofern erste Berichte und Reaktionen auftauchen, liste ich diese hier auf: zweipunktnull, Pottblog, querblog, kiesows, kaliban, wildbits, Jens Scholz, antibuerokratieteam, Jan Filter

Wie sehen die Leser die Relevanz von Social Media im Wahlkampf und in der Medienberichterstattung? Ist Deutschland schon soweit, um wie die USA auf dieses hohe Verbreitungsniveau zu kommen? Sollten sich deutsche Politiker an TSG trotz der Niederlage eine gehörige Scheibe von seinem Engagement abschneiden?

Auch ich werde zu fortschreitender Stunde auf boulevardistischen Nachrichtenseiten wie dem Kölner Express bei bestimmten Inhalten aufmerksam: Die iPhone-Besitzer sollen über kurz oder lang der GEZ den „Basistarif“ in Höhe von 5,76 Euro monatlich abtreten.

Ok, die Meldung ist ein Kandidat für die Titelstory. Aber warum und wieso die GEZ glaubt, dass das iPhone sie zur Eintreibung der Rundfunkgebühren legitimisiert, ist recht platt formuliert. Das iPhone ist ein neuartiges Empfangsgerät, mit dem auch Radio- und TV-Inhalte bezogen werden können. Hurra! Die Medien gehen mit der Zeit, die alten Medien straucheln, und was über Jahrzehnte hinweg als perfektes Medium trotz 25 Jahren Privatfernsehen galt, kommt immer stärker in die Bredoullie.

Nun, ich wünsche allen stolzen Besitzern des iPhone nur eines: Viel Spaß! Aber wer sich ein iPhone auch leisten kann, dem sollten die GEZ-Gebühren ziemlich egal sein können. Immerhin ist jeder, der einen Rechner als neuartiges Empfangsgerät angemeldet hat oder die berühmten old-school Geräte („Radio“ und „Fernsehen“) bei der GEZ registriert hat, schon auf der sicheren Seite. Aber ein wenig Wirbel schadet ja nie.

Meine Ehefrau und mich wundert nun nur noch, ob man für einen iPod-Touch demnächst auch GEZ-Gebühren bezahlen muss. Es wird langsam aber sicher Zeit, das gesamte System der Rundfunkgebühr zu überdenken. Lieber eine pauschale Pro-Kopf-Steuer oder mit hohen staatlichen und journalistischen Auflagen die Sender privatisieren – ein paar Leute bei der GEZ entlassen, die Gebühreneintreiber und -überprüfer ebenfalls, und schon hat man eine schöne, neue, schlanke Sendergruppe erschaffen. ARD 2.0, ZDF 2.0 – mit dem iPhone flimmern. What’s next? :)

Deutschland feiert die Meinungs- und Informationsfreiheit in den Medien. Der Mensch ist aufgeklärter denn je. Durch alle Höhen und Tiefen sind wir gegangen, seitdem der Zuschauer mit der neuen Programmvielfalt von privatwirtschaftlichen Unternehmen konfrontiert wurde. Selten zuvor überschlugen sich jetzt die Medienmacher mit sowohl Lobeshymnen als auch Kritik am Fernsehen, denn die Einschaltquoten von der werberelevanten Zielgruppe treiben den Programminhalt in die Ecke zwischen Dschungelcamp, Big Brother, DSDS und nichtssagenden Nachmittagsshows, während wenige Höhepunkte die Free-TV-Premieren einiger Filme darstellen, die bereits seit längerer Zeit in der heimischen DVD-Sammlung von A bis Z durchgesehen wurden.

Schon allein die zugrundeliegende Einschaltquote ist nur eine überholte Hochrechnung über altbewährte Bevölkerungsdurchschnitte, die seit Urzeiten der 80er Jahre als Validitätskriterium gilt. Sehen wirklich so viele Millionen Menschen an einem Abend immer wieder das gleiche Programm, oder vertrauen wir den erhobenen Messdaten und der damit verbundenen Hochrechnung mittlerweile blind? Ja, wir lieben diesen Mist und freuen uns jeden Tag ein Loch sonstwohin, weil jemand eine hohe Quote zu verbuchen hat – und jemand anderes mit seinem Programm auf die Nase fiel.

Klar, die Quotenfrustration mancher Senderchefs kann ich manchmal gar nicht verstehen. Es wird gemeckert was das Zeug hält. Gute Sendungen, die ein Zielpublikum jenseits der 500.000 Zuschauer haben, werden aufgrund zu geringer Marktanteile an der werberelevanten Zielgruppe aus dem Programm geschmissen. Obwohl echte Fans diese Sendungen lieben! Der Markt muss befriedet und befriedigt werden. Die Ausgewogenheit zwischen journalistischer Information und seichter Unterhaltung ist so dunkelschwarz wie eine Schlafmaske, die man sich bei helligem Tag über die Augen zieht, um dem Alltag zu entfliehen. Doch genug an meiner semikonstruktiven Kritik am deutschen Fernsehprogramm.

Hierzulande erfreuen sich die Fernsehsender an dem dualen System, dass zwischen öffentlich-rechtlichem Wirtschaftsdenken und dem privatwirtschaftlichem Umsatzproblem um die Zuschauer kämpft. Seit 25 Jahren gibt es in Deutschland das Privatfernsehen. Angefangen hat alles mit RTL und Sat.1, aber nur RTL feiert ausgiebig sein Bühnenjubiläum im Wohnzimmer der Zuschauer. Davor habe ich absoluten Respekt. RTL legt alle Hebel um und drückt alle Schalter, damit die Bahn frei ist für das Heimspiel mit „Endsieg“. Denn Sat.1 hat nicht viel zu vermelden – hierzu vermutet zumindest DWDL die wahren Gründe in dem Mangel an Marketing und Öffentlichkeitsarbeit einfach in der Platzierung als offensichtlicher Zweiter. Was bringt es schon, wenn man im Prinzip nur gefühltes Mittelmaß ist und im subjektiven Blick die eigene Senderfamilie wesentlich intensiver am Markt präsent ist?

Ja, was RTL als mediale Lichtgestalt gegenüber dem Schattendasein von Sat.1 in perfekter Inszenierung demonstrieren kann, ist nicht nur ein wenig Muskelzucken, sondern schiere Marktmacht mit ausgeklügelter Pressearbeit. Nahezu jedes Medium konnte in den letzten zwei bis drei Wochen über ein einheitliches Thema berichten: Wie gut RTL das Privatfernsehen als Gegenpool zu ARD und ZDF etabliert hat.

Was hat sich Sat.1 im „Nichtstun“ eigentlich gedacht? Sollte nicht mindestens genauso stark auf die eigenen Erfolge als einstiger Einzelkämpfer und jetzt als Teil der ProSiebenSat.1-Gruppe hinzuweisen? Das 20jährige Jubiläum war vielleicht vor ein paar Jahren ein absolutes Drama durch den Weggang von Harald Schmidt oder das Ausscheiden des einstigen Senderchefs Hoffman. Doch in heutigen Zeiten, wo neben klassischem Broadcast immer mehr auf auf Diversifikation gesetzt wird, darf dieses Thema nicht so still geschwiegen werden wie bisher. Fehlende PR und Marketing bedeutet in dem Fall einfach fehlende Präsenz in den Köpfen der Menschen. Wenn Sat.1 noch einmal die 30 erreichen sollte, müssen in den nächsten Jahren die Erfolge her, bei denen RTL in der werberelevanten Zielgruppe punkten konnte. Ist doch sowieso nur Humbug, auf den jeder Marketingfuzzi in den Mediaagenturen und Marketingabteilungen der werbenden Unternehmen durch jahrelange Indoktrination hereinfällt. :)

Am Wochenende war es soweit. Neben der erstklassigen Cologne Conference in Köln fand die davon losgelöste Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2008 statt. Das Schaulaufen der Szene wurde mit medialer Begeisterung gefeiert. Dutzende Preise wurden ihren Preisträgern überreicht. Nur einer wollte seinen Ehrenpreis nicht annehmen.

Ist es denn wirklich ein Eklat, wenn Marcel Reich-Ranicki seine Meinung offenkundig vor dem „Fachpublikum“ verkündet? Die gebotene Programmvielfalt der vergangenen Jahre ist derartig verkommen, dass man nur einige wenige positive Beispiele auszeichnen kann. Schlechte Kopien von brillianten Vorlagen des US-Fernsehens werden in deutschen TV-Produktionen verramscht. Ein abstrus gestalteter Sendeplan, der die guten US-Serienoriginale in das Nachtprogramm schickt, verhöhnt den Zuschauer. Beim Zappen findet man illustre Persönchen, die sich für Geld vor laufender Kamera entkleiden. Da kommt einem die Frage nach Hollywood in Köln-Ossendorf durchaus berechtigt vor. Zu schade, dass ich mich gegen eine eigene Live-Blogging-Session parallel zur Ausstrahlung geweigert habe. Da wären mir bestimmt so einige süffisante Sprüche eingefallen, die sich hier im Blog ausgelebt hätten… :)

Bald ist es soweit: Deutschland wird das 4:3 Format verabschieden. Nachdem ProSiebenSat.1 bereits den Wechsel in 2005 ankündigte, stellen zum 18. November 2008 die Sender der Mediengruppe RTL Deutschland ihre aktuelle Übertragung auf das Bildformat 16:9 um. Damit werden alle Sendungen, die On-Air-Promotion sowie die TV-Werbung umgestellt.

Insbesondere für Werbetreibende wird dieser Schritt eine Veränderung in der Produktion von Werbespots nach sich ziehen. Wer braucht dann noch 4:3 in Deutschland, wenn die größten Senderfamilien das alte Format nicht mehr unterstützen?