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Der Web 2.0 Szene stockt der Atem. Nach den ersten Gerüchten gaben die beteiligten Unternehmen selbst den Deal bekannt. Um es mit dem Artikel aus dem Wall Street Journal zu zitieren – Microsoft investiert fleissig in Facebook:

Microsoft Corp. agreed to invest $240 million for a 1.6% stake in Facebook Inc. that values the social-networking site at $15 billion, beating Google Inc. in a closely watched contest.

Es ist hip, es ist trendy, es ist offener als viele andere Social Networks, die optisch einwandfrei aufgebaut sind, jedoch in der Regel nur den Zweck der Kontaktsammlung erfüllen und keine zusätzlichen Buddy-Spielchen anbieten. Microsoft hat signalisiert, dass Facebook im Kampf gegen Google und die anderen Konkurrenten mehr als wichtig ist – die Tür ist geöffnet. Schön und gut für alle Beteiligten, doch für meinen Geschmack ist das etwas zu viel des Guten. Google konnte sich YouTube bereits für 1,6 Milliarden US-Dollar einverleiben und auch in Deutschland freut man sich an jeder gelungenen Investition. Für mich steht einzig und allein die Frage nach der Rechtfertigung für den Preis und die damit sehr starke Bewertung von 15 Milliarden US-Dollar für Facebook im Vordergrund.

Sonst schreit die halbe Welt auf, wenn es um ihre Kontaktdaten geht – sobald etwas durch einen Fehler oder durch beabsichtigtes Handeln öffentlich einsehbar wird, sobald man Daten massiv speichert und soziografische Strukturen den Daten entnehmen kann, sobald man auf die Person zurückschließen kann, die wirklich am Rechner bei der Dateneingabe saß… die Szenarien sind scheinbar endlos. Doch hier freut man sich und tanzt auf dem Teller – oder rümpft mal kritisch die Nase, wundert sich vielleicht – doch sorry, das ist mehr als überbewertet. Das Fratzenbuch lebt nur davon, dass wir uns alle daran beteiligen und unsere Kontaktdaten dort freiwillig hinterlegen. Was haben wir denn bitte schön davon? Nun werden die Nutzer nicht an Google, sondern an Microsoft verkauft.

Wie Thorsten Lückemeier per E-Mail mitteilte, erneuert die Geschenke Community edelight seine Plattform zu Beginn der Vorweihnachtszeit. Statt klar strukturierter und damit vielleicht auch altbewährter Boxenaufteilung wartet edelight mit der grafischen Integration von Wunschzetteln auf – ein klarer Wiedererkennungswert für Geschenke, Wünsche und vielleicht auch Gelüste, denn man kann sich auch Schokolade wünschen.

Entdecken, Empfehlen, Wünschen – drei Schritte, die jeder Neuling auf der Plattform verstehen muss. Es ist essentiell, dass gerade die neuen Nutzer sich in zwei oder drei Schritten über die Funktion einer Plattform im Klaren sein müssen, wenn der Mehrwert eine reine Dienstleistung am Kunden ist. Amazon, eBay oder wie hier edelight sind Portale, die sich über Produkte dem Massenmarkt und seinen Kunden auf erklärende Weise nähern müssen, sofern die Marke nicht selbst als Synonym für die eigentliche Leistung steht. Ein rein digitales Produkt bzw. Dienstleistung bräuchte nicht immer erklärende Wegweiser.

Im Zuge des optischen und technischen Relaunchs wird es neben rein funktionalen auch inhaltliche Änderungen am Konzept der Plattform geben:

  • Neuer Claim: Aus „einfach schenken“ wird „products you love“.
    Für meinen Geschmack ist der englische Claim zu dem Namen der Plattform ideal, jedoch wird das deutsche Publikum, was als Kernzielgruppe im Vorweihnachtsgeschäft die Dienstleistung nutzen muss, abgeschreckt. Viele Marken distanzieren sich von den einst hippen englischen Titeln und Claims und kehren zur Muttersprache zurück – z.B. hat Douglas sich von „Come In And Find Out“ zu „Macht das Leben schöner“ gewandelt.
  • Neue Bookmarking-Technologie: Bis dato war bookmarken (empfehlen und wünschen) in Shops mit Frames nicht möglich. Mit unserer neuen Browsererweitung für Firefox und Internet Explorer sind wir die Ersten, die diese Barriere deutlich reduzieren können.
    Das verspricht viel, jedoch sind die etablierten Social Bookmarking Dienstleister wie oneview oder Mister Wong auf deutschem Boden bestimmt in der Lage, dafür eine gesunde Partnerschaft einzugehen oder aber ihre Bookmarklets und Extensions/Plugins für die jeweilige Shoppingplattform anzupassen. Ein extra Plugin verlangsamt in jedem Fall den Browser und man müsste schon ein eindeutiger Fan der Plattform sein, um dieses Plugin zu installieren. Poweruser gibt es, aber die Masse zu bewegen erachte ich als schwierig.
  • Qual der Wahl-Umfrage: Nutzer können eigene Umfragen erstellen und sich z.B. bei Kaufentscheidungen oder Schenk-Anlässen unterstützen lassen (als Widget auch für das eigene Blog nutzbar).
    Umfragen sind ein Zeitvertreib für die Nutzer und ein Wiederbringer von denen, die sich für den Ausfall der Ergebnisse interessieren. Eine schöne Unterstützung zur Trafficgenerierung ist das allemal. Zu Widgets siehe wie folgt.
  • Listen veröffentlichen: Einfaches Veröffentlichen Deiner Wunsch- oder Empfehlungslisten mit dem überarbeiteten Widget.
    Hier stellt sich immer wieder die Frage nach dem Sinn und Zweck dieser Veröffentlichung. Wer es mag, wer es braucht – Wunschlisten als Widgets dienen primär der Reichweitensteigerung der Plattform. Das ist gesund, aber die Implementation eines Widgets innerhalb der Sidebar eines Blogs macht nur bedingt Sinn, da es mittlerweile Widget-Anbieter wie Sand am Meer gibt. Nahezu jede Plattform bietet Widgets, und nach drei Widgets ist für viele Webseitenbetreiber auch erstmal Schluss. Die Chance mit einem neuen Widget die begehrten Plätze zu ergattern ist eine Herausforderung.
  • Volle Community-Funktionen: Direkte Kommunikation der Nutzer untereinander ist ab jetzt möglich (Nachrichten schreiben, Freundschaften schließen, etc). Darüber hinaus gibt es verschiedene eigene Statistiken.
    Gängiger Klassiker, ohne den man nicht launchen sollte. Insbesondere Fans des Social Networking als willige Nutzer werden ohne die kommunikativen Elemente sich nicht im Portal aufhalten.
  • Entdecken-Portal: Vielfältige Sortierfunktionen zum Anzeigen von Shops, Kategorien, Nutzern, Listen, Produkten, etc.
    Logisch – ich versuche mit den ersten 10 Klicks, sofern ich die einem Portal überhaupt gestatte, mir einen Überblick zu verschaffen. Dabei steht das Entdecken im Vordergrund. Sortieren und Suchen nach jeglichen Inhalten ist eventuell auch der Garant dafür, dass Powernutzer die Plattform lieben werden.
  • Wunschlisten-Import: Einfacher Import Deiner Amazon-Wunschlisten.
    Gibt es auch einen Export? Wenn es einen Import gibt, muss ein Export her. Nicht um direkt zur Konkurrenz zu wechseln, jedoch um sich ein eigenes Backup zu erstellen oder daraus eine schöne Liste für die Großmutter zu Weihnachten zu zaubern. Letztendlich ist zumindest von meiner Verwandtschaft nur ein geringer Teil im Netz. Die Exportierung sämtlicher Wünsche ist für alle diejenigen, die immer noch nichts mit Web 2.0 anfangen können, irgendwann ein Relevanzkriterium, sobald Weihnachten oder Geburtstage näher rücken.
  • Nutzer-Portal: Übersichtliche Darstellung der Top-Nutzer nach Community-Rang und Verkäufen.
    Das Gesicht ist wichtig. Der typische Endkonsument orientiert sich an den Gesicherten der Menschen, die eine Dienstleistung in Anspruch nehmen. Ein soziales Ranking zur Feststellung der Top-User hilft das eigene Ego zu polieren und den neuen Nutzern einen gewissen Reiz zu geben, sich in die elitäre Reihe einzugliedern. Dennoch ist in einigen Fällen immer zu fragen, ob auch trotz der webzwonulligen Athmosphäre der Nutzer bei einer produktorientierten Plattform wichtiger als das Produkt selbst ist…

Als Fazit möchte ich daher anmerken, dass das neue edelight viel stimmiger für gerade die User erscheint, die sich nicht im Web 2.0 konsequent aufhalten. Sich einzig und allein auf diese segmentierte Web 2.0 Zielgruppe zu konzentrieren würde einem massenmarkttauglichen Anbieter wie edelight auf Dauer auch keinen Erfolg versprechen. Gerade hier ist die Zielgruppe zwar entdeckungsfreudig und interessiert an neuen Diensten, jedoch verhält sich der aktive Nutzen zu dem passiven „Dabeisein“ exorbitant desaströs. Ich merke an meinem eigenen Nutzungsverhalten selbst, dass ich auf vielen der Web 2.0 Plattformen angemeldet bin, jedoch mich auf drei bis fünf verschiedene Communities konzentriere und dort ausschließlich aktiv die Funktionen nutze und die Inhalte mehr schlecht als recht konsumiere.

Außerdem investiere ich keinen Pfennig Cent für die Nutzung der Plattformen. Bis auf XING mit dem seit Jahren bestehenden Premium-Account konnte weder Flickr noch ein anderer Anbieter im Netz mein Geld entlocken.

Es ist daher nicht nur für edelight eine wichtige Frage, sondern jede Plattform muss eine Antwort darauf parat haben: Sind haptische Produkte ausschlaggebend oder die virtuelle Dienstleistung selbst? Den Weg, den edelight einschlägt, sich über die Wünsche der Nutzer, die daraus entstehenden Geschenke und letztendlich über die Dienstleistung am Kunden das Produkt in den Vordergrund zu heben, ist ein idealer Mittelweg um den Nutzer zu erfreuen, ihn zu halten und zu monetarisieren.

Was für den Nutzer zum Start ein kleines Goodie ist, entpuppt sich als „Tag it like…-Aktion“. Im Rahmen der neuen Aktionsreihe werden Nutzer mit hochwertigen Prämien noch stärker für ihre Leistung honoriert – zum Start gibt es ein gesponsertes „I-Songbook“ zu gewinnen.

Das Community-Fieber ist ausgebrochen. Zwei der größten Versandhaus-Handelsketten starten ihre neuen Shopping-Portale mit einer ordentlichen Portion an Einkaufsmöglichkeiten. Einerseits ist dabei das Gemeinschaftsunternehmen „MyBy“ zu nennen, das von KarstadtQuelle (74,9 %) und der Axel Springer AG (25,1 %) entwickelt wurde. Die Kunden können sich an typischen Elektronik-Artikel wie Computern, TV, Hi-Fi, Foto, Handy, Navigation, Entertainment und Haushaltsgeräten satt kaufen, zumal in der Startphase keine Versandkosten anfallen sollen. Die ersten Vermutungen über die Strategie, ein Amazon-Killer zu werden, lesen sich übrigens auch bei Alexander Hüsing. Meiner Meinung nach hat jedoch ein solches Portal weniger Chancen, da die zentralen Mechanismen seit Jahren im Netz Gang und Gäbe sind. Ein bisschen mehr Innovation hätte ich da schon erwartet – Social Networking wird hier nicht mal ausgeschrieben.

'myby - Online Shopping Community' von Sichelputzer

Ganz anders kommt Smatch.com rüber: Die in Kürze startende webzwonullige Betaphase lädt herzlich ein, dass die Kunden Artikel aus den drei Bereichen Mode, Lifestyle und Wohnen von verschiedenen Händlern finden können. Kein reiner Preisvergleich, sondern eine echte Community mit Bewertungen, Kommentaren und Empfehlungsmanagement soll den anderen Nutzern von Smatch den essentiellen Mehrwert bieten, den der affine Internetnutzer von vielen Portalen im Web gewöhnt ist. Der Vernetzunggrad in der Community soll jedoch nicht im Mittelpunkt stehen – bei diesem Shopping-Portal geht es letztendlich auch um die Produkte selbst. Smatch selbst wird von Otto initiiert und ist in der Hinsicht kein echtes Startup, wie es der Anschein vermuten lässt. Wenn die frühe Berichtslage auch einen idealen Rückschluss auf das uns zu erwartende Shopping-Portal geben lässt, könnte dies eher ein MyBy-Killer werden…

'Smatch - Online Shopping Community' von Sichelputzer

Alles in allem gibt es nun so viele verschiedene Player am Markt des – nennen wir es aufpolierten Shoppings, dass man sich als Kunde (die obigen zwei) oder Webseitenbetreiber (Shoppero, Edelight, Dealjäger) gehörig überlegen muss, auf welches System man sich konzentrieren möchte. Partizipation am Shop gefällig? Widgets? Doch nur Kunde sein? Wo hört die Grenze eigentlich auf… denn mittlerweile ist alles so schön schwammig geworden.

Sag’s uns! Was hast du dir gekauft? Und entdecke andere, coole Produkte“ – so lautet eine Google AdSense Anzeige, die zu einem so genannten Shopping-Twitter umleitet. Wer ein wenig im Netz sucht wird auch fündig. Bei einer Webseite namens Habsgekauft bekomme ich einen Twitter-Clone mit einigen Usern präsentiert, die irgendwelche Produkte mit kurzen Texten in den Himmel loben.

Moschi5, Michael, Claudi_Hert, Timm1984, Logitech, John97, Sternchen, BerndXX

Diese Damen und Herren konsumierten bisher 26 Produkte. Den Rest kann man sich denken… das ist doch nicht Shopping, das ist einfach nur beängstigend und sinnentfremdet. Wann wird dieses junge StartUp denn auf eBay versteigert, so wie es bereits Dukudu (vom Netz) und Texteln erging?

Es hat nichts mit Voyeurismus zu tun. Man kennt sich, man sieht sich, man weiß wo man sich trifft. Um auch für die Zukunft gerüstet zu sein, nutzen viele webzwonullige Jünger den Anbieter für Social Travelling namens „Dopplr“. Den Namen des Reiseziels angegeben und im Kalender ausgewählt, wann man sich dort befinden wird, und schon sieht man ob einer der Freunde auf Dopplr auch dort zur selben Zeit in der Stadt sein wird. Schöne exhibitionistische Welt, die wirklich Spaß machen kann.

Wie oft hat man sich nicht schon gefragt: „Bald bin ich in der Stadt und mit wem aus meinem Bekanntenkreis kann ich mich da auch noch treffen?“ Dopplr liefert dazu die Antworten.

Bei Plazes kann man ebenfalls angeben, wo man sich zur Zeit befindet und kombiniert alles mit einer leichten Abwandlung des Social Chattings. Doch Dopplr kommt ohne große Karten und Pipapo aus, indem die Einfachheit des Services im Vordergrund steht. Teilt man seine Reiseziele oder belässt man es dabei den anderen ein Reiseziel zu zeigen? Dopplr selbst läuft derzeit nur auf Einladungsbasis und ist noch in der Beta-Phase… meiner Meinung nach ein sehr vielversprechendes Konzept, die eingangs genannten Jünger zu locken und sie auf ewig zu binden. ;)

Lasso bereit? Peitsche am Gürtel? Vielleicht noch ein knackiges Motto parat? Dann ist man bei der DealJagd der Social-Shopping-Plattform DealJäger richtig.

Wenn nicht, dann bitte nicht weiterlesen! Ist eh nur was für shoppinggeile Leute interessant. Amüsant finde ich dabei, dass die neue Preissuchmaschine einige Anbieter am Markt nach dem Prinzip „Menschen gegen Maschinen – wer findet die besseren Preise?“ in ihren Ergebnissen durchforstet und alles als ein zentrales Ergebnis kombiniert.

Dealjagd.de ist ein reiner Preisvergleich, der schnell, transparent und unabhängig die besten Deals im Netz präsentiert, die häufig nur von Menschen gefunden werden.

Gut, dann schauen wir mal was man da so finden kann und ja, es geht wirklich. Mit einigen netten Ajax-Ladefunktionen kann man auch so gleich nach dem Terminator suchen. Ich frage mich nun, ob auch andere Shopping oder Social Commerce Anbieter in der Preissuchmaschine integriert werden – oder ob da vorerst etwas Kohle fließen muss.

Da gibt es einen Menschen, der wirklich glaubt, mit Weblogs könne man so richtig Asche machen, Kohle scheffeln, und anderen Leuten noch die Hosen ausziehen. Gewiss ist dies nicht abstreitbar, dass man über Banner-Netzwerke oder Sponsoring die eine oder andere müde Mark machen kann, aber das hier schlägt dem Fass den Boden aus: Beim TheMillionDollarWeblog.com ist also der revolutionäre Ansatz, um die Kohle auch in richtig dicken Säcken zu scheffeln, dass die Leute für einzelne Einträge nach einzelnen Zeichen hinlegen müssen.

Ja richtig! Hahahahaha! Welcher Depp zahlt für einen Eintrag auf irgendeinem kaum beachteten Weblog, das vielleicht ja jetzt mehr beachtet als vorher ist, auch noch Geld, wenn man das Ganze nicht selbst auf dem eigenen schnell eingerichteten Weblog machen kann? Himmel hilf und wirf Hirn herunter!

Bis heute jedenfalls ist der Eintrag vom 14. Februar 2006 jedenfalls der einzige, der sogar noch unter der ulkigen Bezeichnung „My Advertisement“ als Beispiel frappierend dargestellt ist… da kann ich Thomas Gigold nur zustimmen: Jeff Chen wird viel Glück dafür brauchen, auch nur ein paar Hundert Dollar damit zu verdienen.