Totschlagargument Pressefoto: Ohne gutes Bildmaterial ist die PR nichts wert!

Jeden Tag trudeln verschiedene Pressemitteilungen und PR-Pitches in mein Postfach. Viele davon kann ich direkt ignorieren, aber manche erwecken meine Aufmerksamkeit. Vom Thema und der Kernbotschaft überzeugt, juckt es mir in den Fingern. Doch dann kommt auf einen Schlag die Ernüchterung: Ich stehe vor einem Haufen Text, für den kein Bildmaterial bereitgestellt wird. In der heutigen Zeit ist der Mangel von Pressefotos und adäquaten Grafiken das sofortige Aus für jede Berichterstattung.

Richtig gelesen. Wer Public Relations macht, sollte sich heute nicht mehr nur auf die Wirkung eines Textes verlassen. Sehen wir von einigen wenigen Printtiteln ab, setzt nahezu jedes Medium ein Bild ein, um einen Text lebendig wirken zu lassen. Schließlich geht es um jeden Preis um die Aufmerksamkeit der Leser. Die Boulevardmedien wie die BILD-Zeitung, der Express, die Bunte oder die Gala fabrizieren seitdem ich zurückdenken kann immer größere Bildanteile als Texte. Tageszeitungen springen auf den Zug seit Jahren auf und illustrieren die Inhalte mit Fotos, zumal dies den Textanteil deutlich reduziert und den zu zahlenden Zeilenpreis an die Autoren noch weiter kürzt. Und was machen die Online-Medien? Richtig gut aufgemachte Titel geben keinen Artikel raus, bei dem ein Bild fehlt.

Von den interessanten PR-Themen, die ich wie eingangs erwähnt selbst erhalte, hat nur ein Bruchteil das Wirkungsprinzip von Bildern verstanden. Natürlich spreche ich nicht von meinem eigenen Blog, denn hier finden nur eigene Meinungsbeiträge nahezu frei von irgendwelchen Einflussnehmern statt. Mir geht es um die Entwicklung eines redaktionellen Angebots, das auf der digitalen Ebene immer als Online-Magazin das Bilderlebnis benötigt. Von den guten Geschichten, den interessanten Studienergebnissen und manch steilen Thesen bringen es jedoch nur rund 10 Prozent in die Berichterstattung auf #DigiBuzz – Das Magazin für das Digital Business, ein noch relativ junges Projekt, dem ich seit Juli einen Teil meiner Zeit widme. Bei wirklich spannenden Themen greife ich selbst in die Trickkiste und entwickle einen Chart mit den jeweiligen Prozentwerten einer Studie. Jedoch sollte dies nicht der redaktionelle Aufwand, sondern seitens guter und gelungener PR bereits ein gelieferter Service sein.

Gewiss kann man aus redaktioneller Sicht zur Not die Stockfotografie einsetzen, jedoch hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass selbst bei rechtlich einwandfreien Konstellationen manche Fotografen einen Weg finden, um einzelnen Autoren, kleineren Magazinen und manchen Verlagen das Leben zur Hölle zu machen. Daher verzichte ich explizit auf die lizenzierbaren Fotos aus den großen Archiven und setze ausschließlich auf das offiziell bereitgestellte Pressematerial.

Eine Grafik zur Illustration der Zahlen, eine Infografik für die Darstellung eines Prozesses, das Pressefoto des jeweiligen Zitatgebers oder im schlimmsten Fall das Logo des Unternehmens oder ein Screenshot der Website – all dies sind einfache Beispiele, mit denen die PR eine mögliche Punktlandung optimieren kann. Die meisten Startups schicken sofort zu einer Pressemitteilung bzw. dem PR-Pitch für ein Thema die optionalen Links zu weiterführenden Downloads gleich mit. Gleiches gilt für viele digital aufgestellte Unternehmen, die diese Notwendigkeit im Kommunikationsverhalten erkannt haben. Und dabei geht es keinesfalls um irgendwelche sinnbefreiten Social Media Releases, die vor einigen Jahren hochkochten, aber für kaum einen Autoren sinnvoll nutzbar sind. Viele große Unternehmen und manche Konzerne, aber gerade öffentliche Institutionen und Behörden sowie die meisten Verbände setzen ausschließlich auf Texte. Keine Gruppenfotos bei der Zusammenstellung eines Beirats, keine guten Pressefotos der Zitatgeber, die eben nicht nur in Hochformat, sondern idealerweise als Querformat angeboten werden. Selten werden Studienzahlen und aktuelle Untersuchungen mit Schaubildern und Diagrammen versehen, um die Relevanz der Zahlen zu unterstreichen. Sie alle haben nicht erkannt, dass digitale Medien mehr brauchen als nur Text.

Geprägt durch die alten Ängste, dass jedes Bild (und manches Mal beim Versand sogar jedes einzelne Wort) zu neuen Kosten führen kann, verzichten die Kommunikatoren auf das kleine Quäntchen der Illustration, um ihre PR-Geschichte mehr wirken zu lassen als die von der Konkurrenz. Wer heute digitale Kommunikation und Public Relations wirklich verstanden hat, ist mit der Zeit gegangen und hat sich von der alten Textdenke verabschiedet. Multimediale Kommunikation sollte Standard im digitalen Zeitalter sein – und eine Pressemeldung ohne zumindest weiterführende Downloadlinks auf das notwendige Pressefoto und Bildmaterial gehören einfach verboten.

Veröffentlicht von

Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

48 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Schöner Kommentar – hat meine volle Zustimmung, auch wenn man nicht pauschalisieren sollte: PR ohne Bilder funktioniert selten. Für uns Onliner vor allem, weil man Fotos und Illustrationen auch als Teaser im Social Web einsetzen kann, zum Beispiel bei Twitter. Sicher kostet es qualitatives Bildmaterial zu produzieren, aber das lohnt sich, denn hier kann das Unternehmen mit guten Bildern und einer eigenen Bildsprache auf „die Marke einzahlen“ und davon langfristig profitieren. Offen bleibt nur, warum dieser lesenswerte Blog-Beitrag ohne Bilder auskommt. ;)

  2. @Jörg – Danke, aber in meinem Blog als Medium verzichte ich gerne auf das Bild, da ich hier nicht immer mich selbst als „Zitatgeber“ in den Artikel einbauen muss. :P

  3. @Sachar – Wie gesagt, mein eigener Artikel basiert ja nicht auf Pressematerial anderer und beinhaltet kein Statement bzw. Zitat von dritten, sondern ist ja ein Meinungsbeitrag von mir selbst. Daher wäre es schwierig, Fremdmaterial einzusetzen – und ein monetären Obolus für externe Stockfotos für eine Bebilderung auszugeben, das halte ich für übertrieben in einem persönlichen Blog.

  4. Pingback: Totschlagargument Pressefoto: Ohne gutes Bildmaterial ist die PR nichts wert! - PR inside

  5. Gutes Bildmaterial ist sehr wichtig, leider vergessen das die Medien immer mehr, oder möchten zumindest für gute Bilder nichts mehr bezahlen. Ich selber komme aus der Konzertfotografie und habe sie mittlerweile auf ein geringes Maß runtergefahren, weil immer weniger für diese Fotos bezahlt wird.
    Gruß
    Frank

  6. Pingback: Youtuber – die übersehenen Influencer - Youtuber Relations

  7. Ich bekomme immer wieder Anfragen zu Businessfotos nach dem Motto: was kostet es 10 Mitarbeiter zu fotografieren. Kein Briefing, keine Angabe zu Verwendungszwecken, einfach nichts. Solche Anfragen sagen mir das solche Fotos nur als Füllmaterial verwendet werden und somit überflüssig sind.

  8. Müsste es nicht eigentlich heissen Totschlagargument #keinPressefoto ? Allerdings setze ich noch eins drauf! Lieber keines als ein schlechtes! Ich hatte vor Jahren mal offizielle PR-Fotos (so müsste es ja eigentlich heissen) ausgewertet für einen Vortrag – Mich graust es heute noch, was damals alles verschickt wurde. Ein gutes PR-Foto muss ebenso wie ein gutes Pressefoto eine Geschichte erzählen, sonst hat es keine Chance.

  9. Hach, ich sehe das genauso. Unsere Kunden sehen oft nur die Kosten. Obwohl ohne Bilder, habe ich den Beitrag übrigens bis zum Schluss gelesen ;)

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.