Digitale Kompetenz für Events, Kongresse und Konferenzen

Schluss mit der Langeweile auf Konferenzen. Die Eventbranche befindet sich in einem Stadium der Evolution. Neue Konzepte und Denkmuster lösen in die Jahre gekommene Formate ab. Die zunehmende Digitalisierung von Vorträgen und Konferenzinhalten paart sich mit Social Media. Was Veranstalter unternehmen können, um ihren Event auf die nächste Stufe in der Evolution zu heben, möchte ich mit diesem Beitrag und 15 Ideen verdeutlichen.

Ich habe viele Konferenzen erlebt und dabei die unterschiedlichsten Herangehensweisen gesehen, um aus einem guten Grundkonzept doch wieder nur den typischen Einheitsbrei anzubieten. Unpersönliche Atmosphäre gepaart mit Heizdeckenverkauf eines Sales-Pitches der Referenten – das braucht heute wirklich niemand mehr, der für einige hundert Euro Teilnahmegebühr sich für ein bis zwei Tage auf einen Kongress, eine Tagung oder eine Weiterbildung begibt.

Die Einbindung der Teilnehmer funktioniert heutzutage deutlich besser, wenn die Veranstalter aus dem traditionellen Denkmuster ausbrechen. Es ist nicht mehr der eine Speaker, der einzig und alleine die Bühnenpräsenz innehat. Nein, nahezu jede Keynote, jeder Vortrag und jede Paneldiskussion wird von einer parallel stattfindenden Live-Diskussion begleitet. Die Zeit ist reif dafür, um aus klassischen Konferenzbesuchern aktive Teilnehmer und Mitgestalter zu konvertieren, die sowohl auf analoger als auch digitaler Ebene einer Veranstaltung zu einem Erlebnis verhelfen.

Für diesen Schritt möchte ich eine Hilfestellung geben, ohne den mahnenden Finger zu erheben. Die folgenden 15 Ideen helfen dabei, die Messlatte höher zu legen und sich von Wettbewerbern aus der Eventbranche abzusetzen.

  1. Frei zugängliches, sicheres, flächendeckendes und stabiles WLAN für Innen- und Außenbereiche
  2. Ausreichendes Angebot an Steckdosen, idealerweise mit Verlängerungskabeln und Verteilersteckdosen aufrüstbar
  3. Optionale Arbeitsplätze mit Tisch und Sitzgelegenheit sowie Strom- und Internetanschluss für Live-Reportagen
  4. Veranstaltungsprogramm als digitaler Terminkalender mit Exportfunktion einzelner Vorträge für den persönlichen Kalender
  5. Einheitlicher Hashtag für die Paralleldiskussion in sozialen Netzwerken
  6. Einrichtung einer Twitterwall bzw. Social Wall zur Darstellung und Dokumentation der Paralleldiskussion
  7. Ticketrabatt für digitale Influencer und Blogger
  8. Barrierefreiheit auf allen Zugangsebenen der Veranstaltung
  9. Simultanübersetzung in Englisch für internationale Gäste und in Deutsch für englischsprachige Vorträge
  10. Live-Spracherkennung/-Textdokumentation zur Einblendung von Untertiteln während der Präsentation oder im Livestream
  11. Freier Zugang zu Partnerkonferenzen mit einem einzigen Ticket/Konferenzpass ohne Aufpreis
  12. Bequeme Sitzgelegenheiten außerhalb der Vortragsräume zwecks Networking
  13. Niveau der Ticketpreise muss eine preisgünstige Verpflegung der Konferenzteilnehmer sichern
  14. Zentral gelegener Veranstaltungsort mit guter ÖPNV-Anbindung, ggf. mit Shuttleservice zu unterschiedlichen Locations
  15. Hotelkontingent für Frühbucher in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort

Diese Liste zeigt zwar nur meine persönlichen Präferenzen in den 15 Punkten auf, aber gerade diese machen eine Veranstaltung besuchenswert. Zu diesen auf der technischen und logistischen Ebene umsetzbaren Faktoren kommt jedoch der durchaus wichtige Ansatz, eine Konferenz zu einem echten Happening für die Teilnehmer zu gestalten.

Die re:publica 2014 funktioniert in der Form einer Gesellschaftskonferenz als Vorzeigebeispiel für die Erfüllung aller dieser Faktoren. Aber der Großteil einzelner Kongresse und Tagungen folgt keinesfalls der Wunschvorstellung, neben Stift und Papier in die digitale Welt einzutauchen. Kein Wunder, dass das Konzept der Themen-BarCamps klassische Events immer öfter ablösen.

Gute Beispiele finden sich im KrisenPRCamp oder dem MonitoringCamp wieder, bei denen viele Faktoren für das notwendige Wohlfühlen kombiniert sind. Gewiss fehlt es hier an der Simultanübersetzung, an den Untertiteln oder an einem Livestream, wo wiederum die re:publica so überzeugend auftrumpfen kann. Jedoch macht der Charme die Themen-BarCamps so unglaublich spannend für alle Teilnehmer.

Ich wünsche mir mehr solcher ungezwungenen Veranstaltungsformate, die nicht die Veranstaltung, sondern die Teilnehmer in den Mittelpunkt rücken.

22 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Verstehe zwar nicht was an Kompetenz digital sein kann, aber du hast recht :)
    Solltest mal beim 31c3 vorbeischauen.

  2. Klasse Checkliste! Übernehmen wir sofort in unser Qualitätsmanagement-System. ;-)
    Im Ernst: Grad die klassischen Veranstalter wie IHK, Wirtschaftsförderung, Ministerien können sich das noch mal ins Stammbuch schreiben.

    Und einige Punkte waren auch für mich erhellend: Barrierefreiheit kann man ja auch herstellen, indem man möglichst auf einem Stockwerk plant. Insbesondere aber, dass man wirklich Arbeitsplätze schafft für die Teilnehmer. Ich hörte davon, dass manche direkt von einer Konferenz bloggen. ;-)

  3. Hatte ja am Montag mein erstes Barcamp erlebt und bin nach wie vor sehr begeistert.
    Der Artikel trifft den Kern sehr gut: Laangeweile und Zeitverdruss auf Konferenzen.
    Die Checkliste finde ich sehr hilfreich.
    Hat jemand Erfahrung, wie/ob man so ein Format auch für klassische Konferenzteilnehmer („Ärztekongress“, „IHK-Mitgliederversammlung“ etc.) übernehmen kann?
    Geht ein Barcamp nur mit digitaler Unterstützung? Ohne Twitter und Blog kein Barcamp?

  4. Pingback: Bilderklauwarndorf

  5. Ich kann mich der Mehrheit nur anschließen. Tolle Checkliste!

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