RSS – Naht jetzt das Ende der wirklich einfachen Syndizierung?

Wird RSS sterben, weil’s keiner mehr nutzt? Wird RSS in den künftigen Browsern keine Rolle mehr spielen? In der Blogosphäre macht der typische Jahresanfangs-Unkenruf seine Runde, der seinen Anfang in einem sehr ausführlichen Artikel nahm. Kritisiert wurde eine aktuelle Usability-Analyse zu Firefox 4.0 Beta, der künftig ohne das typische RSS-Icon in der Adresszeile auskommen soll. Selbst Google Chrome besitzt kein ergänzendes RSS-Icon mehr. Wer darauf besteht, muss sich erst eine kostenfreie App aus dem Webstore installieren.

Bricht jetzt eine Weltordnung zusammen? Seit Jahren dominiert RSS das geekige Leben. So lauschet und horchet auf: Wo bleibt nur RSS – etwa auf der Strecke?

Nein, RSS wird keinesfalls seine Relevanz verlieren. Aber die Wirkung und Wahrnehmung von RSS im alltäglichen Gebrauch wird sich definitiv verändern, schließlich war damals doch alles anders. Die meisten Nutzer verstehen heutzutage scheinbar nicht die Funktion hinter dem kleinen Button im Browser. Nur wer als „Newbie“ nachforscht oder sich konkret damit auseinandersetzt, wird das Prinzip von RSS in den abonnierbaren und selektierbaren Informationen erkennen. Zudem ist der Begriff im deutschen Sprachgebrauch hinsichtlich „abonnieren“ auch leicht irreführend, schließlich bekommt der Nutzer kein „Zeitungsabo von der Webseite“ per Post zugestellt. Die Tatsache, dass RSS schlichtweg ein recht universelles Informationsverbreitungspaket über XML bereitstellt, wird in dieser Diskussion um Usability auch generell unterschlagen. Mittlerweile sucht der Mensch weniger nach Informationen, wie es bei RSS durch die Selektion der Nachrichten erfolgt.

Wir werden von den Informationen gefunden – das weiß doch jedes Kind. Wir selbst bedienen uns dabei anhand von Facebook oder Twitter. Man bedenke nur die allgemeinen Probleme des Zeitmanagements beim Konsum von RSS Feeds. Und man sollte auch bei den aktuellen und künftigen Nutzern davon ausgehen, dass sie akute Usability-Probleme mit RSS in den nächsten Jahren haben werden. Älteren Nutzern ist dieses RSS-Abonnement absolut nicht ohne eine erklärende Einführung beizubringen. Sie repräsentieren nicht unbedingt die Technikfreaks mittleren Alters. Auch die jüngeren Nutzer greifen zu oft zum „iToy“, um Informationen aus dem digitalen Orbit zu konsumieren. Alles wird anders und wir spüren diese Entwicklung jetzt bei der Diskussion über die Integration von RSS als visuelles Objekt in den modernen Browsern – und durch neue Methoden für die von Lesegeräten und/oder Clients unabhängige Publizierung von Inhalten.

Veröffentlicht von

Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Meine Gedanken dazu:
    RSS war doch schon immer nur für „Power-User“ relevant, oder täusche ich mich da. „Power User“ -> Blogger, Journalisten, Newsjunkies, Profi-Tracker, Leute aus dem Social Media Bereich. Daher meine Prognose: Es wird sich in den nächsten drei bis vier Jahren absolut nichts am Thema RSS ändern.
    Vielleicht sorgt der Mainstream-Normalo-iToys-User dafür, dass man die kleinen RSS Buttons nicht mehr so präsent antrifft; aber die Funktion ist für jede Website unverzichtbar, denke ich; und somit für Netzmenschen unverzichtbar.

    Ergo: Bis auf ein paar neue Reader/Apps und das nicht mehr so präsente RSS-Angebot tut sich da erstmal nix.

  2. @Chris – Die Poweruser sind nämlich genau diejenigen, die sich die RSS-Extension für die Browser selbst aktivieren bzw. mit den diversen Apps und Plugins so lange rumdoktorn, bis der Browser nach gebastelten Individualvorstellungen perfekt wird. Otto-Normalo-User guckt sich die Webseite an und tippt im schlimmsten Fall die URL auch bei Google ins Suchfeld ein, anstatt in die Adressleiste zu schreiben. :(

  3. Och, Mike…
    Jetzt hab ich gerade eine neue auf RSS basierende Seite in unser Blog implementiert und jetzt machst du hier die Panik.
    Spielverderber!

  4. Stimmt. Wie meine Mutter. Die denkt auch bei Abo an „Tür zu“.
    @Frank: Was ist eine „auf RSS basierende Seite“ ?

  5. Also ich fand die Einbindung von RSS immer eine gute Idee. Klar spricht es nur die Intensivtäter im Internet an, aber viele Leute bekommen ja auch gar nicht mit, das der Dienst angeboten wird. So viel Arbeit macht es nicht und deshalb würde ich es auch so lassen.

  6. Pingback: Twitter, Facebook und XING: Linkschleuderei als digitalen Selbstbeweihräucherung? | MikeSchnoor.com

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