Piratenpartei: Starkes Wachstum im studiVZ

In einer aktuellen Pressemitteilung erklärt die VZ-Gruppe, wie Online-Wahlkampf funktioniert oder zumindest zu funktionieren hat. Die Piratenpartei Deutschland hat nach einer Woche insgesamt 16.237 Anhänger innerhalb einer Gruppe von studiVZ/meinVZ. Die SPD folgt mit 15.861 Fans auf Platz zwei, die FDP ist mit 15.778 Anhängern knapp vor der CDU (15.715 Anhänger) auf Platz drei. Das Bündnis 90/Die Grünen können 13.823 Anhänger, der Linken 8.592 Anhänger und die CSU 3.055 Anhänger verbuchen. Repräsentativ für die deutsche Bevölkerung und den bevorstehenden Wahlabend der kommenden Bundestagswahl 2009 ist dies natürlich noch lange nicht.

Immerhin amüsiert es mich durchaus, dass so viele junge Menschen ihre persönliche Parteizugehörigkeit so offen innerhalb eines Social Networks preisgeben. Welche Partei hier präferiert wird, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Zumindest in unserem Land gibt es geheime Wahlen, so dass die jeweiligen Wähler ihre Stimmzettel unbeobachtet, unbeeinflusst und eigenhändig ausfüllen können. Verhindern Social Networks mit der Präsenz von Partei und der Tatsache, dass man mit nur wenigen Klicks zu einem Fan werden kann, dieses demokratische Grundprinzip? Vielleicht liegt dieses Problem der Nichtkenntnis des Allgemeinen Wahlrechts ja auch in der Natur von jungen Wählern. Müsste man dabei nicht entsprechend Aufklärung betreiben und explizit die Nutzer darauf hinweisen, dass ihre Angaben über eine Anhängerschaft respektive das eigentliche „Fan sein“ ein sehr wichtiges Thema ist?

Social Media ist letztendlich ein sehr offenes Gebiet der Kommunikation. Selbst wenn die VZ-Gruppe einen hohen Standard an dem Schutz der Nutzerdaten unter Beweis stellt, könnte irgendwann jemand Drittes genau diese offen bekannte „Anhängerschaft“ zu egal welcher Partei nicht auch missbrauchen?

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Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Naja, es hat schon immer Parteienbekenntnisse gegeben. Nun durch diese öffentliche Meinungsäußerung davon auszugehen, das demokratische Recht der freien Wahl ist beeinflusst, halte ich für einen Irrglauben. Du forderst ja auch nicht Parteimitgliedschaften abzuschaffen. Und offensives Werben um Wähler im Freundeskreis gab es auch schon immer.

  2. Kann Timo nur Recht geben. Online-Wahlkampf bedeutet ja nur, dass sich Menschen bereit erklären, sich öffentlich zu einer Partei zu bekennen, vergleichbar mit einem Wahlkampfstand.

    Das dies bei studiVZ und meinVZ vollzogen wird und nicht bei schülerVZ, ist ja nur eine Konsequenz aus den bereits vorhandenen politischen Gruppen und der Möglichkeit seine politische Orientierung kund zu tun.

    Recht gebe ich dir, dass sicherlich Bewusstsein dafür geschaffen werden muss, dies nur dann zu tun, wenn man sich dazu nicht öffentlich dafür bekennen möchte.

    Letzendlich gefährdet es jedoch nicht unser geheimes Wahlrecht, da trotz meines „Fanzugehörigkeit“ dies nicht meine Stimmenabgabe beeinflusst und wiedergibt, denn selbst als Mitglied einer Partei, kann ich ja wählen was ich möchte.

  3. Ich bin mir sehr sicher, dass sich viele der „Anhänger“ dort nicht darüber bewusst sind, dass diese durchaus private Angelegenheit dadurch einen öffentlichen Charme erhält. Man braucht bestimmt auch nur selbst angemeldet sein und kann die Mitglieder respektive Anhänger sehen. Irgendwann vergisst das ein junger Mensch, und wenn er dann Karriere machen möchte, taucht bei einer Social Network Analyse seiner Präsenz auf, dass er sich für die XYZ-Partei interessierte – sowas mag durchaus bei manchen Arbeitgebern ein Einstellungskriterium sein oder gegen die Einstellung sprechen.

  4. Ich schließe mich Timo und Fritten an.

    @Mike
    Das ist dann aber doch letztlich die gleiche Frage wie bei privaten Bildern und anderen Informationen bei denen sich nicht jeder die nötigen Gedanken macht und das nötige Bewusstsein hat, dass dies nun hier in der Öffentlichkeit geschieht und nicht im kleinen, privaten Rahmen.

    Ich jedenfalls trage ganz bewusst mein Partei-Anhängerschaft (und -Mitgliedschaft) vor mir her, weil ich alleine dadurch ja auch schon andere in meinem Sinne beeinflusse und das will ich ja.

  5. @Henning Das ist ja auch dein gutes Recht, deine Parteizugehörigkeit und deine politische Präferenz den Leuten zu demonstrieren. Dass man persönlich politisch aktiv wird, ist auch gut so.

    Doch sind diese knapp 17.000 Anhänger sich auch genau dessen bewusst, dass sie grade für eine dieser Parteien mit ihrem Namen ohne echte Mitgliedschaft in der Partei einstehen? Und wie hoch ist eigentlich der Anteil derer, die in mehreren der Parteien (im studiVZ) Mitglied sind? Es gibt bestimmt einige User, die Pirat, FDP und SPD angehören.

    Und ich bin mir nicht sicher, ob auch mit den Aussagen über die Präferenzen hinsichtlich einer politischen Meinungsbildung beim studiVZ nicht genug Transparenz und Aufklärung betrieben wird.

  6. @Mike
    „Und ich bin mir nicht sicher, ob auch mit den Aussagen über die Präferenzen hinsichtlich einer politischen Meinungsbildung beim studiVZ nicht genug Transparenz und Aufklärung betrieben wird.“

    Ja – aber worauf ich hinauswollte: Das ist nicht speziell ein Problem der Offenbarung der politischen Präferenzen, sondern ein generelles Problem mit der Frage von Privatheit und Öffentlichkeit in Social Networks. Die Parteipräferenz bzw. politische Richtung konnte man übrigens auch vorher schon angeben.

    Und dass Menschen Anhänger mehrerer Parteien sind, finde ich nicht verkehrt. Man schwankt ja teilweise zwischen zwei oder drei Parteien und drückt damit schon mal aus, dass die fehlenden definitiv nicht zur engeren Wahl gehören.

  7. Die meisten meiner Freunde – und ich auch – sind auch Fans der Piratenpartei und haben uns im Vz angeschlossen. Wundert mich aber doch dass es so viele Leute sind…

  8. Also ich denke, dass zumindest bei der Piratenpartei die Mitgliedschaft in der Gruppe eher die Sympatie wiederspiegelt, als die wirkliche Stimmabgabe bei der Wahl.
    Bei den anderen Parteien ist es vielleicht anders, aber die Piraten werden bestimmt nicht alle Gruppenmitglieder wählen.

    Das Parteiprogramm ist da ein wenig dünn denke ich, mit den Urheber- und Internetgesetzten allein kann man zwar viel Wirbel in der digitalen Welt erreichen, aber ein Land regieren…dazu wird es nicht reichen.

  9. Jeder, der da etwas angibt, ist sich darüber bewusst, was er da macht!

    Ich darf auch aus einem Wahllokal raus rennen und jedem erzählen wen ich gewählt habe.

    Bzw. mich an nen Stammtisch einer Partei begeben, könnte ja auch jemand beobachten.

    Es ist viel wichtiger, dass sich junge Menschen für Politik interessieren! Und studivz trägt da gerade einen Teil dazu bei, finde ich übrigens verantwortungsvoll!

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