T-Home wirbt mit Marcel Reich-Ranicki

Dumpfe Klänge schallen durch das Wohnzimmer, wenn man den Bass so laut aufdreht, damit man die schlechte Programmqualität einiger TV-Sendungen überhören kann. Erst vergangene Woche bewies Marcel Reich-Ranicki seine Courage und lehnte die Ehrenauszeichnung des Deutschen Fernsehpreises ab. Fulminant wurde eine spontan anberaumte Sondersitzung im TV ausgestrahlt, um der Debatte um Qualität ein wenig die Sporen zu geben. Doch jetzt schlägt’s 13!

Laut Berichten des Kölner Express und Berliner Zeitung wirbt niemand geringeres als Literatur- und Fernsehkritiker Marcel Reich-Ranicki für die Telekom-Tochter T-Home mit dem Slogan „Bei uns findet jeder ein Fernsehprogramm, das ihm gefällt“. So ist das also, wenn man erst auf die öffentlich-rechtlichen Sender und das Privatfernsehen vehement eindrescht, kurz darauf aber mit einer Werbeanzeige für einen Pay-TV-Sender öffentlich auftritt. Zwar wird dementiert, dass mehr dahinter stecke als der Einsatz purer Spontanität, aber möge sich jeder sein eigenes Bild über diesen „Zufall“ machen…

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Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: ilikestretching

  2. Ich wusste nichts von der Werbung, danke für den Hinweis. Reich-Ranickis Auftritt ist zwiespältig – schön, dass er solche jämmerlichen shows nicht erträgt. Aber in unseren Zeiten genügt ein zu harter Sessel (die damals grade um die 40 Jahre alte Ina Hartwig von der Frankfurter Rundschau hat sich beim Bachmann-Wettlesen in Klagenfurt auch schon über die „zu harten Stühle“ beschwert – Sorgen haben Leute um 40 heute ;-) bereits zu einer kleinen Brüllerei. Reich-Ranicki hat allerlei andere Preise dieser Art gerne angenommen.
    Das Dilemma ist, dass wir uns alle an ein jämmerliches postmodernes Mediengebrüll gewöhnt haben. Es ist für „Profis“ eben gerade *kein* Widerspruch, gegen das schlechte Niveau von Privatsendern etc. zu schimpfen, und peinliche Werbung zu machen, die dem Zornesausbruch völlig widerspricht. „Ich inszeniere mich eben täglich neu“, flötet man dann… Und wenn Marcel Reich-Ranicki selbst das nicht sagt – er ist nicht mit diesem Kulturwissenschafts-Unsinn gross geworden, er hatte unbeschreibliche, grauenvolle Jahre erlebt – dann sagen es halt die Kommentatoren in den Feuilletons. Lesen Sie mal… Kleines Beispiel von Harry Nutt, auch er aus der Frankfurter Rundschau: vor Jahren riet er der ARD, mehr unterhaltende Koch-Sendungen oder dergleichen zu machen… Er forderte also Senkung des schon recht ärmlichen Niveaus in seinen „medienkritischen“ Beiträgen.

    Nein, das Niveau in den Feuilletons ist insgesamt nicht höher als das der Fernsehsendungen (wir haben immer noch herausragende Beiträge in den dritten Programmen, beispielsweise.) Man hat eher den Eindruck, es herrsche eine grosse Langeweile – also nudelt man im Zweiwochentakt die Themen runter, und verliert jedes Gefühl für die Wichtigkeit der Beitäge. Finanzkrise, oder die Heirat von Hurlefinz mit DJ Brambo-Yo, dann Ackermann/Sodann, dann Kochrezepte der Reichen – alles doch „irgendwie fashion, oder?“. Dieser „ironisch“ genannte Stil, („cool sein heisst – nichts wichtig nehmen“) ist nun schon mindestens 15-20 Jahre alt. Reich-Ranicki ist – zu meinem Bedauern – nicht als Kritiker dieser näselnden, gelangweilten Leute aufgefallen. Deshalb bleibt sein Zornesausbruch zwiespältig, und mit der absurden Werbung passt er gradezu ins Bild.
    Trotzdem, wer weiss, vielleicht nehmen einige ihn ja ernst. Gottschalk wiederum stimme ich in seiner Kritik der sogenannten „Edlen“ zu. Die selbsternannte Elite der „art-scenes“ ist sicher nicht das, was die Welt in irgendetwas besser machen würde. Eitelkeit über alle Massen bei den „art-scenes“ grad so wie im Fernsehbrei, und überall ab und zu einmal ein paar menschlichere Gesichter. Auf genau die Personen wird dann vorzugsweise gedroschen, nicht nur, aber oft, von Harald Schmidt. Wer hat nicht drei Millionen mal „Gutmensch“ gehört, in den letzten Jahren?
    Wie würden die Kritiker übrigens Schmidt, diesen ehrgeizzerfressenen Zyniker, einordnen? Wurde der von Reich-Ranicki mitkritisiert, als Fernsehgrinser? Oder gehört der zu der ädlen Kultur, die angeblich fehlt, zum selbsternannten „ironischen dazwischen“? In Schmidt haben ganze Kultursparten ihren Hass und Geifer über Jahre ausgelebt, und gläubig bei Sat1 und in der ARD – Fernsehen geschaut. Aber – wir inszenieren uns ja auch immer mal wieder neu :-).

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