Goodbye Joost

Natürlich ist ein „Hype“ immer davon abhängig, was für ein Produkt bzw. Service eigentlich gehyped wird. Das kann ein Sportschuh oder ein Film sein, aber im Grunde genommen kann ein Hype zu allem und jedem aufgebaut werden.

Der Hype um Joost als neuartiges Internet-TV Entertainment hat sich gelegt. Anfangs wollte jeder in das System hinein und eine der begehrten Einladungen ergattern. Man probierte es aus, erhielt die kompakte Form von TV-artigem Entertainment am Laptop und schaltete Joost in der Regel nicht mehr ein. Die Presse und zahlreiche Blogger schrieben wortgewandt über die Software weiter. Doch der Hypefaktor ging meiner Meinung nach immer stärker verloren: Nach knapp einem Jahr hat es sich ausgejoostet.

Aufgebaut wurde alles rund um den Skype-Master Niklas Zennström, so dass der Hype um Joost zu einem kleinen Personenkult wurde. Was Niklas angefasst hat, musste sein Geld wert sein. Doch der Pressewirrwarr rund um den Joost-Hype konnte kaum aus dem eigentlichen Schema des Personenkults ausbrechen und wie ein Lauffeuer ein Medienecho rund um den Dienst entfachen. Immer wieder las ich über Joost und Niklas Zennström, aber nicht darüber, dass Joost die Massen begeistern konnte. Ich glaube, dass es an dem Konzept selbst liegt: Einfach Fernsehinhalte ohne das Mindestmaß an User Generated Content bzw. irgendeine interaktive Integration der zwischenmenschlichen Kommunikation über eine eigene Softwareapplikation zu distribuieren – soetwas legt ganz klare Zielgruppen fest, die sehr nah an der klassischen Couchpotato am Samstagabend angesiedelt sind.

Kommentieren, Diskutieren, Bewerten, Sharing – das gesamte Repertoire des Prosumentenverhaltens aus der Sicht des Web 2.0 kann bei Joost nicht entfaltet werden. Nur sich zurück zu lehnen und ein wenig selbstständig das Programm zu selektieren, ja eigentlich nur zusammen zu würfeln – das bringt auf Dauer dem Nutzer nichts, der durch Plattformen wie YouTube, sevenload (mein Arbeitgeber), Facebook, XING, oder meinetwegen auch Flickr an partizipative Kommunikation in Social Communities gewöhnt ist. Als normaler Nutzer möchte ich doch an allem teilhaben – entweder durch meine kritischen, produktiven oder zumindest lästigen Kommentare, einer eigenen Videobotschaft oder zumindest der positiven/negativen Bewertung einer Sendung innerhalb der gesamten Community. Genau diese einfachen Mittel fehlen Joost – das was woanders unglaublich viel Spaß macht, kann aufgrund des Nichtvorhandenseins bei Joost nur zum Abschalten und Deinstallieren anregen.

Veröffentlicht von

Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Mike,

    da hast Du aber nicht gut recherchiert. Joost ist gespickt mit Community-Funktionen. ich kann sogar mit meinen Freunden zusammen „Fernsehen“ und dabei gleichzeitig chatten… Also falsch ist Joost in keinem Fall, auch die Qualität des ein oder anderen Films war atemberaubend z.B. die ganzen Red Bull Filme…

    Ich war am Anfang auch völlig begeistert, bin dann aber irgendwie mit der Zeit nicht mehr auf Joost gegangen. Ich glaube es liegt an dem „Client Tool“. Es nervt einfach immer dieses Ding aufrufen zu müssen und in eine völlig neue Welt abzutauchen. Da macht das „Fernsehen“ im Browser mehr Spass, man fühlt sich dann einfach „zu hause“ in gewohnter Umgebung. Ich hoffe, das Dein Arbeitgeber bals auch HD Videos anbietet, denn das ist der Hammer im Browser…

    Fazit:

    Fernsehen im Internet macht super Spass, aber nicht wenn man eine extra Software starten muss…

  2. Ich hatte mir keine hoch-aktuelle Version von Joost geholt, sondern mein Resumee aufgrund meiner damaligen Nutzung zusammengefasst.

    Wenn Joost einige interaktive Features hinzuaddiert hat, trägt das natürlich dem gesamten Produkt bei. Aber ich bin ein Mensch, der ausschließlich den Browser für Interaktion im Internet benutzt.

    Wenn ich an einige Bekannte denke, sind geben die eine Adresse bei Google direkt ein, anstatt sie oben im Adressfeld des BRowsers einzugeben. Wenn man mit Joost die Zielgruppe der „40+“ Surfer holen wollte, hätte man schon durch die Softwareapplikation als eigenständige aus dem Browser losgelöste Anwendung ein gewaltiges Problem.

  3. Das ist genau das, was ich gemeint und gesagt habe. Alles außerhalb des Browsers „nervt“…

    Frohe Ostern ;o)

  4. Pingback: Basic Thinking Blog | Joost

  5. Pingback: Joost? Da war doch was… » Der Korsti bloggt

  6. Hi Mike,

    hast Du schon diesen Artikel gelesen ;o) , dass passt prima zu unserer „Diskussion“ ;o)))

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  9. Pingback: medienlese.com » Blog Archiv » Das Joost-Drama

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