Kiffer-Fotos für die Behörden

Langes Interview, prägnanter Inhalt, pressetechnisch abgewatscht – das aktuelle Interview „Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen Daten jetzt herausgeben“ vom StudiVZ Geschäftsführer Marcus Riecke auf Spiegel Online hatte ursprünglich eine andere Überschrift, die sogar mit einer Eil-Pressemeldung korregiert wurde. Dank Google’s Cache und diversen anderen Nachrichtenaggregatoren kann man unabhängig vom Inhalt eines Interviews bzw. des Artikels folgendes finden:

„Gott sei Dank dürfen wir Kiffer-Fotos jetzt den Behörden geben“

Mir bleibt dabei die Spucke weg, die Kinnlade fällt runter und es tropft auf den Tisch. Ich finde es untragbar, dass dieses „VZ“ sich die Profilbilder der Nutzer anschaut und scheinbar die Staatsanwaltschaft alarmiert, wenn auf einem der Fotos jemand kifft. Natürlich ist es nicht erstrebenswert, dass man Drogenkonsum unterstützt. Ich distanziere mich ausdrücklich davon, auch wenn ich mittlerweile einen neuen Wahlspruch für meine im Internet digitalisierten Profile verinnerlicht habe: „Sex, Drugs, Rock’n’Roll – oder anders gesagt: Meine Familie.“

Eine schöne Web 2.0 Welt ist es, wenn man vielleicht sogar bald von einem „VZ“ beim Staat oder gar der Kirche angeschwärzt wird, nur weil man vielleicht mit einer anderen Frau / einem anderen Mann anstatt des richtigen Ehepartners auf einem Partyfoto zu sehen ist. Wo kommen wir denn da hin? Als Protestaktion schlage ich vor: Verbrennt oder zerschlagt die Kameras!

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Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

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  2. Andersherum: StudiVZ will keine Kiffer anzeigen, das würde schließlich auch Geld kosten. Wenn der Staatsanwalt kommt, werden sie aber bereitwillig Auskunft geben.

  3. Ich könnte mich auch ewig darüber aufregen. Zumal so ein „Kiffer-Foto“ rein gar nichts aussagen muss. Wer sagt denn, dass meine Zigarette wirklich Kanabis enthält? Ach, es ist schon fast müßig sich über diese Negativ-PR von StudiVZ ständig aufzuregen.

  4. „Ich finde es untragbar, dass dieses “VZ” sich die Profilbilder der Nutzer anschaut und scheinbar die Staatsanwaltschaft alarmiert, wenn auf einem der Fotos jemand kifft.“

    sorry, aber das lese ich aus dem Interview nicht heraus. Ich versteh die Aussagen vom studiVZ-Chef so, dass sie bei Ersuchen Daten rausgeben, aber nicht so, dass die von sich aus gleich Leute anzeigen.
    Klar, wahrscheinlich gibts dann andre Mitglieder, die denunzieren und anzeigen, aber damit muss man eben leider rechnen, wenn man solche Bilder ins Netz stellt…

  5. @Michael – „Scheinbar“ ist hier das tragende Wort. Ob sie das wirklich machen, kann wohl niemand bestätigen oder nachvollziehen – bis der Fall der Fälle eintritt. Dennoch halte ich es für sehr fragwürdig, dass man Fotos von rauchenden Menschen im Prinzip pauschalisiert…

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